Regionale Wirtschaft massiv vom Ukraine-Krieg betroffen

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Die IHK Ostwürttemberg in Heidenheim.

Nicht nur die steigenden Energie- und Rohstoffpreise belasten die Firmen, auch Lieferketten und Logistik sind stark unter Druck. IHK richtet eine Task Force ein.

Heidenheim

Die IHK Ostwürttemberg hat zu einem einstündigen Informationsaustausch über den Krieg in der Ukraine eingeladen, auch regionale Firmen sind von den Ereignissen massiv betroffen. Beim Treffen ging es nicht nur um die Auswirkungen des Kriegs auf die Energieversorgung, die Logistik sowie die gestörten Lieferketten, sondern auch um humanitäre Hilfen für Geflüchteten.

So berichtete IHK-Präsident Markus Maier von der Situation in Ungarn: 320 000 Flüchtlinge seien dort (bis 15.03.2022) angekommen. Rund 50 Prozent der Geflüchteten reisten in andere Länder weiter. Die Flüchtlinge wollten - sobald es wieder möglich ist - in die Ukraine zurück, laute der Tenor, schreibt die IHK in einer Mitteilung. IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler: „Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen zeichnet sich in den an die Ukraine angrenzenden Ländern eine humanitäre Katastrophe ab.“

Deutliche Steigerung der Energiepreise erwartet

Aus Sicht der Energieversorgungsunternehmen wurde deutlich, dass im kommenden Jahr mit noch deutlicheren Preissteigerungen bei Strom und Gas zu rechnen sei. Den Firmen wurde geraten, alle Alternativen einer Versorgung mit Energie zu prüfen. Bezüglich der Versorgung mit Kohle gab es Informationen, dass sich die Versorgungssituation entspannter darstelle als beim Gas, auf dessen Versorgung extremer Druck liege. Wegen der starken Abhängigkeit vom russischen Gas sei die Gesamtlastversorgung gefährdet, sollten aus Russland keine Lieferungen erfolgen.

In Süddeutschland seien die Gasspeicher weniger voll (15 Prozent) als im Bundesdurchschnitt (25 Prozent). Während der warmen Jahreszeit bis zum Herbst gehe die Abhängigkeit zwar zurück, im vierten Quartal sei mit einer Verschärfung der Situation zu rechnen. Die Energieversorgungsunternehmen kämen zunehmend in Liquiditätsprobleme, da die Beschaffungskosten massiv angestiegen sind.

Ebenfalls problematisch könnte sich die Produktion von Verpackungsmaterialien wie Kartonagen auswirken. Eine mögliche Konsequenz sei, dass auch Güter wie Lebensmittel oder Medikamente eingeschränkter verteilt oder verkauft werden könnten, schreibt die IHK.

Transportbedarf geht zurück

Aus Reihen des Transportgewerbes wurde betont, dass es in Ostwürttemberg derzeit keine direkten Probleme durch den Abzug von ukrainischen Lkw-Fahrern gibt. Diese Probleme treten verstärkt bei polnischen und litauischen Transportunternehmen auf, dort gehen ukrainische Fahrer zurück in ihre Heimat. Die stark gestiegenen Dieselpreise gebe man an die Kunden weiter. Allerdings sei festzustellen, dass der Transportbedarf nicht den jahreszeitüblichen Anstieg verzeichnet. Das deute auf erste Produktionsrückgänge oder eine sich möglicherweise abschwächende Konjunktur hin.

Thema beim Austausch war auch die teilweise extreme Verknappung von Rohstoffen. Beispielsweise drohe ein Produktionsstopp, weil Nickel nicht in ausreichender Menge zu bekommen sei.  Weniger als die Hälfte der benötigten Menge sei verfügbar – und das zu einem sechsmal höheren Preis als vor der Krise. Hier spiegle sich die Abhängigkeit von Russland.

Deutlich wurde zudem, dass die Abhängigkeit von russischen Energie- und Rohstofflieferungen sehr hoch ist und bei einem Ausbleiben – egal aus welchen Gründen – ein Kollaps der Produktionsabläufe sowie der Versorgung möglich ist. „Wir leben in einem hochvernetzten, hochgradig arbeitsteilig organisierten System, in dem alle Akteure miteinander verzahnt sind. Wenn es an einer Stelle zu Problemen kommt und klemmt, sind die Auswirkungen an vielen Stellen im gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Leben spürbar“, sagte Thilo Rentschler. Es gelte, sich jetzt in den Unternehmen mit verschiedenen Szenarien, darunter einem Worst-Case-Szenario, zu beschäftigen. Unternehmen sollten sich gedanklich auf stärkere Beeinträchtigungen ihrer Geschäftstätigkeiten einstellen.

Task Force eingerichtet

Die IHK hat deshalb eine interne Task-Force gebildet, die Informationen auf der Homepage unter www.ostwuerttemberg.ihk.de/russlandukraine werden laufend aktualisiert. Gemeinsam mit den anderen Industrie- und Handelskammern werde nach Hilfestellungen für Firmen gesucht. Die Unternehmen sollen dabei auf Hilfen bezüglich Kriegsfolgen-Krediten, Liquiditätssicherung sowie von der öffentlichen Hand finanzierten Unternehmensberatungen, Energieeffizienz- und Energieeinsparpotenzialen hingewiesen werden. Moratorien bei einzelnen Gesetzesvorhaben könnten geprüft werden, um zusätzliche Belastungen in der derzeit extrem angespannten Situation für die Betriebe  zu vermeiden.

 

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