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Wenn der einzelne nichts mehr Zählt

Der Begriff „Freiheitlich, demokratische Grundordnung" und der Art. 2 GG dürfen nicht zur hohlen Phrase verkommen oder etwas sein, das man bei jeder Gelegenheit mit dem Argument der Sicherheit missachtet. Freiheit ist eines der höchsten Güter unserer Welt. Für sie wird gekämpft und Kriege werden in ihrem Namen geführt. Selbst unsere Armee legt auf Recht und Freiheit ihren Diensteid ab. Welch hohen Stellenwert die Freiheit hat, bemerkt man erst, wenn man sie verloren hat.

Wie die jüngsten Beschlüsse des Stadtrates von Aalen zeigen, greift auch bei uns mittlerweile eine Verbotskultur um sich. Tritt ein Problem auf, versucht man, ihm mit Verboten und Einschränkungen, zumindest vordergründig Herr zu werden. Die Argumentation, was sich in einigen Stellungnahmen, auch bei der Umfrage durch die SchwäPo zeigen, sind, nicht nur erschreckend, sondern zeugen von einem nicht vorhandenen Verständnis für unsere Grund- und Werteordnung.

Um dem übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen bei öffentlichen Veranstaltungen entgegenzuwirken, kann das Ausschankverbot für Spirituosen durchaus, zumindest vordergründig, ein geeignetes Mittel sein um dem entgegenzuwirken. Genau so würde aber z.B. ein generelles Motorradfahrverbot sicherlich die Zahl der Verkehrstoten senken.

Folgt man der oft gelesenen Argumentation, dass man ja schließlich zum Feiern keinen hochprozentigen Alkohol braucht, öffnet dies Tür und Tor für eine Verbotsorgie die sich in jeden Winkel unseres Lebens hin auswirkt. Darf der freie Bundesbürger nur noch besitzen, oder machen was er braucht? Brauchen wir wirklich Motorräder, brauchen wir wirklich Golfplätze, brauchen wir wirklich durch die öffentliche Hand bezuschusste Kultureinrichtungen. Und wer befindet darüber was uns zusteht? Ich dachte immer, dass Freiheit bedeutet, dass jeder nach seiner Überzeugung leben kann, solange er keinen anderen damit schädigt. Die Tatsache, dass etwas missbräuchlich oder illegal genutzt werden kann, rechtfertigt noch lange kein Verbot oder eine Beschränkung. Dass dies in Grenzen gefasst werden muss, bringt unsere Gesetzgebung, die auf dem Grundgesetz basiert, zum Ausdruck.

Ich selbst bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich bei Veranstaltungen nicht unbedingt einen Schnaps trinken muss. Ich möchte diese Entscheidung, ob ich nach dem Essen einen Verdauungsschnaps trinke aber selbst treffen und nicht unsere Stadtoberen für mich.

Das Problem sind ja offenkundig einige wenige, vor allem Jugendliche die über die Maßen betrunken sind und sich entsprechend verhalten. Dies sollte, schon im Interesse der Jugendlichen eingedämmt werden. Dazu reichen aber die vorhandenen Gesetze und Möglichkeiten aus, ohne gleich alle pauschal zu entmündigen. Betrunkene Jugendliche sollten zum Beispiel unverzüglich in Gewahrsam genommen und anschließend an die Eltern übergeben werden, unabhängig davon ob ihre Trunkenheit von Spirituosen oder weniger hochprozentigem herrührt. Geschäfte oder Handeltreibende die den Jugendlichen illegal Alkohol zugänglich machen sollten, neben einer empfindlichen Geldstrafe, zumindest zeitweise Ihre Handelsgenehmigung verlieren. Erwachsene, welche Spirituosen an Jugendliche weitergeben, sollten ebenfalls hart bestraft werden. Oftmals sind in den jugendlichen Gruppen einige ältere, volljährige mit dabei, welche den Alkohol kaufen und dann weitergeben. In einem solchen Fall wäre eine sofortige und harte Konsequenz erforderlich. Die Jugendlichen selbst hätten es ja in der Hand ob sie ihre „Alkoholquelle" preisgeben und damit eine Strafmilderung für sich erreichen oder nicht.

Wichtig ist zuallererst, dass wir unser hohes Gut der Freiheit hochhalten. Liese sich doch mit dem Argument „Ordnung und Sicherheit" so ziemlich alles verbieten oder einschränken. Armes Deutschland, wenn wir nur noch haben dürften was wir brauchen. Zum einfachen überleben braucht man nicht viel, zum glücklich Leben zuallererst aber die Freiheit selbst zu entscheiden, in allen Belangen.

Es gilt aber bereits im kleinen, also bei uns vor Ort die Freiheitliche Grundordnung in ihrem Wesensgehalt zu schützen und wenn nötig zu verteidigen.

© 22.05.2011 22:51
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Kommentare

JThauser

Demnach sind Sie auch für die Legalisierung von Cannabis?

Armin Kausch

> Demnach sind Sie auch für die Legalisierung von Cannabis?

 

 

..... und der völligen Freigabe von Schusswaffen??

Nein. ich bin nicht für die völlige Freigabe von Schusswaffen. Auch bei Alkohol gelten besondere Grenzen für den Konsum,insbesondere zum Schutz der Heranwachsenden. Ich stimme aber für eine Liberalisierung. Neben der Sachkunde muss der Waffenbesitzer auch einen einwandfreien Leumund besitzen, und dies sollte auch so bleiben um dem besonderen Risiko, das bei einem Missbrauch entstehen kann, gerecht zu werden. Ein Bedürfnis nachweisen zu müssen sehe ich hingegen als falsch an. Dass dies so einwandfrei und sogar bei einer geringeren Verbrechensquote funktioniert, lebt uns Österreich und die Schweiz vor. Im überigen konnte sich jeder volljährige Deutsche bis Mitte der 1970er Jahre ein Gewehr frei erwerben. Und jetzt stellen wir mal die Verbrechensquote von damals und heute gegenüber.

Zur legalisierung von Canabis kann ich nur sagen, dass man dies dem Alkohol durchaus anpassen könnte. Das Risiko, das von Canabis ausgeht ist, wissenschaftlich nachgewiesen, nicht größer als das durch Alkohol entstehende. Auch hier gilt es selbstverständlich den Kinder- und Jugendschutze zu wahren und der besonderen Bedürfnisse die durch besondere/bestimmte tätigkeiten entstehen Rechnung zu tragen. Analog zu den Bestimmungen in Zusammenhang mit Alkohol.

Neben dem Recht der Freiheit steht selbstverständlich auch die Pflicht der Verantwortung. Fehlverhalten oder Missbrauch muss für jeden betreffenden schneller und härter zu Konsequenzen führen. Aber nur für den betreffenden und nicht für alle. Jeder ist für sein Handeln oder auch nicht Handeln verantwortlich, das ist Freiheit.