Christliche Werte bedroht?

"( ) Mit Erstaunen verfolge ich die derzeitige Diskussion um die so genannte Familienförderung durch ein erweitertes Kinderbetreuungsangebot. Ich darf in diesem Zusammenhang voraussetzen, dass weitestgehend Einigkeit darüber besteht, dass es gute Betreuungsangebote für solche Kinder geben sollte oder muss, die von ihren Eltern, aus welchen Gründen auch immer, nicht verantwortlich betreut werden können. Diesen Ausnahmefall jetzt allerdings zum Normalfall zu erklären, ist ein durchsichtiges Manöver und dient der Sache nicht.
Schon der Begriff Familienförderung geht am Kern der Sache vorbei; wenn dann sollte man so ehrlich sein, von Wirtschaftsförderung zu reden, wenn es darum geht, der Wirtschaft weibliche Fachkräfte zuzuführen, (. ) oder von Geburtenförderung, wenn es darum geht, der Bevölkerungsentwicklung aufzuhelfen. Alles andere ist letztlich unehrlich.
(. ) Wenn man diesen Schritt ehrlicherweise tun würde, würde sich eine Finanzierung von Kinderbetreuungsplätzen aus dem Fördertopf für die Familien (Kindergeld, Steuererleichterungen etc.) von selbst verbieten. Wenn die Wirtschaft diese Arbeitskräfte möchte, soll sie auch für Betreuungsmöglichkeiten sorgen, dafür gibt es ja schließlich auch schon Beispiele. Wenn Bevölkerungswachstum das Ziel ist, geht es nicht an, bestehende Familien dafür zu bestrafen, dass sie sich zu früh dafür entschieden haben, in dieser Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.
Auch das Argument, dass man Familien die Wahlmöglichkeit geben müsse, sich für oder gegen eine Familienpause zu entscheiden, ist letztlich nur die halbe Wahrheit. Denn konsequenterweise müsste man dann zugeben, dass man diese Freiheit damit erkauft, dass man sie anderen nimmt.
Es ist wohl nicht von der Hand zu weisen, dass Familien, die sich für eine Erziehungszeit entscheiden würden, diese Wahl nicht mehr haben, wenn entsprechende Fördermittel gestrichen werden. Sie sind dann letztlich auf einen zweiten Verdienst angewiesen. Umgekehrt ist es wohl nicht lebensfremd, zu vermuten, dass die Inanspruchnahme von Kinderbetreuungsplätzen auch finanziell motiviert ist. Wenn dem aber so ist, stellt sich die Frage, ob es Sache des Staates ist, dafür Sorge zu tragen, dass Familien ein Zweiteinkommen ermöglicht wird. Wenn Paare dies wollen, sollte man erwarten können, dass sie auch dazu bereit sind, die Kosten dafür zu tragen.
Es schlägt dem Fass doch den Boden aus, wenn diejenigen, die durch ihr Zweiteinkommen ohnehin schon besser gestellt sind als andere, die für ihre Kinderbetreuung selbst sorgen, noch subventioniert werden. Dies erst recht dann, wenn diese Unterstützung auf Kosten der übrigen daheimerziehenden Familien geht. (. . ) Gerade eine Partei, die das 'C' in ihrem Namen führt, müsste ein Interesse daran haben, dass Kindern ein christliches Wertebild vermittelt bekommen. Es ist sehr die Frage, ob dies in öffentlichen Erziehungseinrichtungen noch möglich ist. Bei einem zunehmenden Anteil an andersreligiösen Kindern oder an Kindern konfessionsloser Eltern wird dies zunehmend schwieriger werden. Eine Familienförderung, die die Kinder den Eltern aber faktisch entzieht, nimmt diesen die Möglichkeit, den Kindern christliche Werte zu vermitteln. (. . )"
Bernhard Kolb, Lorch
© Schwäbische Post 06.03.2007 00:00
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