Lust vergangen, zur Wahl zu gehen

Zum „Guten Morgen“ vom 16. Februar unter der Überschrift „Stammtischhelden:
Zu dieser Kolumne ist eigentlich nur anzumerken, dass sich die Männer an selbigem Stammtisch doch nicht anders oder besser verhalten als unsere Politiker. Sie haben doch allerbeste Vorbilder.
Beim „Bundestagsstammtisch“ wird polemisiert, polarisiert, lautstark gestritten und beschuldigt, unsachlich argumentiert und gerne auch mal der sogenannte Gegner persönlich demontiert und diffamiert auf Teufel komm raus.
Anstand und Benehmen werden immer seltener, da gehts im Kindergarten meiner Enkelin wesentlich manierlicher zu. Die persönlichen Eitelkeiten stehen weit über dem, was eigentlich die erste Aufgabe unserer Politiker sein sollte, nämlich für den Bürger da zu sein, dafür wurden sie gewählt, aber viele haben das schon lange vergessen.
Ich habe früher schon öfter versucht, von einigen unserer Volksvertreter direkte Antworten zu bekommen – leider komplette Fehlanzeige. Da wird sich hinter Allgemeinplätzen versteckt, die EU als „Schuldige an allem“ benannt, auf Gesetze verwiesen, die ja leider gerade nicht geändert werden könnten, Geld ist natürlich auch keines da – usw. usw. Vor der Wahl wird alles versprochen, nach den Wahlen muss alles plötzlich „zurückgestellt“ oder stark „relativiert“ werden, da das Geld natürlich nicht reicht. Unsere nicht wenigen Steuermilliarden entschweben ins Nirwana und es müssen ständig neue Gründe gefunden werden, uns noch mehr Geld abzunehmen. Das hat in meinen Augen noch weniger als Stammtischniveau. Vieles ist so jämmerlich scheinheilig und verlogen, dass es mir nur noch graust.
Ich war fast 40 Jahre immer wählen. Ich muss sagen, ich habe keine Lust mehr. Die Reichen, sprich Mineralöl- und Pharmaindustrie samt Aktionären aller Art, werden immer reicher – bekommen sogar vor Gericht Recht bei Lug und Betrug – und die Armen, sprich Alleinerziehende, Kranke und Rentner, werden immer ärmer. Sie haben keine Lobby – und schon gar nicht bei Politikern. Und ich sage das sicher nicht nur am Stammtisch, sondern gerne auch offen.
Monika Benninger-Köder,
Ellwangen
© Schwäbische Post 21.02.2011 20:16
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