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Evangelische Kirchenwahl: Rettet Jesus!

Damit der demokratische Grundsatz in der evangelischen Landeskirche Württemberg und den einzelnen evangelischen Kirchengemeinden gelingen kann, braucht es ordentlich gewählte und bestellte Gremien und Funktionsträger. Dazu braucht es Wahlen – Wähler/innen und Gewählte.

Der demokratische Grundsatz lautet (lt. Wahlordnung ev. Landeskirche Württ.) dass in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt wird.

Doch leider Gottes ist es so, dass gerade diese demokratischen Grundsätze NICHT eingehalten werden.

Allgemeinheit der Wahl
Das Wahlrecht ist allgemein, wenn es grundsätzlich allen Staatsbürgern zusteht, die das Wahlalter erreicht haben, ohne dass die Wahlberechtigung von Voraussetzungen abhängig gemacht wird, die nicht jeder Bürger im wahlfähigen Alter erfüllen kann (z. B. Geschlecht, bestimmte Bevölkerungs- oder Berufsgruppen oder Zugehörigkeit einer bestimmten evangelischen freien Splittergruppe) und so weiter……

Freiheit der Wahl
Wahlen sind dann frei, wenn weder in die Aufstellung der Wahlvorschläge, in die Wahlwerbung oder in die Ausübung des aktiven oder passiven Wahlrechts von dritter Seite eingegriffen wird. Auch die Kandidatenaufstellung muss frei sein und so weiter und so fort…

Leider ist die „Freiheit der Wahl“ bei der evangelischen Kirchenwahl nicht gegeben!

Alle wahlberechtigten Glieder der Gemeinde dürfen nämlich Wahlvorschläge mit Kandidatinnen und Kandidaten, einreichen. Der Kandidat kann von einzelnen oder einer Gruppe überrumpelt werden. (Siehe Homepage Kirchengemeinde Unterrombach). Wahlvorschläge müssen mit mindestens „5 „Unterschriften" versehen sein…..usw…

Gleichheit der Wahl
Die Gleichheit des Wahlrechts bedeutet, dass jeder gültigen Stimme dasselbe Stimmgewicht zukommt und keinerlei Umstände, wie Familienstand, höhere Bildung, höhere Steuerleistung etc. für eine höhere Gewichtung der Stimmen herangezogen werden dürfen.

Selbst die Gleichheit der Wahl ist bei der Kirchenwahl nicht gegeben!

Grundsätzlich hat der Wähler eine Stimme und keine „16 Stimmen“. Lediglich bei der Wahl zum Deutschen Bundestag gibt es die Zweitstimme, für die Sitzverteilung an die Parteien. Die Kirche ist aber keine Partei, genausowenig der Kirchengemeinderat oder die Landessynode.

Wahlgeheimnis
Geheim sind die Wahlen, wenn der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet und unbeeinflusst in einer Wahlkabine oder auf Antrag, bei einer Briefwahl an einem anderen Ort selbst ausfüllen und gefaltet in die Wahlurne werfen kann. Die geheime Wahl soll den Wähler nicht bloß vor unerwünschter Einflussnahme auf seine Willensbildung im Zuge des Wahlvorgangs bewahren, sie soll ihm auch die Sorge und Furcht nehmen, dass er wegen seiner Stimmabgabe in bestimmter Richtung mit Vorwürfen und Nachteilen welcher Art immer ausgesetzt wird.

Leider ist es bei der evangelischen Kirche so, dass prinzipiell ALLE Gemeinde glieder die Briefwahlunterlagen bekommen, ob nun ein Antrag auf Briefwahl gestellt wurde oder auch nicht. Eine Flut von Papier strömt in die "evangelischen" Haushalte.

Ausgeteilt werden die Wahlunterlagen samt Wahlausweis mit Identifikations-Nummer, durch Ehrenamtliche. Das Brief- und Postgeheimnis ist also ebenfalls nicht gewährleistet.

Außerdem gibt es unzählige Methoden der Wahlfälschung. Ich denke hier mal an den Stimmbetrug durch Einzelpersonen. Einzelpersonen können versuchen, ohne Wahlberechtigung abzustimmen, mehrfach abzustimmen oder anstelle von Dritten zu stimmen. Eine Auswahl von Möglichkeiten sind:

Wenn sich Wähler bei der Wahl nicht auszuweisen brauchen, können Personen versuchen, unter falschem Namen abzustimmen. Siehe Wahlausweis der evangelischen Kirche: Wenn man „persönlich bekannt ist“ braucht man weder Ausweis noch Personalausweis vorlegen.Ja toll ! Demokratie pur!

Vor allem die Jungwähler (14 Jahre – 16 Jahre) sind gefährdet, dass beispielsweise die Eltern die Briefwahl durchführen, ohne Kenntnis der Jugendlichen.

Die Liste kann über viele Seiten verlängert werden. Ich verzichte aber darauf, um nicht zu langweilen!

Prinzipiell ist es so, dass man 16 Stimmen besser verkaufen kann als 1 Stimme!

Letztendlich ist es unfassbar, dass der Amtsträger im Pfarrbezirk, der Pfarrer/in, vom Kirchengemeinderat gewählt oder aber kurzerhand abgewählt werden kann. Denn jeder Gewählte kann auch wieder abgewählt werden, wenn er nicht spurt. Soviel zur evangelischen Demokratie!

Diese unchristliche Methode ist letztendlich ein Eingriff in die Menschenwürde des Geistlichen und verstößt gegen alle Menschenrechte. Letztendlich hat doch jeder PfarrerIN eine Hauptaufgabe, nämlich die Frohe Botschaft zu verkündigen und die Amtsgeschäfte zu führen.

Wozu also die Wahl des Pfarrers durch Dilettanten?

Ich sehe schon, wie die Kirchengemeinden nacheinander den Bach runtergehen, wenn das Laien - Gremium ihren persönlichen Visionen folgen, anstatt Jesus Christus.

Kaum zu fassen, dass die Leitung einer Kirchengemeinde einem Laien (Erzieherin, Rechtsanwalt, Kriminalbeamten, Bauingenieurin, Krankenschwester…..) übertragen werden kann (durch Wahl).

Letztendlich ist es eine Diskriminierung, dass die Wahllokale sich teilweise in den Kirchen sich befinden und die Wahl „nach dem Gottesdienst“ stattfindet. Denn es gibt durchaus „Evangelische“, die keine Kirchgänger sind und mit dem Kirchengebäude nichts zu tun haben wollen. Diese werden durch das "Wahllokal Kirche" bewusst und gezielt von der persönlichen Wahl abgehalten.

Die Masse an Wahlpropaganda, die der Wähler jetzt im Briefkasten vorgefunden hat, ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Lediglich die „Insider“ kennen die „Gesichter der Macher“ und das System der Synode und ihre mannigfaltigen „Gesprächskreise“. Da blickt doch kein normaler politischer Christ mehr durch!

Soll ich nun die „Pepperonie“ wählen oder die „Mauer“ oder die „Zitrone“ oder die „Lebendige Gemeinde mit den beiden lächelnden älteren Herren?

Zwei Stimmen für eine Diplom Chemikerin?
Oder zwei Stimmen für eine Altenpflegeheimseelsorgerin?
Oder doch lieber zwei Stimmen für die getrennt lebende Rechtsanwältin?
Oder für den Patchwork-Papa mit den 4 + 2 Kindern?

Wieso 2 Stimmen??? Ist eine Stimme nicht genug?

Keine Ahnung, warum der evangelischen Kirche die Berufe der Kandidaten so wahnsinnig wichtig sind, und deren Familienstatus. Der Wähler möchte doch einzig und allein wissen, ob diese Kandidaten überhaupt kirchensteuerzahlende Mitglieder der Landeskirche sind, oder ob nur deren Kinder evangelisch mitgliedschaftlich getauft sind. Denn zwischenzeitlich können auch atheistiche, oder konfessionslose oder überkonfessionelle Eltern ihre Kinder evangelisch taufen lassen.Kaum zu glauben - aber wahr!

Wenn nun die Nichtmitglieder der Landeskirche in die Gremien gewählt werden – dann Prost Mahlzeit! Da kann ich nur eins sagen: „Rettet Jesus Christus!“

Ohne Witz! Für die Rücksendung der Briefwahlunterlagen schickt die evangelische Kirchengemeinde Aalen eine komplizierte Gebrauchsanleitung mit. Da kriegst Du die Motten!

Am meisten ärgert mich, dass die meisten Wähler gar nicht erfahren haben, dass vom 28. Oktober bis 4. November 2013 die Kandidaten und Wählerlisten öffentlich zur Einsicht ausgelegt waren. Es reicht nicht aus, dass wichtige Informationen nur im Gottesdienst abgekündigt werden.

Ich bin der Meinung, dass dieses ganze Tohuwabohu mit einer demokratischen Wahl nichts zu tun hat. Diese Kirchenwahl sollte deshalb als demokratiefeindlich abgeblasen werden!

Auf Grund dieser demokratischen Mängel, können die künftigen gewählten Gremien keine demokratischen Gremien sein, sondern nur und ausschließlich unterdrückerische. Und das, obwohl alles hierarchische den „Evangelischen“ zutiefst fremd ist.

 

© 25.11.2013 23:42
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