Behinderte als Kollateralschaden?

Fehlplanung S 21:
S-21-Kollateralschaden bei einem Brand sind die Menschen mit Behinderungen. Beim S-21-Forum am Mittwoch betonte der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Scheffold mehrfach die sorgfältige und fachkompetente Planung der Bahn, die diese in den letzten 20 Jahren leistete. Doch bei einem Brandfall in dem geplanten Tiefbahnhof beschränkt sich der Rettungsplan darauf, dass über eine Lautsprecherdurchsage die behinderten Fahrgäste aufgefordert werden, andere nicht-behinderte Fahrgäste anzusprechen und darum zu bitten, dass diese ihnen die Treppen hochhelfen bzw. sie hochtragen sollen.
Wenn das nicht zynisch ist angesichts des Dramas bei der Loveparade in Duisburg, wo Menschen in Panik geraten sind durch den Rückstau in der Tunnelrampe und dadurch 21 junge, gesunde Menschen gestorben sind. Die Aufzüge und die Rolltreppen gehen bei einem Brand aus Sicherheitsgründen nicht und auf den Treppen strömen nicht nur die wartenden Fahrgäste panisch nach oben, sondern auch die Bahnreisenden aus den Zügen, die an den Bahngleisen stehen. Menschen mit Behinderungen, Eltern mit Kindern und Senioren sind so besonders gefährdet.
Auf meine Frage an den CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Scheffold, wie er die mehr als fragwürdigen Rettungsmaßnahmen bei einem Brand im Stuttgarter Tiefbahnhof verantworten kann, antwortet er, dass er die Details nicht kenne und auf die Experten vertrauen muss.
Wir haben den Finanzexperten vertraut und die Bankenkrise bekommen. Wir haben den Atomexperten vertraut und Fukushima bekommen. Bei S 21 hilft uns Bürgern nur unser gesunder Menschenverstand. Und die Argumente für S 21 sind mager.
Ingrid Gottstein, Bopfingen
© Schwäbische Post 28.11.2011 20:46
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