Groteske Situation

Zum Thema: "Gewerkschaften kontra Schröder":
Es ist beinahe eine groteske Situation, wenn der Kanzler als Vorsitzender der jetzt 140 Jahre alten "Arbeiterpartei" SPD bei der Hauptkundgebung des DGB zum "Tag der Arbeit" von wütenden Gewerkschaftern mit großem Pfeifkonzert empfangen wird. Sie sehen in ihm den "Abbruchunternehmer" des Sozialstaates, der mit der Agenda 2010 hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte kräftig zurückschneiden will.
Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille, es wäre eine allzu oberflächliche Betrachtung. Gerhard Schröder wurde durch seine Freunde in der Gewerkschaft (er selbst ist ver.di-Mitglied) auch stellvertretend für seine Wähler ausgepfiffen. Mit Recht! Denn er war es, der seit Beginn der rot-grünen Regierungszeit allen Bemühungen um die seit Jahren dringenden Reformen der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes ausgewichen ist.
Ferner die ständig verharmlosenden Aussagen des Kanzlers und seiner verantwortlichen Minister über die bedrohliche Finanzlage des Bundes und der nicht minder schlechten Finanzlage der Sozialkassen". Alle diese Aussagen muss man im Kontext sehen mit den SPD-Wahlkampfparolen 2002, wo unter anderem der Kündigungsschutz für "unantastbar" erklärt wurde.
Vor diesem Hintergrund kann es doch niemand wundern, wenn selbst die treuesten Anhänger von Gerhard Schröder sich von ihm als Kanzler verraten fühlen. >Erich Lauinger, Aalen
© Schwäbische Post 14.05.2003 00:00
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