Leserbeitrag von Bernd Dörband

Zu „Schamlose Klimaschützer“ Leserbrief von Guido Wekemann vom 25. März 2020

In seinem Leserbrief lobt Herr Wekemann das engagierte Handeln einiger Bundesminister in der Bekämpfung der Corona-Ausbreitung und tadelt Politiker, weil sie vergleichbare Vehemenz beim Klimaschutz einfordern, ohne dass Beweise für die Schädlichkeit von CO2 vorlägen. Klima könne man nicht schützen. Im Mit Letzteren hat Herr Wekemann recht: Man kann nur Menschen schützen, dem Klima ist der Schutz egal. Leider ist Herrn Wekemanns Zweifel am Zusammenhang zwischen Temperaturerhöhung und menschengemachtem CO2-Anteil in der Atmosphäre unbegründet. 30 Minuten Nachlesen bei Wikipedia genügen, um die grundsätzlichen Zusammenhänge zu verstehen: seit 70 Jahren betreibt man wissenschaftliche Eiskernbohrung in der Arktis und der Antarktis, um die Erdklimageschichte zu erforschen. Man kann anhand der Eisringe etwa eine Million Jahre zurückblicken und für jedes Jahr die Zusammensetzung der Atmosphäre und ihre Temperatur ermitteln. Daraus ist direkt erkennbar, dass die Erdtemperatur streng an den CO2-Gehalt der Atmosphäre gekoppelt ist. Ab 1850, mit dem Beginn der industriellen Revolution, verzeichnet man einen steilen Anstieg von beiden, 100x stärker als die natürlichen Schwankungen vor Auftauchen des Menschen waren. Dieser Anstieg beschleunigt sich immer mehr, ähnlich wie beim Anstieg der Corona-Infektionsfälle. Der Unterschied liegt lediglich in der Zeitskala: Bei der Corona-Verbreitung geht es um Tage, bei der Klimaveränderung um Jahre. Wer diese Kurve gesehen hat, wird die Dramatik des menschengemachten Klimawandels nie mehr anzweifeln. Der CO2-Gehalt ist heute doppelt so hoch wie das zurückliegende Maximum der letzten 500000 Jahre. Sein Anstieg erfolgt exponentiell wie bei Corona – außer wir treten massiv auf die Bremse. Bei Corona ist die Dramatik offensichtlich, weil wir die gefüllten Intensivstationen sehen können. Die großen Konsequenzen des Klimawandels werden erst unsere Kinder und Enkel in zunehmendem Maße spüren: Anstieg der Meeresspiegel, Veränderung der Meeres- und Luftströmungen, Migrationsströme, Zunahme von Tsunamis, Missernten, Waldbrände, Dürrekatastrophen, das Auftauchen unbekannter neuer Krankheiten und mehr. Politiker und wir Bürger müssen auf kurzfristige Katastrophen reagieren, ohne den Kampf gegen die langfristig drohenden Katastrophen aufzugeben. Das sind wir unseren Kindern und Enkeln schuldig.

Dr. Bernd Dörband und Henriette Müller, Aalen

© 26.03.2020 15:18
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Kommentare

webinger

Wir schätzen Herrn Wekemanns Wetterbeobachtungen und seine Berichte darüber. Sein Leserbrief vermittelt den Eindruck, als sei damit das Potenzial im Wesentlichen ausgeschöpft. Über Klima und die Zusammenhänge sollte er nicht weiter schwadronieren. Wetter und Klima sind zweierlei Dinge. Und fürs Klima haben wir ja schon einen gewissen Donald Trump als ausgewiesenen Experten.

Gruß
R. Webinger

Goetz511220

Sehr geehrte Frau Müller, sehr geehrter Herr Dr. Dörband,

Ihre Ansinnen in Ehren, Ihre Argumentation in Ordnung, allerdings ein hoffnungsloses Unterfangen. Sie werden Leute wie Herrn Wekemann mit noch so vielen Argumenten nicht überzeugen können. Ich habe das längst aufgegeben. Deren Weltbild ist gefestigt und durch Argumente nicht zu erschütern, weil es ja im Internet immer genügend "Experten" gibt, die sie stützen. Und unter tausenden Wissenschaftlern wird es immer welche geben, die sich profilieren, indem sie eine andere Meinung kund tun.

Im Internet findet man auch Seiten, die "beweisen", dass die Erde eine Scheibe ist, dass Elvis lebt und dass die Mondlandung nie stattgefunden hat, obwohl von den Apollo-Astronauten über 380 kg Mondgestein auf die Erde gebracht wurden und von ihnen installierte Laserreflektoren heute noch ihren Dienst tun.

Im übrigen gibt es auch keine Beweise für die Existenz von Herrn Wekemann - möglicherweise alles nur elektrische Nervenimpulse, die uns das vorgaukeln ;-)

In diesem Sinne. bleiben Sie fröhlich und entspannt und vor allem gesund. Beste Grüße

R. Burger

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