"Leitungsabhängigkeit wird ausgenutzt"

Stadtwerke Aalen und Erdgaspreis:
Die Klage der Aalener Streitgenossenschaft gegen die Stadtwerke steht wegen der fehlenden Grundsatzentscheidung erst am 26. März 2007 zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Aalen an. Die Kläger stützen sich auch auf einen pragmatischen Vergleich, der auf eine vollständige Offenlegung der Kosten bei den Stadtwerken verzichten kann und die Bindung des Erdgases an das Heizöl als Grundlage nimmt. Dabei nehmen wir die Stadtwerke beim Wort, so Ulrich Walter, stellvertretender Geschäftsführer, am 25. Mai 2005: "Um ungefähr acht Prozent müsse der Gasbezugspreis angehoben werden, der Importpreis für Erdgas steige dramatisch, der Erdgaspreis ziehe hinter dem Heizöl her" und am 23. Dezember 2006: "Die Gaspreise müssen rauf. Die Bezugspreise der Stadtwerke seien dramatisch gestiegen, der Gaspreis sei bekanntlich an den Ölpreis gekoppelt und laufen diesem im Halbjahresabstand hinterher". Dramatisch daran war nur, dass zum Zeitpunkt der Ankündigungen Heizöl in Aalen immer billiger als Erdgas war.
Wir werden deshalb für die beiden letzten Jahre die Bezugskosten in Aalen für Heizöl EL und Erdgas dem Gericht vorlegen. So genannte Vollkostenrechnungen, wie sie vor zwei Jahren von den Stadtwerken mit der Feststellung verteilt wurden: "Neubaustudie belegt, Erdgas im Vollkostenvergleich eindeutig günstiger als Heizöl", betrachten wir als Irreführung, weil im Vergleich beim Erdgas moderne Brennwerttechnologie, beim Heizöl jedoch ein veralteter Niedertemperaturkessel zu Grunde gelegt wurde. Außerdem isolierte man das Haus, nur bei Heizöl, noch außen und bezog die Investition dafür in den Energiekostenvergleich mit ein.
Wer in diesen Tagen, so die Nachfrage beim Heizölhandel in Aalen, 2000 bis 3000 Heizöl EL bestellte, hatte dafür rund 51 Cent pro Liter inklusive Mehrwertsteuer und die Gefahrgutpauschale von 15 Euro zu zahlen. Ein Kubikmeter Erdgas der Stadtwerke, mit praktisch gleichem Heizwert wie ein Liter Heizöl El, kostet, bei einem Verbrauch von etwa 20 000 kWh pro Jahr, beim Grundpreistarif und einschließlich der Nebenkosten etwa 75 Cent pro Kubikmeter, also rund 46 Prozent mehr als Heizöl. Beim Zusatztarif mit Treuebonus 9 Prozent sind es immerhin noch 68 Cent pro Kubikmeter, beziehungsweise 33 Prozent mehr. In absoluten Beträgen, bei einer jährlichen Abnahmemenge von 20 000 kWh (Heizöl = 1984 Liter, bzw. Erdgas = 1959 Kubikmeter), sind zurzeit für Heizöl 496 Euro weniger als beim Erdgas-Normaltarif zu zahlen. Beim Bonustarif 9 Prozent macht die Differenz immerhin noch beachtliche 333 Euro aus. Daran wird deutlich, wie die leitungsgebundene Abhängigkeit ausgenutzt wird. Und das ist der eigentliche Skandal.Friedrich Heigl, Aalen
© Schwäbische Post 15.02.2007 00:00
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