150. Geburtstag für Papierfabrik Palm

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Das Ölbild zeigt die Papierfabrik um 1900 mit der öffentlichen Gaststätte „Zum Bohl“ in der Bildmitte.

Am 1. Mai 1872 startete Adolf Palm mit der Produktion von Papier in Aalen-Neukochen. Nun ist bereits die fünfte Generation mit am Ruder. Warum die Feierlichkeiten erst im September stattfinden.

Aalen

Die Papierfabrik Palm in Aalen-Neukochen feiert an diesem Wochenende ihr 150-jähriges Bestehen. Die große Feier soll erst im September begangen werden – bis dahin sollen die noch noch laufenden Bauarbeiten auf dem Betriebsgelände abgeschlossen sein. Dennoch nimmt die Firma, die am 1. Mai 1872 von Adolf Palm gegründet wurde und heute in vierter beziehungsweise fünfter Generation von Dr. Wolfgang Palm und seit Kurzem auch seiner Tochter Marina Palm als Mitglied der Geschäftsführung geleitet wird, den Anlass wahr, zurückzublicken.

Gründung durch den Kaufmann Adolf Palm

„Am 1. Mai 1872 zog ich in Neukochen auf und begann meine Tätigkeit.“ Nachzulesen ist dieser schlichte, aber bedeutende Satz in den Erinnerungen, die Adolf Palm ein halbes Jahrhundert später zu Papier brachte. Als Kaufmann hatte er vorher Erfahrungen im Maschinenbau gesammelt – vor allem mit Kunden aus der Papier- und Holzschliffbranche. Die ziemlich heruntergekommene und abgewirtschaftete Papiermühle am Bohl in der Nähe von Aalen kaufte er, weil er gerne sein eigener Herr sein wollte. 1876 ließ er ein leistungsfähiges eisernes Wasserrad installieren, 1881 eine Dampfmaschine und 1896 eine elektrische Beleuchtung.

Kriegszeit und Wirtschaftskrise: Otto und Hermann Palm

1910 ging Adolf Palm in den Ruhestand, seine Söhne Otto und Hermann Palm führten nun die Geschäfte. 1921 kauften sie bei Voith in Heidenheim eine für damalige Verhältnisse monströse zweite Papiermaschine mit einer Arbeitsbreite von 2,5 Metern. Wie viele andere Unternehmen auch, geriet die „Papierfabrik Gebrüder Palm“ mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 in Bedrängnis. Mehr schlecht als recht behalf man sich mit Nischenprodukten wie Fliegenfängern und Kinokarten. Um das Unternehmen über Wasser zu halten, verpfändeten die Brüder sogar ihre Lebensversicherungen. Nach 1933 konnten sie mit den Kälte- und Wärmeschutzpapieren „Perkalor“ ein bescheidenes Wachstum generieren und 1937 erstmals mehr als 10 000 Tonnen Papier herstellen. Nach 1939 sorgte sogenannte Verdunkelungspappe zusätzlich für eine einigermaßen tragbare Auslastung der Papiermaschine.

Dritte Generation: Wilfried und Gottfried Palm

1941 fiel Sigurd Palm, der als Nachfolger ausgebildete und vorgesehene Sohn Otto Palms, an der Ostfront. Nach Kriegsende traten deshalb sein Bruder Dr. Wilfried Palm und dessen Cousin Gottfried Palm als dritte Generation in das Unternehmen ein. Im Abstand von jeweils sechs Jahren wurden 1956, 1962, 1968 und 1974 neue Papiermaschinen angeschafft, jede größer und leistungsfähiger als die vorherige. Dr. Wilfried Palm begann 1983 auf einer gebraucht gekauften Papiermaschine erstmalig in Deutschland Zeitungsdruckpapier aus 100 Prozent Altpapier zu produzieren: Im November 1984 druckte die „Schwäbische Post“ erstmals eine Sonderausgabe auf dem umweltfreundlichen Palm-Zeitungsdruckpapier.

Heutige Zeit: Wolfgang und Marina Palm

Der Sohn Dr. Wolfgang Palm trat 1982 als 4. Generation ins Unternehmen ein und führt es bis heute. Er steht für enorme Investitionen und eine massive Steigerung des Umsatzes: Über 4000 Beschäftigte erwirtschaften in den 33 Betrieben, die zu Palm gehören, einen Umsatz, der im Jubiläumsjahr 2022 bei 2,5 Milliarden Euro liegen wird. Mit Dr. Wolfgang Palms Tochter Marina Palm ist am 1. März 2022 die fünfte Palm-Generation in die Geschäftsführung eingetreten.

Heute am Ruder: Marina und Dr. Wolfgang Palm
Papierfabrik Palm heute
Firmengründer Adolf Palm
Die neue Papiermaschine in Aalen ist seit dem Jahr 2021 im Einsatz.

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