Hier schreibt die Kulturinitiative Schloss-Scheune Essingen

Lieder von prägenden Begegnungen und Erlebnissen: Pippo Pollina in der Schloss-Scheune

Der folgende Artikel von Astrid Koke erschien in der Schwäb. Post und sollte hier wiedergegeben werden:

Lieder von prägenden Begegnungen und Erlebnissen Das Essinger Publikum feiert den großen italienischen Liedermacher Pippo Pollina.

Pippo Pollinas Auftritt in der wie immer voll besetzten Essinger SchlossScheune war mehr als nur ein Konzert. Der italienische Musikpoet nahm sein begeistertes Publikum mit auf eine mitreißende musikalische und literarische Reise durch sein Leben.

Sein emotionaler Gesang, begleitet von Gitarre, Klavier und Tamburello, verstärkte die Botschaft der Texte aus seinem 2017 erschienenen Buch „Versi per la Libertà“. Mit ihm auf der Bühne standen die drei sizilianischen Sängerinnen Roberta und Ariana Prestigiacomo und Claudia Sala, deren Stimmen genau wie Pollinas Lieder direkt unter die Haut gingen.

Eindringlich war sein Vortrag von Kapiteln aus seinen „Versen für die Freiheit“ mit passenden dokumentarischen Filmaufnahmen und darauf folgenden Liedern. In hervorragendem Deutsch zog der gebürtige Sizilianer das Essinger Publikum in seinen Bann. Pippo Pollinas gelesene und mit typisch rauchiger Stimme gesungene Texte setzen ein Zeichen für menschliches Miteinander, für Hoffnung auf eine bessere Zukunft und natürlich für Freiheit. Sie erzählen Erlebnisse aus 30 Jahren. „Einmal angefangen, war das Schreiben wie ein Sog“, sagt Pollina. Mit Augenzwinkern erzählt er Anekdoten und Geschichten, wird aber immer wieder ernst, wenn er in Sprache und Musik von Begegnungen berichtet, die ihn als Menschen und Musiker prägten. Da ist zum einen sein großes Vorbild und Mentor Giuseppe Fava, Chefredakteur der mutig gegen die Cosa Nostra schreibenden Zeitung „I Siciliani“. Dessen Ermordung 1984 bewegte Pollina dazu, Sizilien zu verlassen, um als Straßenmusiker „die Freiheit zu suchen“. Trauer, Bewunderung und Kraft durchdringen „Passera“.

Auch in Pollinas Erzählung von der Zusammenarbeit mit Konstantin Wecker Anfang der 1990er Jahre klingen ernste Untertöne. Weckers Drogenabhängigkeit entsetzte den jungen Sizilianer und führte schließlich zum Zerwürfnis. Erst Jahre später fanden die beiden wieder zueinander. Die Videoaufnahmen unter anderem des legendären „Terra“ von 1993 sind eindrucksvolle Zeugnisse einer großen musikalischen Begegnung.

Mit dem kraftvollen „Sotto la ruota“ wiederum untermalte Pollina die Anekdote von seinem Onkel Santo, der in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Solingen übersiedelte und dem jungen Neffen nach seiner Rückkehr in die Heimat den Roman „Unterm Rad“ von Hermann Hesse schenkte. Die Zeile „Unterkriegen lasse ich mich nicht“ beschreibt ein ganzes Lebensgefühl.

Dem in Malaysia auf ungeklärte Weise verschwundenen Umweltschützer Bruno Manser setzte Pollina in „Bruno“ ein musikalisches Denkmal. In dem von Ariana Prestigiacomo mit Gänsehautstimme gesungenen melancholischen Stück verwebt er englische und italienische Strophen. Zum Lachen brachte Pollina den Saal dann mit seiner Erzählung von jenem freundlichen Konzertbesucher, der ihm in Bad Aibling eine gerissene Gitarrensaite wechselte und obendrein auch zu seinem Schreck noch ein Lied mit ihm spielen wollte. Natürlich kannten alle Werner Schmidbauer, nur Pollina selbst nicht. Lacher hat Pollina auch auf seiner Seite, als er Schmidbauers Bairisch gekonnt imitierte. Natürlich durfte danach der Klassiker „Camminando“ nicht fehlen, den Pollina neben vielen anderen Interpreten auch mit Schmidbauer & Kälberer gespielt hatte. Nach zwei Zugaben endete ein musikalisch großartiges, Konzert.

© Schwäbische Post 19.03.2018 19:54

 

© Kulturinitiative Schloss-Scheune Essingen 20.03.2018 09:39
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