Der wunde Gelbe Punkt

Zu: Guido Westerwelle sollte auf das Amt des Außenministers freiwillig verzichten.Jeder hat die „Elefantenrunde“ von Sonntagabend gesehen. Wenn ich die Miene der neuen/alten Kanzlerin richtig las, dann war sie nicht glücklich. Und wenn ich sie mit den jeweiligen Sprechern kombiniere, dann seufzte sie nach links und schaute kaum nach rechts.
Wenn Steinmeier sprach, hieß ihre Miene: „Frank-Walter, du wirst mir fehlen.“ Und wenn Westerwelle sprach, sah sie finster aus. Warum? Ich glaube, weil sie weiß, dass Guido für die Diplomatie nichts taugt. Das hat er inzwischen vor aller Welt bewiesen. Unser Fernsehpublikum hat es nicht gesehen, nur wer die elektronischen Zeitungen liest, weiß, wie sehr er sich bei seinem ersten großen Interview blamiert hat. Als ein englischer Journalist Guidos Fertigkeit im Englischen auf die Probe zu stellen wagte, wurde er aufs Altteutonischste wiederholt abgekanzelt. Wer weder Englisch kann, noch Humor, Bescheidenheit oder gute Manieren hat, der gehört nicht ins Auswärtige Amt, schon gar nicht an dessen Spitze. Westerwelle hätte von vornherein auf den Außenminister verzichten müssen. Die Automatik, mit der die höchsten Ämter vergeben werden, steht nicht in der Verfassung, aber manchmal dem guten Regieren im Wege.
Thüringens Wahlgewinner verdienen je eine Medaille für ihre Bereitschaft, auf den automatischen Anspruch aufs höchste Landesamt zu verzichten. Allerdings haben sie sich in der Zwischenzeit nicht vorab blamiert. Trotzdem würde der analoge Verzicht Westerwelles nicht nur ihn vor nie endender Lächerlichkeit, sondern das Land vor derselben und vielleicht wirklich Schlimmen schützen. Guido ist von Kopf bis Fuß auf Bundestagsdebatten eingestellt, und sonst gar nichts.
Paul I. Anderson, Aalen
© Schwäbische Post 09.10.2009 03:09
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