„Gerlach stößt uns alle vor den Kopf“

Zu Vorschlägen von Aalens OB Martin Gerlach, den Gemeinderat zu verkleinern:
Wie kommt es dazu, dass der Oberbürgermeister auf dem Neujahrsempfang der VR-Bank Aalen bekannt gibt, 24 Stadträte abschaffen zu wollen? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.
Ich bin nun seit September 2009 ehrenamtlicher Stadtrat in Aalen. Dieses Amt mit dem Beruf und anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten zu vereinbaren, ist eine echte Herausforderung. So wie mir geht es 53 weiteren Ratsmitgliedern, und ich muss sagen, dass alle – gleich, welcher politischen Richtung sie angehören – mit großem Engagement ihr Mandat ausüben.
Die Äußerungen des Oberbürgermeisters erwecken allerdings den Eindruck, dass hier Arbeit geleistet wird, die eigentlich überflüssig, ja sogar für die Stadtentwicklung hinderlich sei. Damit stößt der OB alle Ehrenamtlichen in der Kommunalpolitik völlig unnötig vor den Kopf.
Sicherlich kann man sich Gedanken darüber machen, ob der Stadtrat verkleinert werden soll. Die SPD hat dies auch bereits getan und kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass eine Veränderung notwendig ist (siehe im Internet: www.schwaebische-post.de/service/archiv/500526/). Dieses Vorhaben bedarf aber gründlicher Vorüberlegungen und ausgewogener Vorschläge von Seiten der Verwaltung. Bisher: beides Fehlanzeige. Auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung findet sich dazu kein Wort.
Der Vorstoß des Oberbürgermeisters kommt also nicht nur zur Unzeit, sondern auf einem Neujahrsempfang auch am völlig falschen Ort. Zuständig für eine Verkleinerung des Gemeinderates ist eben der Gemeinderat selbst. Die Mitglieder werden sich einer strukturierten Debatte nicht verweigern. Die Voraussetzungen dafür sind nach diesem Vorstoß aber nicht mehr die besten.
Frederick Brütting, Aalen
© Schwäbische Post 18.01.2011 20:30
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