"Nicht cool bleiben"

Zu unserem Bericht "Besser rational statt emotional" vom 28. November:
"Dem Aktionsbündnis 'bunt statt braun' ist es trotz aller Schwierigkeiten im Vorfeld gelungen, Menschen aller Schichten und seriöser politischer Gruppierungen dazu zu bewegen, sich 'gegen rechts' zu solidarisieren und dabei gewaltsame Auseinandersetzungen zu verhindern. Großen Dank verdient hat in diesem Zusammenhang das Friedensforum mit Josef Baumann und Peter Maile für seine jahrelange unermüdliche Arbeit, mit der es ihm gelungen ist, die NS-Zeit in Ellwangen transparent zu machen.
Aber keinen Dank für einen OB Hilsenbek, der am Samstag, als die Neonazis kamen, durch Abwesenheit glänzte. Dieses schlimme Versäumnis mit der Verpflichtung zur Neutralität zu rechtfertigen ist für mich nicht nachvollziehbar.
Sich neutral zu verhalten heißt doch, für keine der beiden Positionen Partei zu nehmen. Aber wir sind uns doch hoffentlich darin einig, dass hier zwingend ein eindeutiger Standpunkt vertreten werden muss. Es gilt, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung mit allen Mitteln zu verteidigen, die uns der Rechtsstaat zur Verfügung stellt. Und wenn wir Demokraten gefordert sind und provoziert werden, ist es vorbei mit der Neutralität. Dann reichen Friedensgottesdienste und Marktplatzkundgebungen nicht mehr aus! Irritiert hat mich der Beitrag in der SchwäPo. Warum wird hier die ratio gegen die Emotion ins Feld geführt? Fehlt dem Verfasser womöglich der Bezug zur Basis derer, die für ihre demokratische Überzeugung und ihr historisches Verständnis auf die Straße gegangen sind? Erfreulich war doch gerade die große Zahl der Jugendlichen, die nicht nur viele eindeutige Transparente gemalt haben, sondern auch bei der Demo verbal ebenso eindeutig und erfrischend emotional Stellung bezogen haben. Hier ist 'cool bleiben' nicht angesagt.Christa Nußbaumer-Linke, Ellwangen
© Schwäbische Post 01.12.2006 00:00
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