„Retourkutsche mit dem Jagdgewehr“

Erschossenes Wildschwein „Sonja“:
Hätte ein privater Jäger eine zahme Wildsau erschossen – zudem im Beisein von Spaziergängern – hätte dies ohne Zweifel dazu geführt, dass behördlicherseits über einen Jagdscheinentzug nachgedacht würde. Auf jeden Fall aber hätte man den Jäger in der Öffentlichkeit sofort als schießwütigen Tiermörder abgetan, dem natürlich auch wieder der Jagdschein abzuerkennen sei. Und wenn er ein mehr oder weniger still stehendes Tier auf wenige Meter Entfernung nicht tödlich trifft, sondern nur schwer verletzt und anschließend entkommen lässt - da spräche man ihm die Befähigung zur Jagd und zum Führen einer Waffe sehr schnell ab und es müsste ihm wiederum der Jagdschein entzogen werden.
Der Eigentümer der erschossenen zahmen Wildsau ist ein engagierter Jäger und Jagdpächter, der sich sogar mehr für die Belange des Wildes als für die eigentliche Jagd einsetzt. Deshalb kommt es auch öfters zu Konfrontationen und Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den staatlichen Förstern der umliegenden Forstreviere, die alljährlich auf das Rehwild in ihren Revieren wahre Treibjagden veranstalten. Es ist dies eine Vorgehensweise, bei der nicht nur der „Forstschädling Reh“ auf der Strecke bleibt, sondern auch die sogenannte Waidgerechtigkeit, die auch heute noch in den privaten Jägerpüfungskursen gelehrt wird. Was da in den staatlichen Forstrevieren in der Weststadt praktiziert wird, ist nämlich nichts anderes als ein höchst effektiver verkappter Totalabschuss!
Es steht daher leider zu befürchten, dass es sich bei dem Abschuss der zahmen Wildsau um eine gerne ausgeübte Retourkutsche des Försters wegen dieser Differenzen handelt - und zwar vorsätzlich.
Sollte dem nicht so gewesen sein, so ist auch ein Förster trotzdem immer noch verpflichtet, das Wild aus seinen Revieren wirtschaftlich zu verwerten und es nicht stillschweigend in der Tierkörperbeseitung der Kläranlage zu entsorgen. Und wenn der Förster je eine Krankheit des Tieres vermutet hätte , dann wäre er verpflichtet gewesen, den Tierkörper zuvor untersuchen zu lassen wegen des Verdachts einer meldepflichtigen Erkrankung.
Dass es hier nicht korrekt und sauber zugegangen ist - dieser Eindruck bleibt auf jedem Fall an dem Förster und an den Beschwichtigungsversuchen des Landratsamtes/der Forstverwaltung hängen. Thomas Rühl, Aalen
© Schwäbische Post 22.11.2011 18:30
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