Beim Biogas ist Skepsis angebracht

Zu „Biogas scheidet die Geister“ vom 19. Mai:
So lobenswert das Ziel des Kreistages ist, bis 2025 die Hälfte des Energie- und Wärmebedarfs im Ostalbkreis durch regenerative Energien decken zu wollen, so berechtigt sind die Bedenken, die im Kreistag zur Energieerzeugung aus Biomasse geäußert wurden. Die Stromerzeugung aus Biogas kann befürwortet werden, solange sie lediglich ein positiver Nebeneffekt landwirtschaftlicher Biogasanlagen ist, die hauptsächlich deshalb betrieben werden, um durch die Vergärung von Gülle deren Aggressivität vor dem Ausbringen auf die Felder zu verringern und die enthaltenen Nährstoffe für die Pflanzen leichter verfügbar zu machen. Mit dem gezielten Anbau von Energiepflanzen als Substrat für Biogasanlagen, die nur noch dem Zweck dienen um Strom zu erzeugen, wird diese ursprünglich gute Idee aber leider pervertiert. Die Folgen sind bereits heute offensichtlich:
Wiesen werden zur Gewinnung von Grassilage intensiv genutzt und fünf bis sechsmal pro Saison gemäht. Zugunsten des Anbaus von Energiepflanzen werden Wiesen in Äcker umgewidmet. Auf den Ackerflächen werden pro Saison bis zu drei Ernten (unausgereifter) Energiepflanzen erzwungen.
Für die Böden bedeutet dies eine erhöhte Belastung mit Dünger und Pestiziden und eine übermäßige Verdichtung durch häufiges Befahren. Die Zunahme von Monokulturen wirkt sich dramatisch auf die Biodiversität aus. Der „Hunger“ der Biogasanlagen nach Biomasse führt zu einer harten Konkurrenz um landwirtschaftliche Nutzflächen. Landwirte, die hochwertige Futter- und Nahrungsmittel erzeugen oder ihre Flächen extensiv durch Beweidung nutzen, können die überhöhten Pachtpreise, die von den konkurrierenden, hoch subventionierten Energiewirten geboten werden, nicht mehr erwirtschaften.
Ich gratuliere dem Kreistag zu seiner skeptischen Haltung gegenüber dieser Form von Energieerzeugung, zumal in Biogasanlagen mit Blockheizkraftwerk neben der Elektroenergie mindestens eben so viel Wärmeenergie anfällt, die bisher meist ungenutzt verpufft oder aber – wie in Abtsgmünd-Steinreute – entgegen dem erklärten Willen der Bürger zum Beheizen eines ethisch äußerst bedenklichen Hähnchenmaststalles für 40 000 Tiere eingesetzt werden soll.
Ute Schlipf, Abtsgmünd-Hohenstadt
© Schwäbische Post 04.06.2010 03:12
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