Kampf gegen das Coronavirus

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Die wichtigsten Infos für Eltern

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Impfangebot für Kinder und Jugendliche: Was Eltern jetzt wissen müssen. (Symbolbild).
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Die deutsche Corona-Impfkampagne stockt - immer weniger Menschen gehen zur Impfung. Doch eine Gruppe hat bisher noch gar kein offizielles Impfangebot bekommen.

Schon wieder ist die Corona-Pandemie auf dem Vormarsch. Die Zahlen klettern unablässig in die Höhe. In Baden-Württemberg ist die Inzidenz mittlerweile wieder bei 14,5 (Stand 2. August) und die Stadt Heilbronn* liegt sogar über dem Grenzwert von 35. Im Gegenzug sinkt das Impftempo - viele Impfberechtigte wollen oder können sich nicht impfen lassen und andere Gruppen haben noch gar kein Angebot erhalten. Mit dabei die Kinder und Jugendlichen. Doch das soll sich laut echo24.de* jetzt schnell ändern.

Am Montag (2. August) trafen sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, um darüber zu beraten, wie der Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus künftig effektiv weitergeführt werden kann. Dabei beschlossen sie einstimmig, in allen Ländern Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in regionalen Impfzentren anzubieten - wie es in Arztpraxen bereits möglich ist.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche kommt: Was Experten dazu sagen

Zu dieser Entscheidung gab es ein geteiltes Echo. Denn während die Europäische Arzneimittel-Behörde (EMA) mittlerweile die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen hat, ist die Ständige Impfkommission (STIKO) noch nicht so überzeugt. Die Verantwortlichen der unabhängigen Expertenriege empfehlen die Impfung von Kindern und Jugendlichen bisher nur bei erhöhtem Risiko für schwere Corona-Verläufe. Dieses ist beispielsweise bei diesen Vorerkrankungen gegeben:

  • Diabetes
  • Adipositas
  • Mangelernährung
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Asthma
  • Depressionen

Über diese Empfehlung setzten sich die Gesundheitsminister nun hinweg. Im Beschluss vom Montag wurde laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) betont, dass Kinder und Jugendliche immer umfassend ärztlich beraten und aufgeklärt werden müssen, bevor sie sich impfen lassen. Außerdem wird gegebenenfalls auch die Zustimmung der Sorgeberechtigten nötig.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Impfempfehlung in der Kritik

Dennoch steht die STIKO wohl vor einer Erneuerung ihrer Impfempfehlung. Deren Chef, Thomas Mertens, sagte dem Spiegel: „Ich hoffe, dass wir das in den nächsten zehn Tagen schaffen.“ In welche Richtung es dann allerdings geht, und ob es dann eine generelle Empfehlung für Kinder und Jugendliche gibt, bleibt fraglich. Denn Mertens erklärte weiter, viele Eltern hätten auf eine Empfehlung der STIKO gehofft, aber die werde es erst einmal nicht geben.

Für Ärzteverbände und Politiker ist das die falsche Entscheidung. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte im Deutschlandfunk, die STIKO stünde in einer „Außenseiterposition“ und müsse die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech jetzt möglichst schnell für Kinder und Jugendliche empfehlen. Demnach haben wesentliche Studien ergeben, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante viel gefährlicher ist als die Impfung von Kindern.

Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen: Was spricht dafür?

Was können Eltern nach all den widersprüchlichen Informationen also tun? Ärzteverbände raten dazu, bei Verunsicherung mit dem Haus- oder Kinderarzt zu sprechen. So können Risiken und Nutzen einer Corona-Impfung beim Kind besprochen und abgewogen werden. Immerhin: Sicher ist mittlerweile, dass die mRNA-Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen sehr gut wirken.

Forscher erklärten im New England Journal of Medicine, dass eine Impfung mit Biontech oder Moderna bei Heranwachsenden sogar überdurchschnittlich gut wirkt. Bedeutet in Zahlen: Die Impfung schützt Kinder und Jugendliche zu 100 Prozent vor einer Corona-Erkrankung mit Symptomen.

Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen: Was spricht dagegen?

Fraglich bleibt eben nur, inwieweit Kinder und Jugendliche die Impfung überhaupt benötigen. Denn schwere Verläufe oder gar langanhaltende Symptome wie das sogenannte „Long-Covid“ kommen bei Kindern extrem selten vor. Nur ein Prozent der Heranwachsenden müssen wegen Covid-19 ins Krankenhaus.

Gegen eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche spricht außerdem das Risiko von schweren Nebenwirkungen. Zwar ist das Risiko bei Kindern gering, eine Herzmuskelentzündung zu erleiden - aber dennoch vorhanden. Das darf nicht unterschlagen werden. Allerdings spricht die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC in ihren „Covid-19-Sicherheitsupdates“ von einer Wahrscheinlichkeit von 1:18.000.

Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen: Gibt es einen Nutzen für die Allgemeinheit?

Doch kann eine Impfung bei Kindern und Jugendlichen überhaupt dabei helfen, die Corona-Pandemie weiter einzudämmen? Da sind sich die Experten nicht ganz einig. Die STIKO meint zwar, dass sich besonders im Herbst und Winter viele Kinder mit Corona anstecken werden, doch das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass das Virus dennoch eingebremst werden kann.

Als viel wichtiger sehen die allermeisten Experten eine Herdenimmunität bei den 18- bis 59-Jährigen an. Diese Gruppe sei bei der Impfquote bisher unterrepräsentiert aber extrem relevant bei der Frage, ob in Deutschland die Corona-Pandemie eingedämmt werden kann. Deshalb appellieren Politiker auch immer wieder an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) brachte kürzlich sogar Einschränkungen für Nicht-Geimpfte* auf den Tisch. Doch klar ist: Am mangelnden Impfstoff scheitert die Impfkampagne schon seit einiger Zeit nicht mehr - Impfen wird für Erwachsene immer leichter. Unter anderem ist in Heilbronn seit Kurzem ein Impfbus unterwegs*. Wer sich hier impfen lässt, kann sich sogar den Impfstoff aussuchen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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