Der Schulsport hat keine Lobby

Zum Thema Stellenwert des Schulsports:
Als Turn- und Sportlehrer habe ich über 35 Jahre an verschiedenen Schulen Sport unterrichtet und kann die Aussage von Herrn Sigloch nur bestätigen: Der Schulsport hat keine Lobby bei den Eltern.
Das ist schlimm genug. Aber auch andere Führungspersonen aus Politik und Gesellschaft haben keine große Lust, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Sie zeigen sich lieber bei irgendwelchen Großveranstaltungen oder Profi-Weltmeisterschaften im Fernsehen vor einem Millionenpublikum und heucheln so ein Interesse vor, das aber nichts mit Sport und schon gar nichts mit Schulsport zu tun hat.
Über den Zustand in manchen Turn- und Sporthallen, die Geräteausstattung und die Bedingungen beim Schulschwimmen könnte man ein Buch mit dem Titel „Schulsport schafft sich ab“ schreiben. Doch vermute ich, dass es niemand lesen würde, weil man nicht zu begreifen scheint, wie wichtig die biologischen, pädagogischen und sozialen Funktionen des Sportes in unserer Gesellschaft, gerade für Jugendliche sind.
Auch in Zukunft wird sich daran nicht viel ändern, solange der Sport nicht mit anderen Hauptfächern auf einer Ebene behandelt wird.
Einen Politiker möchte ich von meiner Kritik ausnehmen: Richard von Weizsäcker. Er hat gesagt: „Im Sport lernen wir, mit uns selbst umzugehen, uns einzuschätzen, uns unserer Leistungsfähigkeit, aber auch den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit bewusst zu sein. Wir lernen, wie wichtig es ist, nicht nur körperlich trainiert zu sein, sondern auch den Willen zu schulen und den Charakter im Ganzen zu bilden. Gerhard Münch,
Oberkochen
© Schwäbische Post 14.02.2011 19:22
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