So nicht, Herr Metzger!

Oswald Metzger als Vortragsredner bei der IHK in Heidenheim:
"So geht es nicht weiter" und "die Deutschen haben über ihre Verhältnisse gelebt" war die Botschaft Oswald Metzgers (Grünenpolitiker) auf einer Veranstaltung der IHK. Das stimmt, möchte man Herrn Metzger beipflichten, man denke an die Reichen und Superreichen, an Inhaber Schweizer (schwarzer) Bankkonten, an die Verursacher von Wirtschaftskriminalität, Steuerhinterziehung und Korruption im großen Stil, an Spekulanten, die ganze Wirtschaftsbranchen in den Ruin getrieben haben, an Empfänger von Abfindungen in Millionenhöhe. Doch diese meint Herr Metzger sicher nicht. Er dagegen hat Junge, Alte, sämtliche Parteien, die Arbeitslosen und Kranken im Visier, die die "vielen Annehmlichkeiten eines Sozialstaates" in Anspruch nehmen und "Selbstbedienung!" im Gesundheitswesen betreiben. Damit Arbeitsrichter im Arbeitsgericht zum Thema Kündigungsschutz ihre "Vorurteile" verlieren, empfiehlt Herr Metzger Praktika in Betrieben. Tosenden Beifall erntete er im Haus der Wirtschaft dafür. Diese Wirtschaftsvertreter und auch Herr Metzger scheinen wenig Ahnung zu haben von der Praxis der Arbeitsgerichte, dass sowohl die Arbeitgeberseite als auch die Arbeitnehmerseite praxiserfahrene ehrenamtliche Richter an die Seite der hauptamtlichen entsenden.
Zum "Schlaraffenland": Wir empfehlen Herrn Metzger, umgehend seine Übergangsgelder, die er seit Beendigung seines Bundestagsmandats bezieht, dem Staat zurück zu erstatten, denn wir haben gelernt, dass auch diese Finanzierung an ehemalige Abgeordnete ein Akt der "Volksbeglückung" ist und dass ein "Mentalitätswechsel" dies nicht mehr erlaubt. Herr Metzger geht sicher mit gutem Beispiel voran, so wünschen wir uns junge Vollblutpolitiker aus der alternativen Polit-Szene. Angesichts seiner Häme gegen Arbeitslose sei ihm die Zahl der offenen Stellen mit zirka 1200 und die Zahl der Arbeitslosen mit 15 302 im Arbeitsamtsbezirk Aalen im Juni mitgeteilt. Als Wähler, als Arbeitnehmer, Demokrat und ehrenamtliche Arbeitsrichter erlauben wir uns eine Anmerkung an ein ehemaliges Bundestagsmitglied und "Wirtschaftsexperten": Noch sind Gesetze und Tarifverträge, die Kündigungen nicht verhindern, aber den Kündigungsschutz regeln, nicht abgeschafft. Deshalb darf erwartet werden, die Rechtsprechung dazu geachtet wird.
Andreas Kapfer, Viktoria Winter,
Christa Klink, Aalen
© Schwäbische Post 30.07.2003 00:00
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