Reiten

Die neue Angst vor EHV-1

Reiter kämpfen gegen das in Spanien ausgebrochene Virus. Auch der Baden-Württemberger Sven Schlüsselburg ist betroffen.
  • Ist mit zwei infizierten Pferden aus Spanien heimgekehrt: Sven Schlüsselburg aus dem baden-württembergischen Ilsfeld. Foto: Eibner
Es sind Bilder und Nachrichten aus dem Veranstaltungsgelände in Valencia, die schockieren und beängstigen. Einige Pferde sind bereits aufgrund des Herpes-Ausbruchs gestorben. Es handelt sich um eine Variante, die nach den Angaben des Weltreiterverbandes (FEI) besonders aggressiv und ansteckend ist. Womöglich wurde auch die Kommunikation mit den Reitern fahrlässig gehandhabt. Mike Patrick Leichle aus Schnarup-Thamby ist mit zehn Pferden nach Südspanien gereist und berichtet, dass Informationen viel zu spät weitergegeben worden seien.

Der Reiter aus Schleswig-Holstein hatte beobachtet, wie schon am Sonntag zuvor mehrere Pferde Symptome gezeigt hätten. Er hat bislang selbst ein Pferd durch das Herpes-Virus EHV-1 verloren. Auch der als Trainer mitgereiste Hilmar Meyer aus Thedinghausen beklagt tote Pferde seiner Schüler. „Für mich ist nicht die Frage wie ich nach Hause komme, sondern mit wie vielen Pferden“, lautet seine bange Frage.

Veranstalter im Lockdown

Weil Herpesausbrüche mindestens in drei weiteren europäischen Ländern registriert wurden, hat die FEI die Konsequenzen gezogen und bis 28. März in zehn Ländern sämtliche internationale Turniere verboten. Nur die stark nachgefragten Veranstaltungen in Vejer de la Frontera (Spanien), Vilamoura (Portugal) sowie San Giovanni und Gorla Minore in Italien werden fortgesetzt, sofern keine Herpesinfektionen festgestellt werden. Allerdings dürfen keine neuen Pferde eingeschleust werden. Das Turniergelände verlassen können nur Pferde, die ein offizielles Attest haben.

„Wir sind uns im Klaren darüber, dass eine große Anzahl Pferde das Turniergelände in Valencia ohne tierärztliches Attest verlassen hat. Das bedeutet, ihr Gesundheitszustand war unklar. Einige Pferde waren bereits krank, und das Ansteckungsrisiko bereitet uns große Sorgen“, beklagt die FEI. Noch am Dienstag wurde das schon laufende Turnier im spanischen Oliva gestoppt. Inzwischen hat auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) reagiert und alle nationalen Pferdesportveranstaltungen ebenfalls bis zum 28. März verboten. Der Bundesstützpunkt in Warendorf wurde für alle externen Pferde geschlossen.

Für manchen Pferde-Profi kommt das zu spät. Das zeigt der tragische Fall des Ilsfelders Sven Schlüsselburg: Der Newcomer unter den deutschen Spitzenreitern wollte die Chance auf eine Olympiateilnahme nutzen und sich akribisch vorbereiten. Deshalb reiste er schon Mitte Januar nach Valencia, um seine Pferde, darunter auch seinen Überflieger Bud Spencer, in Form zu bringen. Denn Bundestrainer Otto Becker hatte auch dafür gesorgt, dass das aufstrebende Talent in der Global Champions Leage um die großen Geldtöpfe reiten darf.

„Ich habe immer davon geträumt, einmal die Global Champions Tour zu reiten“, äußerte sich der 29.Jährige euphorisch. Doch der Traum ist vorerst ausgeträumt. Denn seine beiden Pferde wurden in Doha, wo die Tour an diesem Wochenende mit vielen internationalen Spitzenreitern startet, positiv auf das Herpes-Virus getestet. Guten Glaubens sei er aus Valencia Mitte Februar abgereist, weil seine Pferde keine Symptome gezeigt hätten. „Die Pferde wurden mehrmals getestet, waren letzte Woche negativ, diese Woche positiv“, lässt der Reiter über die FN mitteilen. Inzwischen wurden seine beiden Pferde in eine Klinik gebracht. Ausgang ungewiss.
© Südwest Presse 04.03.2021 07:45
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