Opern-Umbau

Wegen Zweifeln: Intendanten greifen CDU-Fraktionschef an

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Das Opernhaus Stuttgart vor dem Eckensee mit einer Wasserfontäne.

Im Streit um die milliardenschwere Sanierung der Stuttgarter Oper haben sich nun die Intendanten zu Wort gemeldet und heftige Kritik an CDU-Fraktionschef Manuel Hagel geäußert. In einem Brief an Regierungschef Winfried Kretschmann, Kunstministerin Theresia Bauer (beide Grüne) und Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz beschweren sie sich, Hagel wolle mit den jüngst gestellten Bedingungen für die Renovierung das Projekt verschleppen.

Stuttgart - „Mit großem Erstaunen und nicht geringer Besorgnis“ hätten sie die Äußerungen Hagels zur Kenntnis genommen, schreiben der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks sowie die Chefs von Ballett, Oper, und Theater, Tamas Detrich, Viktor Schoner und Burkhard Kaminski. Zuerst hatte die „Stuttgarter Zeitung“ über das Schreiben berichtet.

Hagel unterstelle indirekt, dass es sich bei dem geplanten Umbau um eine „Luxussanierung“ des Opernhauses und eine unangemessene Erweiterung der Staatstheater handele. „Nichts davon ist zutreffend; das Gegenteil ist der Fall“, schreiben die Intendanten in dem Brief vom Mittwoch, der dpa vorliegt. Es werde der Eindruck erweckt, alle Beteiligten hätten in ihrer Arbeit „fahrlässig und fehlgeleitet gehandelt“. Es sei nicht richtig, dass es hier um eine Sanierung mit „Goldrand“ gehe, die leicht nochmal abgespeckt werden könne. Schon 2018 seien auch Experten von außen zu dem Ergebnis gekommen, „dass das Programm nunmehr im Wesentlichen nur noch den absolut unabweisbaren Bedarf beinhaltet. Diese Feststellung gilt auch im Jahr 2022 unverändert fort“.

Es bremse den Prozess, wenn der nun geplanten Projektgesellschaft „weitere Spar-, Verkürzungs- oder Ablenkungsprüfaufträge mit auf den Weg“ gegeben würden. „Diese Diskussionen sind bereits alle und hinlänglich geführt - vielleicht nur noch nicht von jedem“, so die Theaterchefs. Sie brächten den Zeitplan in Gefahr und schöben die Entscheidung über den Projektbeginn in die nächste Wahlperiode. „Wir brauchen gerade keine weiteren Diskussionen über ein mögliches Weniger im Projekt.“ Nötig sei stattdessen ein klares Bekenntnis zur Sanierung in ihrer jetzigen Gestalt. „Wir zählen daher in diesem schwierigen Moment auch weiterhin auf Ihre starke und entschlossene Unterstützung“.

Die CDU-Fraktion pocht in der Tat auf die Prüfung günstigerer Alternativen. Man will die Gründung einer Projektgesellschaft für die Sanierung des über 100 Jahre alten Baus, stellt dafür aber zehn Bedingungen, die sie „verbindliche Leitlinien“ nennt. Unter anderem müsse gewährleistet sein, dass „erst nach dem Architektenwettbewerb in Kenntnis einer dann aktualisierten belastbaren Kostenschätzung“ die abschließende Entscheidung der Landesregierung „im Benehmen mit den Regierungsfraktionen für die Form der Sanierung“ getroffen werde. Die Kosten für das Projekt wollen sich das Land und die Stadt Stuttgart teilen. Ob der bisherige Kostenrahmen von über einer Milliarde Euro zu halten ist, wird stark infrage gestellt. dpa

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