Historisch unsicher

Zu "Neidvoller Blick der Historiker auf die Evangelien" vom 17. April:
Wer die Evangelien als "verschiedene, voneinander unabhängige Quellen" behauptet, sollte den Beginn einer dieser Quellen, Lukas 1, 1 - 4, einmal in Ruhe lesen.
Seit langem ist die Abhängigkeit der ersten drei Evangelien voneinander mit der so genannten Zwei-Quellen-Theorie hinlänglich wissenschaftlich belegt: Vom ältesten Evangelisten Markus haben Matthäus und Lukas große Partien zum Teil wörtlich übernommen.
Kreuzigung und Auferstehung Jesu als historisch gleichwertig zu behaupten, widerspricht jeder historischen Seriosität. Eindeutig ist die Kreuzigung Jesu von seinen Anhängern (Juden), von Gegnern (Juden und Römern) und "Neutralen" (Römern und Juden) bezeugt. Sie gilt damit als historisch gesichert.
Ganz anders dagegen verhält es sich mit der Auferstehung: Dafür gibt es weder einen jüdischen noch einen römischen Beleg. Sie gilt damit als historisch unsicher.
Bleibt mir nur die Frage, wer die Historiker sein mögen, die "neidvoll auf die Evangelien blicken".Gotthard Pohl, Aalen-Wasseralfingen
© Schwäbische Post 23.04.2003 00:00
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