Ein Trauerspiel

Zum Leitartikel "Das Hoch nach der Flut" vom 11. August:
Harald Lachmann und seinem Leitartikel kann nur beigestimmt werden: Die Augustflut 2002 war eine Tragödie. Und auch dem Publikum dämmert es zunehmend, dass eine abgestandene Farce als Drama ausgegeben wird, hinter der sich vielmehr Borniertheit und Lernunwilligkeit verbergen.
Ein überschwemmter Bahnhof in Dresden, ein klägliches Hochwassermanagement, ein Informieren und Warnen, das den Namen nicht verdient, eine Hochwasserbühne für medial-aufbereitete Wahlveranstaltungen, ein behauptendes Grenzziehen entlang von Verwaltungsgrenzen und Zuständigkeitsdünkel - das alles erst weggeschwemmt werden musste, um die eigentliche tragische Bühnenkunst zum Vorschein zu bringen.
Wahrlich ein tragischer Akt, wenn Regionalplaner das Suffix "-au" für Flussniederung nicht mehr deuten können und ehemalige natürliche Überschwemmungsflächen wie Röderau-Süd (Dresden) unter der Etikette "Aufbau Ost" mit Steuergeldern bebauen, dieses zwangsläufig überflutet und dann für weitere fünfzig Millionen Euro entsiedelt wird. Erst so wird Hochwasser zum finanziellen Desaster und zum ökonomischen Trauerspiel.
Den tragischen Höhepunkt des Stückes bildet die Unverfrorenheit einzelner Hauptdarsteller, wie etwa die von Sachsens Sozialministerin Weber. Sie hat sich zweimal Fluthilfegelder von insgesamt 17 300 Euro ausbezahlen lassen, obgleich ihr Haus nur durch Regenwasser geschädigt wurde und andere Betroffene ihrer Heimatstadt Zschopau leer ausgingen.
Dr. Juergen Weichselgartner,
Wien
© Schwäbische Post 13.08.2003 00:00
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