Corona

Bürgermeister fordern neue Strategie

16 Rathaus-Chefs aus dem Süden schicken Brief an Kretschmann. Sie sorgen sich um die Zukunft der Innenstädte.
Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Süden Baden-Württembergs können die Verzweiflung, die sich im Einzelhandel, in der Hotellerie und Gastronomie sowie im Tourismus ihrer Städte breit macht, nicht mehr ertragen. Sie wollen nicht mehr tatenlos zusehen, dass aufgrund der Corona-Beschränkungen immer mehr Existenzen gefährdet sind, und sie sorgen sich um die Zukunft ihrer Innenstädte.

„Die menschliche Verzweiflung wird immer stärker spürbar“, sagt Georg Riedmann, Bürgermeister von Markdorf am Bodensee. Deshalb haben er und sein Kollege Erik Weide aus Friesenheim (Ortenaukreis) einen Brandbrief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann geschrieben. 14 weitere Bürgermeister aus dem Süden des Landes unterstützen das Anliegen.

Die 16 Verwaltungs-Chefs fordern „klare und transparente Öffnungsstrategien“. Der Inzidenzwert von 35 Infizierten je 100 000 Einwohnern könne nicht mehr das alleinige Kriterium für Lockerungen sein. „Nach einer solch langen Zeit in der Pandemie erscheint uns diese Ausrichtung des politischen Handelns für nicht mehr weitblickend genug“, heißt es in dem Brief. Die Ungerechtigkeiten, die daraus entstünden, seien kaum mehr akzeptabel.

Totale Perspektivlosigkeit

Einzelhändler könnten nicht nachvollziehen, warum sie mit „hervorragendem Hygienekonzept“ ihre Waren nicht verkaufen dürften, während das großen Supermärkten erlaubt sei, in denen sich die Kunden drängten und „dort von Einhaltung der Corona-Verordnung wegen der schieren Menschenmenge nicht mehr gesprochen werden“ könne. Auch Hotellerie und Gastronomie, „als Branche einer der größten Arbeitgeber“, fänden sich trotz ausgezeichneter Hygienekonzepte „in der vollkommenen Perspektivlosigkeit wieder“.

„Wir fordern eine Abkehr von der reinen Politik der Beschränkung und Verbote zu einer Politik der möglichst großen Freiheit mit bestmöglicher Begleitung von Hygienemaßnahmen“, schreiben die Verwaltungs-Chefs. Schulen und Kitas müssten dauerhaft geöffnet werden, fordern sie weiter.

Unabhängig von den 16 Bürgermeistern haben sich auch Bernd Häusler, Oberbürgermeister von Singen, und Dr. Gerd Springe, Vorstandsvorsitzender des Stadtmarketings Singen aktiv, mit einem Brief an den Ministerpräsidenten gewandt. Auch sie weisen darauf hin, dass Existenzen und Arbeitsplätze vernichtet werden. Sie fordern konzentrierte Impfaktivitäten, flächendeckende Schnelltests und die Öffnung des Handels, der Gastronomie und der Kultur. Petra Walheim
© Südwest Presse 03.03.2021 07:45
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