The Eastalb

Zum Thema Landesgartenschau:
Die Landesgartenschau ist ein städtebaulicher, verkehrstechnischer, einzelhandelsrelevanter Imperativ für die Stadt Schwäbisch Gmünd. So weit so gut. Aber haben die Gmünder gemerkt, wie da hehlingen ein neuer Imperativ entstanden ist? „Parc and kiss“! gilt ab Landesgartenschau für jeden, der jemanden mit dem Auto zum Bahnhof bringt. Von diesem imperativen Angebot werden die zigtausenden von anglophonen Besuchern der Landesgartenschau aus Amerika, England, Australien und Neuseeland sicherlich in Massen Gebrauch machen.
Persönlich bin ich den zeitgeistigen Erfindern dieses Namens dankbar, dass sie nicht die deutsche Fassung gewählt haben. So kann meine Schwiegermutter keine weiteren zusätzlichen Erwartungen entwickeln, auch dann nicht, wenn sie den nächsten Kommunikationszusammenbruch vor dem „Service Center“ der Bundesbahn erleidet. Meine Schwiegermutter kommt nämlich aus einem nicht anglophonen Gebiet des Ostalbkreises. Ermutigung für die anonymen, genial innovativen Namensfinder. Das Thema „öffentliche Toiletten“ wird in der städtischen Diskussion seit Jahren immer wieder hochgespült. Stimmt’s? Das ist die Chance. Lasst uns den trivialen Namen für diese triviale Einrichtung pimpen. Von „Parc and kiss“ ist es nur ein kleiner Schritt zu „Parc and piss“. Ein derart beschriftetes Hinweisschild wäre nicht nur grundbedarfsorientierter als der Parkhinweis. Vielleicht wäre es sogar ein Beitrag zu einer entstehenden linguistischen corporate identity für die älteste Stauferstadt. Oder doch nicht. Zu direkt für gewisse Bevölkerungskreise, die schon bei der schwäbischen Speisebenennung „Buabaspitzle“ erröten. Aber, Freunde, wie wär´s mit „Stop and drop“. Spätestens dann würde auch bildungsfernsten Bevölkerungsschichten aufgehen, dass profunde Englischkenntnisse zu einem dringenden Bedürfnis geworden sind.
Kurt Komarek Schwäbisch Gmünd
© Schwäbische Post 29.10.2008 03:08
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