Geldgier bremst die Energiewende

Zum Leserbrief von Walter Heichel „Atomstrom ist sofort verzichtbar“ vom 14. April:
Vielen Dank für die Zahlen, die belegen, dass Deutschland gar nicht vom Atomstrom abhängig ist und sogar weit über den Atomstromanteil hinaus Strom exportieren kann.
Für alle Zweifler möchte ich noch nachschieben: Halten Sie sich nicht an den konkreten Zahlen auf – die Größenordnung und die Dimension stimmt. Wenn Deutschland energiemäßig nicht von AKWs abhängig ist – was ist der Grund, dass sich die Energieversorgungsmonopole und die Bundesregierung so an die lebens- und menschenverachtende AKW-Technologie klammern?
Auch das Ammenmärchen vom billigen Atomstrom ist eine dreiste Lüge! Milliarden von Steuergeldern flossen seit Jahrzehnten als Subventionen an die Energiekonzerne und ermöglichen ihnen jetzt Traumprofite von 2,2 Millionen Euro pro Tag für jeden abgeschriebenen Meiler. Für diese Superprofite gehen sie über Leichen und lassen mit der Kernspaltung herumwerkeln, obwohl jedem schon längst klar sein müsste – Atomkraft ist nicht beherrschbar!
Ich möchte jetzt hier nicht die ganzen weltweiten Atomunfälle und -katastrophen aufzählen. Und Deutschland ist in der angeblichen Beherrschung der Atomtechnologie keine Ausnahme: Warum gibt es sonst in der Umgebung von AKWs erhöhte Mengen von Krebserkrankungen?
Geldgier ist auch die Ursache weshalb „billiger“, oder richtigerweise, subventionierter Atomstrom aus dem benachbarten Ausland eingekauft wird – und dafür bei uns die Windräder stillstehen, obwohl Wind weht und damit Strom erzeugt werden könnte.
Die Zeit ist längst reif für alternative Energieformen – auch ohne fossile Brennstoffe. Diese Techniken sind schon ausgereift, mittels Wind, Wasser, Wellenkraft, Solar- und Geothermie sowie Photovoltaik eine 100-prozentige erneuerbare Energieversorgung nicht nur in Deutschland, sondern weltweit aufzubauen. Das ist auch bezahlbar und muss auf Kosten der Profite der Energiekonzerne durchgesetzt werden.
Rudolf Radmacher, Aalen
© Schwäbische Post 19.04.2011 19:02
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Im Gesamten haben wir eine deutliche Überproduktion an Strom. Wir verkaufen, wir kaufen aber auch. Wir müssen aber so viel Strom/Energie bereithalten, damit wir auch in Zeiten mit Spitzenbedarf genügend verfügbar haben. Dies ist leider oftmals im Winter und bei Nacht (PV und Solar geht da nicht). Das Abschalten der sieben ältesten AKW´s ist nur aufgrund der Jahreszeit mit geringerem Energiebedarf kein Problem. Im Winter wäre dies nicht so einfach möglich gewesen.

Noch kurz ein paar Anmerkungen zu "ihren Fakten"

1. Solar und PV produzieren zu einer Tages und Jahreszeit mir geringerem Strombedarf. Zu Zeiten mit großem Bedarf (Winter/Nacht) hingegen gewinnen wir damit nicht genug oder nur in geringen Mengen.

2. Die Energie aus Solar und PV kann man derzeit technisch nur durch Wasserkraft speichern. Dazu wird eine sehr große Menge an Umwelt/Natur benötigt, was den Wiederstand der Grünen hervorruft.

3. Sonne und Wind sind bei uns keine sichere Energiequelle, jedenfalls nicht in unseren Breitengraden. Diese Zeiten mit ungünstigen Wetterlagen müssen durch ständig und unabhängig funktionierenden Kraftwerke überbrückt werden.

4, Der einzig sinnvolle Vorschlag wären Gezeitenkraftwerke und Off-Shore Windkraftanlagen. Den Strom kann man aber nur über leistungsstarke Trassen in den Süden bringen. Der Bedarf an Natur und Umwelt ist relativ groß und stößt vielerorts auf Wiederstand durch Grüne. Selbst wenn die Trassen genehmigt wären dauert der Bau von von Krftwerk und Stromnetz noch Jahre.

Deshalb: Atomausstieg ja, so schnell wie möglich, aber nicht um jeden Preis.

In diesem Zusammenhang muss man leider feststellen, dass viele Projekte bereits deutlich weiter wären, würden die Grünen nicht ständig verweigern.