Skurrile Regeln, Verhaltensweisen und Sitten - Tisch „Knigge“ international

Dass jede Kultur der Welt Unterschiede hinsichtlich bestimmter Vorlieben, Eigenheiten oder auch Verhaltensweisen aufweist, dürfte kein Geheimnis sein und auch nur wenig verwundern. Schließlich lassen sich bereits innerhalb von Ländern oder gar von Gruppen Verschiedenheiten feststellen, seien es Traditionen einzelner Regionen, wie zum Beispiel Fastnacht in Köln oder bestimmte Jugendkulturen wie der Punk, der Mitte der 70er Jahre entstand. Am Tisch lassen sich, aus deutscher Sicht, die kuriosesten Eigenheiten weltweit beobachten. Allein die Tischsitten beim Essen prägen regelrecht das Bild vieler Kulturen. Eine Auswahl an Ländern soll dies im Folgenden zeigen. Aber auch andere Faktoren wie kulturelle Eigenheiten oder spezielle Regularien führen zu teils skurrilen Tischverhaltensweisen, die ebenfalls beispielhaft miteinander verglichen werden sollen.

(1) Kommunikation am Tisch
Ein Tisch ist in vielen Orten der Welt nicht einfach nur ein meist vierbeiniges Möbelstück, sondern vielmehr Schauplatz für soziale Interaktionen verschiedenster Art. Seine Funktion ist insgesamt sehr vielseitig zu bewerten. Zum einen ermöglicht er geräumigen Platz, um Geräte oder andere Gegenstände abzulegen oder aber er bietet die Möglichkeit, Speisen zu verzehren. Zumindest gehören die beiden vorgestellten Funktionen zu den Üblichsten in den weltweiten Kulturkreisen. Im Zusammenhang mit Letzterem kann dem Stuhl als weiteres Möbelstück eine große Bedeutung beigemessen werden. In Europa müssen Tische verschiedene Normen erfüllen. So greift beispielsweise für Möbeltische die DIN-Norm EN 1730.

Doch das Sitzen am Tisch und das miteinander Agieren und Kommunizieren findet hier einen besonderen Stellenwert, wie die folgenden drei Gesichtspunkte näher zeigen sollen:

> Deutungsweisen nonverbalen Verhaltens
> Knigge: Verhaltensregeln seit 1788
> Deutsche Tischsitten im Wandel

a. Deutungsweisen nonverbalen Verhaltens
Wissenschaftler beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit unterschiedlichen Tischsitten sowie deren Deutungsweisen. Es spiele beispielsweise allein eine Rolle, wo welche Person Platz am Tisch nehme. Hieraus könne in einigen Fällen bereits das Verhältnis zu einer anderen Person festgestellt werden. Die Tischordnung, also welchen Platz eine Person einnimmt, ist vor allem in Familien festgelegt und spiegelt einen Aspekt familiärer Rituale wider. Nicht selten gibt es hierbei eine „Rangordnung“, beispielsweise sitzt die älteste Person am Kopfende. Doch nicht nur das Familienessen nimmt einen wichtigen Status ein, auch das klassische Geschäftsessen ist eine vielfach praktizierte Maßnahme zur Verbesserung von Geschäftsbeziehungen.
Der Tisch steht weiterhin symbolisch für Sicherheit, denn hier werden Mahlzeiten eingenommen; die Lebensgrundlage Nahrung ist damit gesichert. Weiterhin zeugt die Verwendung von Besteck und Tellern von Sittlichkeit und gutem Benehmen, was wiederum als Zeuge einer guten Erziehung in der westlichen Welt gesehen wird. An Tischen wird zudem diskutiert, verhandelt oder sich einfach getroffen, wie beispielsweise in einem Café. Zumeist obliegen diese Tätigkeiten ebenfalls unterschiedlichen Regelungen. So gilt nicht selten, dass die redende Person seine Gedanken ohne Unterbrechung mitteilen darf, bevor eine andere Person das Wort erhebt. Diese und weitere Verhaltensweisen am Tisch werden je nach Kultur gleichermaßen interpretiert, weil sie Teil der gesellschaftlichen Normierungen sind.

b. Knigge: Verhaltensregeln seit 1788
Einen nicht unerheblichen Anteil an dem, was als gesellschaftlich akzeptierte Tischregeln gesehen werden, haben die Deutschen wohl Adolph Knigge zu verdanken. Er war Schriftsteller, 1752 in der Nähe von Hannover geboren und ist mit seinem 1788 erschienenen Werk „Über den Umgang mit Menschen“ berühmt geworden. Fälschlicherweise wird heute allerdings angenommen, dass Knigge für die typischen Benimmregeln verantwortlich sei. Dabei beinhaltet sein Werk spezielle Umgangsformen mit Menschen, mit sich selbst, was letztlich mehr einen philosophischen Charakter aufweist, als einen Ratgeber für bestimmte Etiketten.

Nichtsdestotrotz steht der Name Knigge aber heute vor allem für eben solche Ratschläge rund um verschiedene Verhaltensweisen. Auf der Seite knigge.de werden die empfohlenen Verhaltensrichtlinien in neun Themenfeldern eingeteilt. Die anschließende Tabelle zeigt beispielhaft aktuelle typische Knigge-Regeln nach den Themen der Seite:

TISCH „Der Hausherr weist den Gästen den Sitzplatz zu.“

KOMMUNIKATION „In der Regel wird jede volljährige Person mit Sie angesprochen“

GESELLSCHAFT „Je offizieller die Einladung ist, desto diskreter die Bezahlung“

KLEIDUNG „Maßgeblich für die Wahl der Kleidung sind der Anlass, die Informationen auf der Einladung sowie die Tageszeit.“


FESTLICHKEITEN „Herren erhalten grundsätzlich keine Blumen als Mitbringsel.“

GESCHÄFTLICHES „Bei Verhandlungen mit einem chinesischen Geschäftspartner niemals ‚nein‘ sagen.“


KINDER „Kinder sollten lernen, andere zu grüßen.“

HOCHZEIT „Nur der Braut bleiben die Unschuldsfarben Weiß und Creme vorbehalten.“

SONSTIGES „Vor dem Saunagang sollte kein Knoblauch gegessen oder Alkohol getrunken werden.“

c. Deutsche Tischsitten im Wandel
Laut einem Artikel der Frankfurter Rundschau seien bereits von Karl dem Großen um das Jahr 750 erste Verhaltensweisen am Tisch bekannt. Dieser nutzte immerhin kleine Messer, um das zu verzehrende Fleisch standesgerecht aufzuspießen. Dass dies doch recht unüblich war, zeigt der Fakt, dass es noch bis ins späte Mittelalter hinein selbst beim Adel ganz normal war, mit den bloßen Fingern zu essen. Dementsprechend ist das heutige Benehmen am Tisch doch noch als relativ junge Verhaltensweise anzusehen. Mit Ende der Renaissance entwickelten schließlich die höheren Stände bestimmte Richtlinien am Tisch, wobei die Gabel erst spät aufgrund ihrer teufelsartigen gezinkten Form Anklang fand. Schließlich verbreiteten und erweiterten sich diese Regeln in allen Bevölkerungsschichten mit dem Wandel der Gesellschaftsformen, wozu unter anderem das Aufkommen der Arbeitergesellschaft in der Industrialisierung gezählt werden kann.

(2) Deutsche Tischsitten im Vergleich mit anderen Ländern
Wie eingangs erwähnt, sind Tischsitten und -bräuche maßgeblich von kulturellen Eigenheiten abhängig. So werden typisch deutsche Verhaltensweisen am Tisch mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso kritisch beäugt, wie dies Deutsche über die Tischsitten anderer Länder tun. Doch welche Verhaltensregeln gehören eigentlich zu den typisch Deutschen? Folglich eine kleine Zusammenfassung:

> Die Beine gehören unter den Tisch.
> Schmatzen oder andere Essgeräusche werden nicht geduldet.
> Gegessen wird mit passendem Besteck.
> Handhabung von Besteck: Gefasst werden Messer, Gabel und Löffel nicht mit der Faust, sondern ähnlich wie ein Stift.
> Benutztes Besteck gehört auf den Tellerrand, nicht auf den Tisch.
> Ein Weinglas wird am Stil gehoben.
> „Mit vollem Mund spricht man nicht!“
> In der Regel ist das Mittagessen die Hauptmahlzeit.
> Höflich ist es, aufzuessen.
> …


Diese und weitere Sitten am Tisch zählen sicherlich nicht nur zu den typisch Deutschen. Die meisten werden entsprechend in der westlichen Welt praktiziert. Dennoch lassen sich bereits zu den Nachbarländern gravierende Unterschiede feststellen. Beispielhaft werden sechs Länder und ihre speziellen Tischsitten zu diesem Zweck herangezogen.

a. Indien
In Indien wird das Besteck nicht in der Absolution genutzt wie beispielsweise in Deutschland. Vor allem im Privaten werden vordergründig die Finger zum Essen verwendet. Wobei hierbei ausschließlich die rechte Hand genutzt wird. In Indien gilt die linke Hand als unrein. Aus diesem Grund ist die linke Hand zur Nahrungsaufnahme in keinem Fall gestattet. Da es andererseits auch typisch ist, sich vor und nach dem Essen die Hände zu waschen, befindet sich eine Wasserschüssel bei festlichen Anlässen oder in Restaurants in der Nähe des Tisches, welche nach dem Mahl entsprechend rumgereicht wird.

b. Russland
Im Gegensatz zu Deutschland gilt es in Russland als höflich, wenn die gesättigte Person noch ein Stückchen auf dem Teller überlässt. Ansonsten werden die russischen Gastgeber den leeren Teller immer wieder nachfüllen. Typisch ist zudem ein ausladendes Mahl mit vielen Speisen. Außerdem fordert der Hausherr immer wieder zum Essen auf. Erscheint der höfliche Deutsche stets pünktlich zu einer Einladung, wird in Russland nicht so genau auf die Uhr geschaut. Bis zu einer Stunde nach dem angegebenen Termin zu erscheinen, ist noch völlig im Rahmen und wird zum Teil sogar erwartet.

c. USA
Eine weit verbreitete Tischsitte in den USA ist jene, beim Essen lediglich eine Hand zu nutzen. Im Vorfeld werden Steaks, Kartoffeln und Gemüse in passende Stücke mundgerecht zerkleinert. Rechtshänder führen entsprechend mit der rechten Hand die Gabel, während die linke Hand auf dem Schoß ruht. Dieser Stil wird auch American Style genannt, wobei, für Deutsche unüblich, die Zinken der Gabel meistens nach oben zeigen. Zurückzuführen sei diese Tradition auf Zeiten des Wilden Westens, als jederzeit die Gefahr bestand, in eine Schießerei zu geraten. Doch auch weitere Unterschiede lassen sich zu den deutschen Tischsitten finden. So gehört es sich beispielsweise nicht, den Toilettengang beim Restaurantbesuch erklärend anzukündigen. Vielmehr „verschwindet“ die Person einen Augenblick und entschuldigt sich hierfür.

e. Korea
Im Gegensatz zu China muss es in Korea beim Essen still sein, da sich die Personen auf das Essen konzentrieren sollen, und wichtig ist, darauf zu achten, dass die älteste Person am Tisch den ersten Bissen nimmt. Alles andere wäre unhöflich. Typisch ist weiterhin, dass sich alle Speisen bereits auf dem Tisch befinden. Es werden demnach keine Gänge serviert. Gegessen wird auf dem Boden und grundsätzlich muss der Gast auch nicht alles aufessen, um zu zeigen, dass es ihm geschmeckt hat.

f. Frankreich
Frankreich galt lange als das Land mit den strengsten Tischsitten, allerdings haben sich diese in den letzten Jahren etwas gelockert. Ähnlich wie in Deutschland gelten Essgeräusche wie beispielsweise das Schlürfen der Suppe als absolute Fauxpas. In Restaurants müssen ausländische Gäste darauf achten, diskret Kontakt zum Kellner aufzunehmen. Das gehört zum guten Ton. Des Weiteren werden sämtliche Nahrungsmittel, auch Hähnchenschenkel, mit Messer und Gabel verzehrt. Ausnahme stellt das Baguette dar. Weit reisen muss der Interessierte entsprechend nicht, um andere Verhaltensweisen am Tisch zu erleben.

http://www.myvideo.de/serien/galileo/highlights/7-tischsitten-m-8394616

Weitere Informationen und Quellen zu den Tischsitten in folgenden Beiträgen:
Skurrile Tischsitten aus aller Welt
Ach so!? – Andere Länder, andere Tisch-Sitten

(3) Regularien und Rituale am Tisch
Doch nicht nur in Bezug auf Tischsitten beim Essen lassen sich skurrile Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern feststellen. Auch in Hinblick auf spezielle Regeln oder Rituale von bestimmten Kulturgruppen sind verschiedenartige Verhaltensweisen zu beobachten. Der Tisch und seine Bedeutung als Interaktionsmedium ist demnach maßgeblich davon abhängig, welchen Zweck er erfüllen soll. In der Politik werden beispielsweise Diskussionen geführt, in Vereinen werden unter anderem neue Mitglieder am „Stammtisch“ gewählt, beim Glücksspiel ist die Einhaltung bestimmter Regeln am Tisch maßgeblich oder in Familien gilt der Esstisch als zentraler Treffpunkt

a. Bedeutung „Runder Tisch“
„Runder Tisch“ steht laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) für den Versuch, politische Themen mit den jeweiligen Gruppen, die nicht selten unterschiedlicher Meinung sind, zu erarbeiten. Die Begrifflichkeit wird heute vor allem mit den politischen Diskursen 1989 in Polen in Zusammenhang gebracht. Unterschiedliche Interessengruppen aus der Politik, Kirche und Gewerkschaften diskutierten zu dieser Zeit über die Erneuerung vom sozialistischen hin zum demokratischen Staat. Der „runde Tisch“ wird heute auch bei anderen Streitfragen eingesetzt. Entsprechend besitzt der Tisch eine hohe soziale Bedeutung, die über das Zusammensitzen am Essenstisch hinausgeht.

Zum „Runden Tisch“ gehören aber auch gewisse Regeln, die zwar je nach Thematik und diskutierenden Gruppen sich voneinander unterscheiden können, aber im Grunde folgende Verhaltensweisen gemein haben.

• Jede teilnehmende Gruppe hat die Möglichkeit, sich über das gewählte Thema zu äußern.
• Forderungen / Sichtweisen / Ideen werden sachlich besprochen.
• Meist führt ein Moderator durch den Gesprächsverlauf.
• Es werden nicht selten Protokolle angefertigt.
• Oftmals werden Sachverhalte Schritt für Schritt nach einem Themenplan besprochen.


Diese und weitere Verhaltensweisen sind typisch bei einem Gespräch am „Runden Tisch“. Es handelt sich entsprechend um einen offiziellen und bürokratischen Akt, der einem ganz bestimmten Verhaltenskodex unterstellt ist.

b. In Vereinen
Zahlreiche Vereine treffen sich der Geselligkeit wegen, um soziale Kontakte bei einem Stammtisch zu stärken. Wie der Name verrät, handelt es sich bei einem Stammtisch, um einen festen Platz in einem Lokal (oder Vereinshaus) für einen bestimmten Zeitraum. Wer im Verein Mitglied ist, muss sich zumeist an bestimmte Verhaltensregeln halten, die oft auch schriftlich festgehalten werden. Doch auch beim Stammtischtreffen lassen sich die ein oder anderen kuriosen Regeln zusammentragen.

• Der Stammtisch findet immer an einem bestimmten Termin statt.
• Beim Nicht-Erscheinen ist meist eine gewisse Geldsumme zu zahlen.
• Alkohol spielt eine entscheidende Rolle (oft muss jeder den Mitgliedern mind. einmal ein Getränk ausgeben).
• Bei Anlässen wie beispielsweise einem Geburtstag muss die jeweilige Person für die Kosten eines Stammtisch-Termins aufkommen.
• Trinklieder und Sprüche sind Pflicht.


Solche und andere Regeln sind in der Vereinskultur weit verbreitet. Im Gegensatz zum „Runden Tisch“ sollen diese Verhaltensregeln die Geselligkeit und den Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe fördern und von anderen sozialen Gruppen abgrenzen.

c. Beim Gesellschafts- und Glücksspiel
Besonders im Gesellschafts- oder Glücksspielbereich lassen sich unterschiedlichste „Tischregeln“ je nach Spiel unterscheiden. In allen Fällen gibt das jeweilige Spiel genau vor, wie sich die Spieler am Tisch zu verhalten haben. So lernen zum Beispiel Kinder durch Gesellschaftsspiele, wie beim Brettspiel „Mensch ärgere dich nicht“, sich allgemein an Regeln zu orientieren. Werden diese nicht beim Spiel beachtet, droht als Sanktion der Ausschluss vom Spiel.

Konkrete Verhaltensregeln sind allerdings bei Glückspielen, vor allem bei Kartenspielen wie Poker oder Black Jack, essentiell für die Durchführung. So gibt es beim Poker beispielsweise eine bestimmte Tischsprache, die weltweit genutzt wird. Bei den verwendeten Begriffen handelt es sich um Handlungsaufforderungen in englischer Sprache:

Bet „Setzen“
Call „Mitgehen“
Check „Mitgehen“
Pass „Passen“
Rais „Erhöhen“
Re-raise „weiteres Erhöhen“

Das Verhalten am Black Jack Tisch verläuft hingegen sehr ruhig ab, da es zu den eleganteren Casinospielen zähle. Aus diesem Grund wird lediglich durch spezielle Gestik kommuniziert. Das Portal CasinoVerdiener erklärt hierzu folgendes Beispiel: „Wenn man sich zum Beispiel für “Stand” entscheidet, also keine weitere Karte gezogen werden soll, winkt man mit der Hand (die Handfläche zeigt hier nach unten) über den Tisch. Wenn eine weitere Karte gezogen werden soll, kratzt der Spieler mit einer Hand an der Oberfläche des Tisches oder schabt mit der Kante der Karte über den Black Jack Tisch. […].“ Gesprochen wird bei diesem Spiel nur, wenn ein Spieler aufgeben möchte.

Damit Regeln bei einem Spiel eingehalten werden, die essentiell für einen erfolgreichen Spielverlauf sind, sind entsprechend ebenso gewisse Verhaltensweisen am Spieltisch von großer Bedeutung.

d. Unterschiede in Familien
In vielen Fällen fungiert der Esstisch als Treffpunkt für alle Familienmitglieder, vor allem zum Frühstück oder aber zum Abendessen. Hier tauschen sich Eltern und Kinder über das Erlebte aus. Damit erhält der Tisch zum einen eine Kommunikations- und Interaktionsfunktion. Zum anderen werden an ihm aber auch Regeln bzw. Tischmanieren gepflegt. Zu den geläufigsten Regularien gehören wohl:

• Bevor sich einer an den Tisch setzt, werden die Hände gewaschen.
• Mit dem Essen wird erst begonnen, wenn alle am Tisch sitzen.
• Es darf erst aufgestanden werden, wenn alle anderen Familienmitglieder mit dem Essen fertig sind.
• Was auf dem Teller ist, wird auch aufgegessen.
• Mit dem Essen wird nicht gespielt.

Die einzelnen Regeln werden von Familie zu Familie unterschiedlich streng umgesetzt. Insgesamt dienen sie aber im Besonderen der Erziehung der Kinder.

Was das Verhalten am Tisch über einen Menschen aussagt
Der Tisch ist ein sozialer Ort, der Raum für Interaktion und zwischenmenschliche Beziehungen bietet. Wie sich eine Person am Tisch verhält, gibt daher bereits Aufschluss über sein Wesen und über seine Erziehung. Dieses „räumliche Verhalten“ beinhaltet für eine Person zum einen das Bewegen innerhalb einer räumlichen Anordnung und zum anderen das individuelle Orientierungsverhalten. Im Grunde bedeutet dies nichts anderes als das Aussenden von Signalen für eine zwischenmenschliche Interaktion. So behaupten Wissenschaftler, dass die Art und Weise, wie und wo sich eine Person am Tisch hinsetzt, bereits die Beziehungsebene zu einer anderen Person erkennen lässt. Vorausgesetzt es herrscht keine festgeschriebene Sitzordnung, setzt sich beispielweise eine Person nicht mit Blickkontakt zu einer anderen Person, zu der er kein gutes Verhältnis hat. Die Person signalisiert damit nonverbal, dass sie keine Interaktion mit der anderen Person führen möchte. Des Weiteren kann das Verhalten am Tisch aber auch verdeutlichen, welche erzieherischen Einflüsse in der Kindheit vorgenommen wurden oder vielleicht auch aus welchem Land eine Person stammt. Insgesamt zeigen die unterschiedlichen Verhaltensmuster aber vor allem, dass es sich stets um von der Gesellschaft auferlegte Regeln handelt, die mehr oder weniger Verbreitung erfuhren. Je weniger diese bekannt sind, desto eher wirken sie skurril oder kurios.

 

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© Schwäbische Post 03.12.2014 12:15
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