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AWO-Krippentour in Ellwangen

  • Krippenwerkstatt von Josef Bauer

„Das war ein richtig schöner Nachmittag!“ Mit dieser Feststellung stand Christine Tunda nicht allein. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AWO-Krippenfahrt nach Ellwangen waren sich darin einig. Begonnen hatte die Krippentour mit der beeindruckenden Krippe in der Wallfahrtskirche Schönenberg. Sie ist nicht leicht zu finden. Der Weg dorthin durch das Kirchenschiff und dann über die Empore bis hinter den Hochaltar verdeutlicht die Ausmaße der Kirche. In den neunziger Jahren ergänzte Sieger Köder die aus dem Allgäu stammenden Figuren durch eigene, entwarf das Hintergrundgemälde und gab der Krippe ihre jetzige Gestalt.
Dass Krippen im frühen Christentum zunächst meist nur bildliche Darstellungen waren, erfuhren die Teilnehmerinnen von Annette Bezler bei einer Führung durch die Basilika St. Veit. Vor allem die Jesuiten versuchten, biblische Inhalte durch bildliche Darstellungen zu verdeutlichen. Anhand der Krippe von Johannes Hils auf den Stufen zum Choraufgang der Basilika erläuterte Bezler die Bedeutung einiger Darstellungsformen. Die Futterkrippe, in der das Kind liegt, sei als Holzkiste bei der Arche Noahs und als Korb, in dem Moses lag, ein wiederkehrendes Symbol in der Bibel. Sie hob die Bedeutung Josefs hervor, ohne dessen Schutz weder Maria noch das Kind überlebt hätten. Die drei Könige, so Bezler, symbolisierten die drei damals in Europa bekannten Erdteile: Der älteste der drei Könige stehe für Europa, das als der älteste bekannte Kontinent galt. Der König mit dem Turban symbolisiere Asien und der Mohr als der jüngste der drei Könige den damals erst kürzlich entdeckten Erdteil Afrika. Auch die Geschenke der drei seien symbolisch zu bewerten: „Wozu bräuchte Maria in dieser Situation einen Goldklumpen?“ Das Gold stehe vielmehr für die königliche Macht, der Weihrauch für die göttliche Abkunft und die Myrrhe deute auf das Geschehen um den Tod Jesu hin.
Eine bewegte und bewegende Geschichte rankt sich um die Krippe von Josef Retzbach in der Krypta. Da er sehr arm war, hatte er weder Geld für teures Material noch für die Bezahlung von Modellen. So nahm er echte Ellwanger als Modell und formte daraus seine Tonfiguren. Die Figuren sind angesiedelt in der Torbastei des Ellwanger Schlosses.
Eine ganz andere Krippendarstellung erwartet die Besucher im Kreuzgang. Die sog. „Arme-Leute-Krippe“ ist geformt aus Pappmaché. Dieses praktisch wertlose Material soll die Armut der Menschen damals verdeutlichen. Die figürlichen Darstellungen sind bewusst nicht „schön“ gestaltet, sondern wie Menschen eben sind.
Den Abschluss der Krippenfahrt bildete ein Besuch in der Krippenwerkstatt von Josef Bauer in Wasseralfingen. Der Krippenbauer zeigte den begeisterten Teilnehmern seine liebevoll und kunstfertig gestalteten Werke.

© AWO-Ortsverein Aalen 26.01.2018 22:14
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