Neues vom Spion

Gute alte Zeit, dies es nie gab

Jaja, die gute alte Zeit, die immer gerade schon vorbei ist, wenn man über sie spricht. Die es eigentlich aber so nie gegeben hat. Der Spion greift da öfter zur rosa Brille, um rückblickend etwas zu verbrämen, damit es in seiner Erinnerung auch ja einen würdigen Platz einnimmt. Auch Aalens allseits geschätzter Alt-OB Ulrich Pfeifle hat sich kürzlich wohl dieses Stilmittels bedient. Als er die Aalener Thermalwasserforschung vor 40 Jahren und das Verdienst der damaligen Stadtspitze ins helle Licht rückte und behauptete, die Dame, von der die Stadt damals den Bohrgrund an der Osterbucher Steige gekauft habe, sei lebenslang mit Eintrittsgutscheinen fürs Thermalbad ausgestattet worden. Eine Tochter dieser bereits verstorbenen Dame hat sich daraufhin beim Spion gemeldet. „Nicht eine einzige“ Eintrittskarte habe ihre Mutter erhalten. „Nachdem der Coup mit dem Grundstück gelaufen war, das die Stadtverwaltung meiner Mutter für’n Appel und’n Ei abgeluchst hatte, hat sich niemand mehr von der Stadtspitze um meine Mutter geschert. Tja ... ohne rosa Brille kann die Erinnerung manchmal schon ganz schön hart sein.

© Schwäbische Post 01.05.2020 20:41
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Kommentare

Norbert Rehm

..die Erinnerung kann manchmal ganz schön hart sein, oder..

Enteignung heisst neuerdings "Änderung der Inhaberschaft":

"Abgeluchst" sei das Grundstück der alten Damen geworden steht da. Das würde dann ja auch zu der weiteren großartigen Geschichte zum Thermalbad passen:
im Pressebericht steht was über die großartige und einmalige Finanzierungsart und -leistung. Die Bürger wurden als Kommanditisten beteiligt. Korrekt wäre: die "mussten" sich eigentlich beteiligen und Kommanditanteile zeichnen. Ob als Gemeinderat oder Handwerker, der einen Auftrag von der Stadt wollte. Gut - mit Samthandschuhen fast die Stadt "Ihre" Bürger nicht immer an. So wurde ich auch Kommanditist - und am 21.1.1982 habe ich den Treuhandauftrag an die Stadt Aalen erteilt. Und was die Einmaligkeit an der Kommanditbeteiligung der Bürger betrifft: diese Bürger wurden sogar ganz offiziell beschissen.
Während also Pfeifle, Obermayer und Ackermann die wohl bedeutendste Errungenschaft für die Stadt Aalen zur Vollendung steuerten hat der jetzige OB Rentschler die Enteignung der "Bürgerkommanditisten" in die Wege geleitet:
Ohne einen Beschluss des Gemeinderats hat OB Rentschler am 1. August 2017 eine Vollmacht für die Stadtrechtsdirektorin Rischar ausgestellt. Diese sollte die Eintragung der "Änderung der Inhaberschaft" des gesamten Kommanditanteils auf die Stadtwerke Aalen GmbH "deklaratorisch und konstruktiv" für die Stadt Aalen erklären. (Anmerkung: rechtlich gibt es keine "konstruktive" Übertragung). Laut Handelsregister gehört jetzt alles der Stadtwerke GmbH.
Also: Früher hat man der Dame die behaupteten Badegutscheine gar nicht gegeben, heute hat man allen Treuhandkommanditisten den Anteil - ohne zu fragen und ohne Entschädigung - weggenommen.
Der aktuelle OB hat auch treuwidrig gehandelt. Und wenn es schon so ist, dass es den Gemeinderat, die Beteiligten und die Presse nicht interessiert - es ist und bleibt aber dreist, über etwas zu jubeln - wenn genau das Gegenteil von dem stimmt, für das man sich bejubeln lässt.
Norbert Rehm, Stadtrat, AKTIVE BÜRGER

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