„Die Lage ist katastrophal“

Zur Katastrophe in Japan:Die Lage in einigen AKWs in Japan ist katastrophal und beängstigend. Sie zeigt auch, dass es absolut sichere AKWs nicht gibt. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer so gewaltigen und noch nie da gewesenen Naturkatastrophe (Erdbeben der Stärke 9 und gleichzeitig ein Tsunami mit einer Flutwelle von mehr als 10 Metern) für Deutschland praktisch ausgeschlossen ist, so ist es absolut richtig und erforderlich, über die Atompolitik – vor allem wegen der AKWs im Oberrheingraben – neu nachzudenken und neue Wege zu gehen.
Aktionismus und Hektik zum Teil aus wahltaktischen Gründen sind dabei aber abzulehnen. Die schnelle Reaktion der Bundesregierung für ein Moratorium und die damit verbundenen verschärften Sicherheitsmaßnahmen sind sehr zu begrüßen. Sehr zu begrüßen ist auch, dass man wohl zum ersten Mal das Problem auf der europäischen Ebene angeht, obwohl außerhalb Deutschlands bisher wohl niemand an eine Abschaltung seiner AKWs denkt. Die Schweizer Bevölkerung hat erst kürzlich mit einem Volksentscheid dem Bau eines neuen Atomkraftwerkes zugestimmt. Es kann nicht sein, dass Deutschland als eine der führenden Industrienationen schnell aus der Atompolitik aussteigt und die meisten europäischen Staaten verstärkt auf Atomstrom setzten, weitere AKWs planen und bauen, um für ihre Wirtschaft und den Atomstromexport nach Deutschland zu produzieren.
Viele fürchten sich vor der 9 000 km entfernten Atomwolke und blenden die Standorte an der deutschen Grenze und am Rhein aus, zum Beispiel Fessenheim südlich von Freiburg oder das AKW Beznau mit dem ältesten, noch arbeitenden Reaktor der Welt. Wie die ferne japanische Katastrophe zeigt, muss die Problematik weltweit überdacht werden. Bis jetzt wird weltweit auf Atomenergie gesetzt und überall werden AKWs neu geplant und neu gebaut. In Japan elf und in China über 50 neue Anlagen. Es ist zu hoffen, dass sich aus der japanischen Katastrophe wenigstens eine weltweite Wende in der Neuerforschung anderer Energiequellen und dann eine Wende in der Atompolitik ergibt.
Peter Kuhne, Aalen-Rodamsdörfle
© Schwäbische Post 23.03.2011 11:05
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Kommentare

Matthias Würth

Lieber Herr Kuhne,

Zitat: "...Es kann nicht sein, dass Deutschland als eine der führenden Industrienationen schnell aus der Atompolitik aussteigt..."

WARUM?

Warum denn nicht? Es kann nicht nur nicht sein -es muss sogar sein- dass Deutschland als eine der führenden Industrienationen eine Vorbildfunktion wahrnimmt und schnell aus der Atompolitik aussteigt. Als "Vorreiter" in Sachen Umweltpolitik könnte Deutschland damit beweisen, dass es ausser schönen Worten auf internationalen Konferenzen auch mit Taten glänzen kann. Das hätte Signalwirkung! Keiner könnte mehr sagen: "Wir wollten ja gerne -aber wir können nicht- weil die Anderen den ersten Schritt tun sollen". Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist, darüber können Sie z.B. in Hermann Scheer's Buch "DER ENERGETHISCHE IMPERATIV" nachlesen...

...zum Schluss noch ein Gedicht:

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

"Wie war"(spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
"möglich, wie dies Unglück, ja -:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, - kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht ?"

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
"Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil", so schließt er messerscharf,
"nicht sein kann, was nicht sein darf."

Aus "Die unmögliche Tatsache" (Christian Morgenstern)

mfG

Matthias Würth

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