600 neue Jobs für die Ostalb

  • Weitere
    schließen
+
Dr. Karl Lamprecht,
  • schließen

Zeiss verpasst zwar das elfte Rekordjahr in Folge, die Halbleitersparte boomt aber trotz Covid-Krise ungebrochen. In Oberkochen entstehen hunderte neuer Stellen.

Oberkochen

Die Corona-Krise geht auch am größten Arbeitgeber der Region zwar nicht spurlos vorbei. Der Umsatz von Zeiss ist im vergangenen Geschäftsjahr 2019/20 um zwei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro gesunken. Vorstandschef Dr. Karl Lamprecht ist mit der Entwicklung dennoch zufrieden. "Dank unserer breiten technologischen und globalen Aufstellung ist der langfristige Wachstumskurs intakt. Die Covid-Krise hat diesen nur unterbrochen", so Lamprecht.

Während es in drei Sparten Umsatzrückgänge gibt, boomt die Halbleitersparte SMT weiter. Dank der Nachfrage nach der neuen EUV-Technologie steigt der Umsatz um zwölf Prozent auf 1,833 Milliarden Euro. Das sorgte im vergangenen Jahr für mehr als 300 neue Arbeitsplätze am Stammsitz in Oberkochen. Im laufenden Geschäftsjahr sollen 600 Jobs hinzukommen, wie Lamprecht erklärt. Das Unternehmen sucht Fachkräfte sowie Ingenieure. Die Stellen sollen bereits im kommenden Jahr besetzt werden – wenn es der Fachkräftemangel denn zulässt.

Mit der EUV-Technologie lassen sich Chips für Computer, Handys oder Tablets noch kleiner und energieeffizienter produzieren. Die Mini-Rechenmaschinen bauen unter anderem Apple und Samsung in ihre neuen Smartphone-Generationen ein. Zeiss stellt für die Fertigungsanlagen der Chips die optischen Systeme her, gemeinsam mit dem Maschinenbauer Trumpf und dem niederländischen ASML-Konzern werden die Anlagen in die ganze Welt verkauft.

Das Konsortium besitzt dabei eine Monopolstellung – es gibt schlicht sonst keine Firmen, die diese Technologie anbieten. Für die Entwicklung des Optiksystems wurden Zeiss, Trumpf und ein Fraunhofer-Institut in diesem Jahr mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. "Wir haben uns diese Marktposition technologisch erarbeitet", so Lamprecht.

Laut des Vorstandschefs forsche man in Oberkochen bereits seit geraumer Zeit an der Nachfolgegeneration, der sogenannten High-NA-Technologie. Rund ein Drittel des Südwerks zwischen Oberkochen und Königsbronn werde dafür bereits genutzt. "Wir haben in die neue Generation der optischen Systeme bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert", erläutert Lamprecht.

Wir werden gestärkt aus der Covid-Krise hervorgehen.

Dr. Karl Lamprecht Vorstandschef Zeiss AG

Dank der SMT bewegt sich der Gewinn fast auf Vorjahresniveau. "Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden", sagt Lamprecht. Zeiss hat operativ rund 922 Millionen Euro verdient. Trotz der Konjunkturflaute hält das Unternehmen an der offensiven Investitionsstrategie fest. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen um 15 Prozent auf 812 Millionen Euro, wie Finanzchef Dr. Christian Müller erklärt. "Wir stärken damit weiter unsere Innovationskraft." Fast eine halbe Milliarde Euro zusätzlich hat Zeiss in seine weltweiten Standorte investiert.

In den übrigen Sparten macht sich die Covid-Krise hingegen bemerkbar. Der Bereich Industrielle Messtechnik und Mikroskopie litt unter dem Struktur- und Technologiewandel in der Automobilindustrie. "Darauf waren wir zwar vorbereitet", sagt Lamprecht, "doch die Covid-Krise hat die Entwicklung erheblich beschleunigt." Mittel- bis langfristig sieht Lamprecht im Messtechnik-Bereich aber Wachstumspotenzial. "Durch Zukäufe, wie etwa die Übernahme der GOM, sind wir sehr gut vorbereitet." Das Mikroskopie-Geschäft entwickelte sich leicht rückläufig. Forscher nutzen Mikroskope von Zeiss, um das Coronavirus und seine Verbreitungsmechanismen zu erforschen. Im zurückliegenden Geschäftsjahr sank der Umsatz der Sparte um sechs Prozent auf 1,64 Milliarden Euro.

Die Medizintechnik-Sparte verlor ebenfalls sechs Prozent, da sich viele Kliniken auf die Bewältigung der Covid-Krise konzentrierten, Operationen verschoben und weniger neue Anlagen kauften. Etwas stärker war der Bereich "Consumer Markets" betroffen, zu dem der Aalener Vision-Care-Standort mit mehr als 1000 Mitarbeitern gehört. Der Umsatz sank um neun Prozent auf 1,1 Milliarden.

Für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 ist Lamprecht "verhalten optimistisch". Er geht von einem leichten Umsatzwachstum aus und erwartet eine weltweite Erholung der Märkte, obgleich es Unsicherheiten wegen der Auswirkungen der Pandemie und Risiken im Welthandel gebe.

"Wir sind ein Technologie- und Innovationsunternehmen mit weltweiter Aufstellung und einem guten Portfolio, das von globalen Megatrends wie der Digitalisierung profitiert", so Lamprecht. "Wir werden gestärkt aus der Covid-Krise hervorgehen."

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL