Tests, Kontaktsperre, Kosten

BW-Verordnung: Strenger Teil-Lockdown für Ungeimpfte – das sind die Regeln

Ungeimpften in Baden-Württemberg drohen noch diese Woche massive Einschränkungen. Mit welchen Knallhart-Maßnahmen sie rechnen müssen:

Update vom 16. September: Ab heute gilt in Baden-Württemberg die neue Corona-Verordnung. Hier kannst Du nachlesen, welche Einschränkungen jetzt auf Ungeimpfte im Bundesland zukommen.

Erstmeldung vom 2. September: Baden-Württemberg - Die Lage für ungeimpfte Personen im Bundesland wird ernst. Wenn die Tage immer kürzer und kälter werden, steigen auch wieder die Corona-Zahlen an – da sind sich Experten sicher. Die Menschen werden sich häufiger in Innenräumen aufhalten, die Ansteckungsgefahr mit Covid-19 steigt. Während Genesene und Geimpfte vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sind, trifft die nächste Coronavirus-Welle vor allem die Ungeimpften*, berichtet HEIDELBERG24*.

Ein teilweiser Lockdown für Ungeimpfte in Baden-Württemberg rückt näher. Die grün-schwarze Regierung sieht das Land mitten in der vierten Corona-Welle und wollte ursprünglich am Montag (13. September) eine neue Corona-Verordnung verkünden, in der die Knallhart-Regeln festgehalten sind. Doch die neue Verordnung verzögert sich aus diesem Grund um wenige Tage. Sie könnte auch Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Menschen bedeuten – etwa, dass sich nur noch zwei Haushalte treffen dürfen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält das für unausweichlich. „Die Nicht-Geimpften sind jetzt natürlich die Träger der Pandemie“, sagte der Grüne der Deutschen Presse Agentur. Wenn es bei den Ungeimpften zu hohe Inzidenzen gebe, wirke sich das auf die Krankenhausbelegung aus. Und dann müsse die Politik handeln.

BundeslandBaden-Württemberg
HauptstadtStuttgart
Einwohner11,07 Millionen (2019)

Das Land Baden-Württemberg* plant strenge Maßnahmen für Ungeimpfte. Diese haben zum einen das primäre Ziel, das Gesundheitssystem zu schützen und zum anderen Impfgegner doch noch zur Spritze zu bewegen. Genesene und Geimpfte sollen anders behandelt werden, wie Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl gegenüber der „Bild am Sonntag“ sagte. „Es wäre falsch, dann alle in Mithaftung zu nehmen, auch die Geimpften - deshalb wird es für Ungeimpfte andere Regeln geben als für Geimpfte.“

Baden-Württemberg: Knallhart-Regeln für Ungeimpfte drohen – Testpflicht und Kosten

Doch welche Maßnahmen drohen Ungeimpften in Baden-Württemberg? Seit Mitte August gilt bereits die strenge Testpflicht. Wer sich nicht gegen das Coronavirus* impfen lässt, der braucht einen negativen Corona-Nachweis – in Form eines PCR- oder Schnelltests. Je nachdem welche Einrichtung man besuchen will, muss man den jeweiligen Corona-Test vorlegen. Die Landesregierung hat genau definiert, wo man als ungeimpfte Person überall einen Nachweis braucht. Unter anderem braucht es hier einen Test:

  • Kliniken und Krankenhäuser
  • Pflegeheime und Altenheime
  • Einrichtungen der Behindertenhilfe
  • Innengastronomie
  • Veranstaltungen drinnen
  • Friseur und andere körpernahe Dienstleistungen
  • Fitnessstudios
  • Sporthallen
  • Schwimmbäder

Hinweis: Ein PCR-Test ist 48 Stunden gültig, ein Schnelltest verliert nach 24 Stunden seine Gültigkeit.

Neben der Testpflicht kommt ab Oktober auch die Bezahlpflicht dazu. Wer sich freiwillig nicht gegen das Coronavirus impfen lässt, der muss künftig für seine Corona-Nachweise selbst aufkommen. Es gibt wenige Ausnahmen, wie Schwangere, Kinder und Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, für die die Kosten weiterhin übernommen werden. Ein Schnelltest kostet in der Regel zwischen 10 und 20 Euro. Bei einem PCR-Test wird es hingegen für die Ungeimpften ziemlich teuer, denn dieser kann 50 Euro oder mehr kosten. Letztlich kann aber auch die Summe aus Schnelltests eine große finanzielle Belastung darstellen, wie ein Rechenbeispiel von HEIDELBERG24* zeigt.

Baden-Württemberg: 2G ab Herbst? Ungeimpfte müssen „draußen bleiben“

Neben den Corona-Tests wird in Baden-Württemberg die 2G-Regelung* heiß diskutiert. Die Landesregierung überlegt, die strenge Maßnahmen einzuführen. Dies würde dazu führen, dass Gastronomen, Veranstalter, Händler und andere Betreiber selbst entscheiden dürfen, ob sie Ungeimpfte „ins Haus lassen“ oder nicht. „Die Landesregierung bereitet für den Eingriffs-Fall bereits jetzt eine entsprechende Corona-Verordnung vor, die unmittelbar in Kraft treten kann. Diese wird insbesondere Restriktionen für Ungeimpfte beinhalten, da das Infektionsgeschehen und die damit verbundene Auslastung der Intensivstationen maßgeblich durch diese Gruppe bestimmt wird“, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums Ende August gegenüber der dpa.

Da in Baden-Württemberg die Inzidenz-Regelung nicht mehr greift, muss nun ein anderer Wert betrachtet werden. So ist denkbar, dass die Belegung der Intensivbetten beobachtet wird. Als Grenzwert wird dem Vernehmen nach die Belegung von etwa 300 Intensivbetten diskutiert. Die 2G-Regelung sei laut Lucha der „richtige Schritt“. Aktuell (3. September) befinden sich 131 Covid-19-Fälle in Baden-Württemberg in intensivmedizinischer Behandlung, davon werden 60 invasiv beatmet.

Im Bundesland liegt die Inzidenz der Ungeimpften mittlerweile zwölfmal höher als bei Geimpften. Am 1. September liegt die Inzidenz bei Geimpften bei 15; der Wert der Ungeimpften beträgt wiederum 180,8. Das teilt das Sozialministerium Baden-Württemberg mit.

Baden-Württemberg: 2G, Testpflicht und Kontaktsperre für Ungeimpfte ab Herbst?

Zu der Testpflicht und der 2G-Regelung, die das öffentliche Leben massiv einschränken könnte, ist auch von einer weiteren Maßnahme für Ungeimpfte die Rede: Kontaktsperre. Mehrere Experten halten eine Kontaktbeschränkung für Ungeimpfte* für sinnvoll. Die grün-schwarze Regierung sieht das Land mitten in der vierten Corona-Welle und will spätestens nach den Sommerferien am 13. September Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Menschen möglich machen - etwa, dass sich nur noch zwei Haushalte treffen dürfen.

Auch der Virologe Christian Drosten spricht sich für Kontaktbeschränkungen im Herbst aus – begründet dies aber mit der zu niedrigen Impfquote. Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärt der Experte, dass Deutschland mit einer Impfquote von rund 61 Prozent nicht in den Herbst gehen könne. Notwendig seien 85 Prozent der Unter-60-Jährigen und 90 Prozent der Über-60-Jährigen. Für Kinder unter 12 Jahren empfiehlt der Virologe, die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen beizubehalten. Drosten fügt hinzu, er rechne für Oktober und November mit den Kontaktbeschränkungen. In Baden-Württemberg liegt die Impfquote aktuell bei 62,7 Prozent. (jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/picture alliance/dpa

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