Versagen allerorten

Zum VW-Skandal:
Wenn Schadstoffwerte nur eigens und mittels speziell entwickelter Software simulativ ermittelt werden, ausschließlich um die gesetzliche Norm zu erfüllen, anstatt den Ausstoß im Echtbetrieb am Auspuff-Ende (nämlich dort, wo Verschmutzung auf Umwelt trifft) zu messen, ist das nicht nur unlauter, sondern vielmehr Betrug.
Altbundeskanzler Helmut Kohl formulierte einst: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ Wie recht hätte er im aktuellen Zusammenhang gehabt. An geschönte Verbrauchsangaben der Hersteller, die gemessen am normalen Straßenverkehr völlig realitätsfremd sind, haben wir uns längst gewöhnt, aber die aktuelle Täuschung hat kriminelle Qualität. Wo war eigentlich das Kraftfahrtbundesamt, das Herstellerangaben offensichtlich ungeprüft hinnimmt oder der sich vornehm zurückhaltende ADAC?
VW hat nicht nur sich selbst in Misskredit gebracht, sondern die gesamte Branche dem – hoffentlich unbegründeten – Generalverdacht der Manipulation ausgesetzt, worauf ich aber nicht wetten wollte. Versagt haben durchgängig die VW-Führungsetage, der Aufsichtsrat sowie die staatlichen Kontrollinstanzen, zuvorderst das Bundesverkehrsministerium. Besonders verwerflich ist die Arglosigkeit der Verantwortlichen, die dem Erfolg alles ohne Wenn und Aber unterordneten, ohne die mögliche Tragweite ihres Tuns auch nur im Ansatz erkannt zu haben.
Natürlich wird VW auch künftig im Konzert der Großen mitspielen. Natürlich wird’s neben „Bauernopfern“ hoffentlich auch richtige personelle Konsequenzen geben und natürlich wird der Lobbyismus der Automobilbranche in die Politik, bis in die Regierung hinein weiterhin gepflegt. „Made in Germany“ ging einst anders. Günter Kallis, Aalen
© Schwäbische Post 18.11.2015 21:52
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