Hier schreibt der AWO-Ortsverein Aalen

Geschichtsstunde bei der AWO

  • Stadtarchivar Dr. Georg Wendt
  • Monika

Zu einer vergnüglichen und interessanten Reise in die Aalener Geschichte lud die AWO beim letzten Kaffeenachmittag. Stadtarchivar Dr. Georg Wendt musste aus technischen Gründen in letzter Minute seinen geplanten Vortrag über das Aalbäumle ausfallen lassen. Stattdessen berichtete er unter dem Titel „Maskenball, Polonaise und Schlittenfahrt von der Fastnacht in Aalen und der Bürgergesellschaft.

Vor 200 Jahren spielte Fastnacht im evangelischen Aalen keine Rolle. Das änderte sich mit Napoleon. 1802 verlor die Stadt ihren Status als Freie Reichsstadt und die ersten Katholiken kamen nach Aalen. Das Bürgertum wurde selbstbewusst und gründete Bürgergesellschaften. In Aalen war die haute volée darin vertreten. Ihr Zweck war die Geselligkeit, sofern nicht „gegen Sitte und Anstand verstoßend“, wie es in den Statuten hieß. So wurden zunächst zwei Bälle und ein Maskenball veranstaltet, um ein wenig Abwechslung in die dunkle Jahreszeit zu bringen. Eintrittskarten waren Masken, die mit Nummern versehen waren. Ein aufwändiges Programm mit Kleinkunst und Maskenprämiierung erwartete die Gäste. Am Tag nach dem Maskenball gab es noch einen Ausflug in die nähere Umgebung. Wie es dabei zuging, verdeutlichte ein Gedicht, das Wendts „Assistentin“ Frau Korb in bestem Schwäbisch vorlas. Wegen mangelnder Sprach- bzw. Dialektkenntnisse musste der Referent hier passen.

Die Blütezeit des Bürgervereins kam mit der Eisenbahn. Die Einwohnerzahl verfünffachte sich, Aalen entwickelte sich zu einer modernen Stadt mit Gas, Licht und fließendem Wasser. Selbstbewusst lästerten die Bürger in einem weiteren Gedicht über die Schorndorfer, bei denen „tanzen a Sünd“ sei und über die schlechte Verpflegung woanders.

In den Achtziger Jahres des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Bürgerverein eine Faschings-gesellschaft. Die Veranstaltungen wurden immer aufwändiger und waren ehrenamtlich fast nicht mehr zu stemmen. Mit dem enormen technischen Fortschritt ging kein gesellschaftlicher Fortschritt einher. Dadurch wuchs die Sehnsucht nach der „heilen“ Vergangenheit oder eine Flucht in die Exotik. Diese Veränderungen spiegelten sich in den Themen der Faschingsbälle wieder.

Der Niedergang begann mit dem ersten Weltkrieg. Inflation, Weltwirtschaftskrise und schließlich der Nationalsozialismus verschärften die Situation, so dass sich die Bürgergesellschaft schließlich am 7.Januar 1936 nach 95 Jahren auflöste.

Auch wenn viele der zahlreichen Gäste den Aalbäumle-Vortrag erhofft hatten, so entschädigte der Referent, der inzwischen eine regelrechte Fangemeinde in Aalen hat, durch diesen Vortrag.

 

Die Geburtstagskinder wurden nicht nur mit einer Flasche Wein beschenkt, sondern auch noch durch einen Kanon beglückwünscht. Monika animierte die Gäste mit ihrer Gitarre zum Mitsingen, was die meisten auch textsicher und stimmgewaltig taten. Das AWO-Team bewirtete und bescherte den vielen Gästen einen schönen Nachmittag.

© AWO-Ortsverein Aalen 17.03.2019 22:08
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