Taxi für Krankenfahrten ist billiger

Zu Sparplänen der Gesundheitsreform:
Im Zuge der Notwendigkeit der Gesundheitsreform sollen ab dem 1. Januar 2004 sämtliche ambulanten Krankenfahrten gestrichen werden (Ausnahme: nach Genehmigung der Krankenkassen "Dialysefahrten").
Der Anteil der gesetzlichen Krankenkassen beträgt für Krankenfahrten auf die gesamten Gesundheitsausgaben bezogen zirka 0,49 Prozent.
Der Verwaltungsaufwand der gesetzlichen Krankenkassen hat jüngst einen neuen Höchststand von 8,2 Milliarden Euro erreicht. Eine überbordende Krankenkassenbürokratie ist vorprogrammiert durch die vorgesehene Genehmigung in Einzelfällen statt der bisherigen gesetzlichen Regelansprüche.
Die vorgesehene Streichung führt zu einer Minderversorgung vieler älterer und kranker Menschen. Das Taxi ist für diese häufig die einzige Möglichkeit, zum Arzt zu kommen. Nicht immer steht ein Angehöriger (viele dieser Menschen leben allein) mit einem Fahrzeug bereit, um diese Menschen zum Arzt zu bringen.
Ergänzend noch dieser Zahlenvergleich: Die Ausgaben für Krankenfahrten mit Taxi oder Mietwagen pro versichertem Mitglied betrugen im Jahr 1988 = 7,83 Euro - im Jahr 2000 = 11,29 Euro (eine Steigerung von 44,19 Prozent in zwölf Jahren). Das liegt zum einen an den steigenden Zahlen von Krebs- und chronischen Erkrankungen, aber auch an der gesundheitspolitischen Verlagerung von stationären hin zu ambulanten Behandlungen. Hier wäre nun interessant, die Einsparungen im stationären Bereich zu kennen. Dagegen stiegen die Ausgaben für Krankentransport-, Rettungs- und Notarztwageneinsätze von 12,51 Euro pro versichertem Mitglied im Jahr 1988 auf 32,53 Euro im Jahr 2000. Macht eine Steigerung von 180,2 Prozent! Ob dieses Ergebnis von der Gesundheitsreform-Kommission in Berlin jemals überprüft wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
Ein weiteres Resultat der Streichung von Krankenfahrten mit Taxi und Mietwagen: im ländlichen Bereich hat dies zur Folge, das etwa 60 bis 80 Prozent der Taxibetriebe kurzfristig aufgeben müssen. Dieser Verlust von zigtausenden Arbeitsplätzen bewirkt einen in Anbetracht der sowieso schon hohen Arbeitslosigkeit immensen volkswirtschaftlichen Schaden, dem keinerlei wirtschaftlicher Nutzen entgegensteht.
Alle Argumente sprechen dafür, dass es keine Alternative zu der kostengünstigen Patientenbeförderung durch das Taxigewerbe, besonders im ländlichen Raum, gibt. Sollte es - wie geplant - zur Streichung der ambulanten Krankenfahrten kommen, wird dies zweifelsfrei im Ergebnis zu einer Kostensteigerung bei den gesetzlichen Krankenkassen führen - es sei denn, die kranken Menschen werden nicht ausreichend versorgt und müssen früher sterben.Rudolf Schurr, Lorch
© Schwäbische Post 22.08.2003 00:00
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