"Wald geht vor Wild?"

Zu "Hauptsache, der Winter geht langsam" vom 7. März:
Zu diesem Beitrag ist in Bezug auf die Verlautbarungen von Forstdirektor Johann Reck folgendes anzumerken: Die Verlautbarungen in Bezug auf die Situation des Wildes, hier insbesondere des Niederwildes (Rehwild, Hasen usw.) sind zwar in sich nicht unbedingt logisch, sie geben jedoch vollinhaltlich die in Forstkreisen vorherrschende und aus der Schreibtischperspektive entstandene und geprägte Grundeinstellung des "Wald kommt vor Wild" wieder.
Diese einseitige Betrachtungsweise übersieht leider, dass auch die Tiere des Waldes als Mitgeschöpfe - und nicht mehr als Sachen - verfassungsrechtlichen Schutz beziehen beziehungsweise für sich beanspruchen können, woraus sich eine besondere Verpflichtung des Menschen und damit auch der für den Wald verantwortlichen Personen ableitet. Darüber hinaus leitet sich diese Verantwortung/Verpflichtung auch aus dem Tierschutzgesetz ab, im dem unmissverständlich formuliert ist, dass einem Tier aus einem nicht vernünftigen Grund weder Schmerzen noch Leiden zugefügt werden dürfen. Und dieses Tierschutzgesetz ist dem Jagdgesetz übergeordnet.
Vor diesem Hintergrund ist zur Situation des Wildes in den Wäldern auf der Ostalb festzustellen, dass die derzeitige Futtersituation für Rehwild und Hasen, bedingt durch die hohe und im Untergrund verharschte Schneeauflage, eindeutig eine ausgeprägte Notsituation ist. Hinzukommt, dass diese Situation nun seit November mehr oder weniger ununterbrochen besteht.
Die Wildtiere leiden unter den gegenwärtigen Bedingungen eindeutig Not. Der Mensch, in diesem Falle die Jagdberechtigte/Behörden, sind auf Grund der Vorgaben eindeutig verpflichtet, diese Notsituationen soweit wie möglich zu lindern, wobei es immer nur um eine möglichst artgerechte Versorgung und nicht um eine unsinnige Überversorgung gehen kann. Es wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn auch die für den Forst verantwortlichen Personen, die diesbezüglich zweifelsohne Sachverstand für sich in Anspruch nehmen können, diese Tatsachen zur Kenntnis nehmen würden und sich der daraus resultierenden Verpflichtung bewusst werden würden und entsprechend danach handelten.Alfred Roder, Aalen-Wasseralfingen
© Schwäbische Post 14.03.2006 00:00
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