„Rommel verführte zum Nazitum“

Zum Bericht der SchwäPo vom 7. April über meinen Vortrag „War Rommel ein Kriegsverbrecher?“:
Einspruch, Herr Hafner! Hätte ich so wenig Material gegen Erwin Rommel, den Wehrmachtsgeneral von der Ostalb, wie Sie schreiben, so wäre meine These, dass Rommel zu den wichtigsten Tätern des NS-Regimes zählte, tatsächlich nur „hauchdünn“. Dem aber ist nicht so! Während des Vortrages war es mein Bestreben, in aller Kürze die Grundthesen aus dem von mir herausgegebenen Buch „Täter Helfer Trittbrettfahrer. NS-Belastete von der Ostalb“ zusammenzufassen, als da sind:
Rommel kann in einem Atemzug mit einem Kriegsverbrecher wie Goebbels genannt werden, weil er in seiner vom Propagandaministerium inszenierten Popularität Unzählige vom Nationalsozialismus begeisterte. Rommel ließ sich willig zum prototypischen Idealsoldaten hochstilisieren und verführte damit massenhaft zum Nationalsozialismus. Ein offensichtlicher Beweis: Sein Führer belohnte ihn mit kometenhaftem Aufstieg innerhalb von nur neun Jahren!
Der Vollständigkeit halber seien weitere Vorwürfe genannt: Rommel war verantwortlich für vier Millionen in Nordfrankreich verlegte Minen, eine der menschenverachtendsten Waffen, die wir kennen. In Italien ließ er skrupellos tausende Zivilisten und Partisanen verfolgen und töten. In Libyen schenkte er im Januar 1942 einem Pogrom von Wehrmachtssoldaten im jüdischen Getto von Bengasi keinerlei Beachtung.
Bis auf wenige Ausnahmen überlassen alle Autoren im Buch dem Leser die Entscheidung, ob sie einen NS-Belasteten als Täter, als Helfershelfer oder als Trittbrettfahrer einstufen wollen. Im Fall Rommel bin ich in der Diskussion sicher etwas weiter gegangen. Wie ich glaube, gab es dafür gute Gründe.
Dr. Wolfgang Proske, Gerstetten
© Schwäbische Post 28.04.2011 20:02
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