Hier schreibt der AWO-Ortsverein Aalen

Geschichten und Geschichte beim AWO-Kaffeenachmittag

  • Aufmerksame Zuhörer und Zuhörerinnen lauschen den Ausführungen von Eberhard Looser

Bei einem informativen Kaffeenachmittag der AWO mit neuen ehrenamtlichen Helfern stellte Eberhard Looser sein Buch über die Geschichte der Jenischen aus seinem Heimatort Fachsenfeld vor.

 „Im Kindergarten und in der Grundschule war ich der Eberhard, am Gymnasium plötzlich der Pfannenstieler!“ erinnert sich Eberhard Looser. Seitdem hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Für seinen Ruhestand nahm er sich die Aufarbeitung dieses bedeutenden Teils der Fachsenfelder Ortsgeschichte und auch seiner eigenen Familiengeschichte vor.

Im April 2017 erschien das Buch „Flüchtlinge im eigenen Land – Die Ansiedlung der Jenischen im ehemaligen Pfannenstiel“ und war für ein Heimatbuch überraschend erfolgreich. Die Gäste der AWO lauschten mit großem Interesse den Ausführungen Loosers. Die Jenischen waren keine eigene Volks- oder Sprachgruppe. Sie entstanden aus den Armutsgesellschaften als Folge von Hungersnöten oder Kriegen. Sie waren Außenseiter, katholisch, bettelarm und kinderreich. Als „Bettlerbanden“ wurden sie häufig vertrieben oder abgeschoben. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Ort Fachsenfeld fast ausgeblutet. Da kam die Ansiedlung einer Gruppe von jenischen Händlern und Korbmachern gerade recht. Im Gewann Pfannenstiel, dem heutigen Himmlingsweiler, fanden sie eine neue Heimat, in der sie schnell lernten, sich selbst zu organisieren. In einer Art „Bürgerinitiative“, so Looser,  errich-teten sie einen eigenen Kindergarten, eine Elementarschule und eine sog. Industrieschule und konnten so ihre materielle Situation langsam verbessern. „Nach dem zweiten Weltkrieg war die Integration der Jenischen abgeschlossen,“ bilanziert Looser.

Später eröffneten sich Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten durch die Eröffnung des Tiefen Stollens in Wasseralfingen. Die Projektgruppe Fachsenfelder Heimatgeschichte hat den 6,7 km langen Weg markiert, den die Arbeiter damals morgens und abends zurücklegten. Mit dem sog. „Arbeiterweg“ wird ein wichtiger Teil der Industriegeschichte der Ostalb dokumentiert und nacherlebbar.

Neben den Geburtstagskindern Ruth Strauß und Christel Heyse wurde auch der langjährigen ehrenamtlichen Helferin Erna Steinacker gedankt. Seit 1995 backte sie Kuchen für die AWO und stand in der Küche, um bei den Kaffeenachmittagen rührig und unermüdlich für das Wohl der Gäste zu sorgen.  

 

Mit einigen Liedern, die passend zum Vortrag vom Wandern und vom gar nicht lustigen Zigeunerleben handelten, klang ein interessanter und informativer Nachmittag aus. Der nächste AWO-Kaffeenachmittag ist am Freitag, dem 4. Mai um 14 Uhr in der Begegnungsstätte. Auf vielfachen Wunsch wird wieder Bingo gepielt.

© AWO-Ortsverein Aalen 17.03.2018 22:29
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