Anstieg der Privatpleiten

Nach einem Jahr Corona: Immer mehr Menschen in Baden-Württemberg pleite

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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat noch immer schwere Folgen für die Wirtschaft. Aber auch viele Privatpersonen sind angeschlagen - Insolvenzen haben zugenommen.

Stuttgart - Die 7-Tage-Inzidenz nimmt ab und immer weniger Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Trotzdem ist die Pandemie noch nicht vorbei. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft werden ohnehin noch lange andauern. So sind die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg für die Wirtschaft* erst auf lange Sicht absehbar.

Während sich einige Bereiche inzwischen schon wieder erholen konnten, läuft der Betrieb für andere, wie beispielsweise die Gastronomie, erst durch stufenweise Lockerungen langsam wieder an. Den Innenstädten in Baden-Württemberg droht durch Corona eine Abwärtsspirale (BW24* berichtete).

Aber nicht nur Unternehmen in Baden-Württemberg litten und leiden finanziell unter dem Coronavirus. Auch Privatpersonen sind durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im ersten Quartal 2021 regelrecht in die Höhe geschnellt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Nicht nur Unternehmen finanziell gebeutelt

Einer Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Crifbügel zufolge hat das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Privatleute finanziell schwer getroffen. Nach rund einem Jahr seit Beginn der Corona-Pandemie ist demnach die Zahl der Privatinsolvenzen in Baden-Württemberg sprunghaft angestiegen.

Alleine im ersten Quartal 2021 verzeichnet die Wirtschaftsauskunftei Crifbügel 3.479 Privatinsolvenzen in Baden-Württemberg. Das seien rund 70 Prozent mehr Pleiten als im Vorjahreszeitraum. Baden-Württemberg steht mit diesem Anstieg sogar noch vergleichsweise gut da. Mecklenburg-Vorpommern (plus 86,7 Prozent), Nordrhein-Westfalen (plus 81,1 Prozent), Hamburg (plus 77,5 Prozent) und Thüringen (plus 75,3 Prozent) verzeichnen weitaus extremere Anstiege bei den Privatinsolvenzen.

Anstieg der Privatinsolvenzen: Gesetzesreform trägt Mitschuld

Die Entwicklung in einzelnen Bundesländern lässt sich auch auf ganz Deutschland übertragen. Insgesamt gab es im ersten Quartal 2021 56,5 Prozent mehr Privatinsolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Aktuell meldet die Wirtschaftsauskunftei Crifbügel 31.821 Pleiten. Für das Gesamtjahr rechnen die Experten sogar mit einer Verdoppelung auf der Insolvenzen auf bis zu 110.000 Fälle.

Dass ausgerechnet zu Jahresbeginn so viele Privatinsolvenzen vermeldet werden, hängt auch mit einer Gesetzesreform zusammen. Demnach können Verbraucher inzwischen einfacher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren Restschulden befreit werden. Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. „Da diese Reform ein großer Vorteil ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet“, so Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein zur Deutschen Presseagentur.

Entsprechend sind nicht alle jetzt festgestellten Insolvenzen auch auf das Coronavirus in Baden-Württemberg zurückzuführen. Die Wirtschaftsauskunftei Crifbügel rechnet damit, dass die durch Corona verursachte Insolvenzwelle erst ab dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen wird und bis in das Jahr 2022 anhält. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch

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