„Hochspannungsleitungen brauchen längst nicht alle“

Zur Frage Notwendigkeit der 380-KV-Leitung von „Trans.net.“:
Die Planungen und das Gesetz über den Bau der 380-KV-Leitung stammen aus der Zeit vor der Energiewende, als die zentrale Stromversorgung durch Großkraftwerke als das Nonplusultra galt. Dieses Konzept entspricht aber nicht dem Wesen der erneuerbaren Energien, deren Konzept ist flächenhaft und dezentral. Erzeugung und Verbrauch von Strom können mit den erneuerbaren Energien zum größten Teil schon auf der Ebene des Niederspannungsnetzes ausgeglichen werden. Das betrifft immerhin 56 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Nur die 44 Prozent Starkverbraucher müssen noch über Fernnetze zusätzlich versorgt werden. Wer so tut, als brauchten wir bis zum letzten Wohnhaus große Übertragungsnetze, der steckt in seinem Denken noch in der alten zentralistischen Versorgungsstruktur.
Der Gewinn kam bislang in erster Linie den vier großen Energieversorgern zugute. Die Politik darf sich nicht danach ausrichten, ob vier Firmen auch in Zukunft gut verdienen. Sie muss sich am Gemeinwohl orientieren. Gemeinwohl heißt auch Stabilisierung dünn besiedelter Räume, die von Abwanderung bedroht sind. Die erneuerbaren Energien bieten dazu sehr gute Möglichkeiten.
Je mehr erneuerbare Energien aus der Nische herauskommen, desto offener tritt der Konflikt zu Tage. Die Stärke der erneuerbaren Energien ist die dezentrale Erzeugung in der Fläche und der Abgleich von Erzeugung und Verbrauch auf regionaler Ebene im Nieder- und Mittelspannungsnetz. Die physikalische Eigenschaft des Stroms ist daraufhin ausgerichtet, möglichst gleich ins Nachbarhaus zu schlüpfen, in die höheren Spannungsebenen muss der Strom regelrecht „gedrückt“ werden. Die flächenhaften Konzepte entsprechen einfach den physikalischen Eigenschaften des Stroms. Schwarmkraftwerke werden die Zukunft sein. Klaus Koehle, Aalen
© Schwäbische Post 20.06.2013 19:00
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