Guten Morgen

Dante lag völlig daneben

Jan Sigel über das absolut falsche Bild der Hölle eines Schriftstellers.

Er meinte die Hölle zu kennen. Dante Alighieri. Der italienische Schriftsteller aus dem 14. Jahrhundert. Er schreibt in seiner „Göttlichen Komödie“ über seine Reise zu Luzifer persönlich. Dabei trifft er auf 600 Seelen, die grausig dargestellten Bestrafungen und entsetzliche Qualen in der Hölle erdulden müssen. Seit heute weiß ich: Dante liegt völlig daneben. Schließlich hat er die schlimmste aller Höllenqualen in seinem Werk gar nicht erst erwähnt: den Kundenservice eines Telefondienstleisters. Dante schreibt kein Wort über die schier endlose Folter einer Warteschleife inklusive nervtötender Musik, die an Körperverletzung grenzt. Auch nichts über die Qual im darauffolgenden Gespräch. Da müssen zunächst unzählige Kunden- oder Servicenummern durchgegeben werden – und will man dann sein Problem schildern, wird man prompt weitergeleitet. Warteschleife. Im schlimmsten Fall bricht die Verbindung ab und der „Spaß“ fängt von vorne an. Nein, von alledem schreibt Dante Alighieri kein Wort. Wie auch? Als er lebte, gab’s ja auch kein Telefon oder Internet – und somit auch keine technischen Probleme oder telefonischen Kundenservice. Das muss der Himmel auf Erden gewesen sein…

© Schwäbische Post 03.03.2021 21:39
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