Aalener Firmen entwickeln Mustang-Areal in Künzelsau

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So soll das ehemalige Mustang-Areal in Künzelsau nach Fertigstellung aussehen.
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Immobilien Merz Objektbau und I Live realisieren einen Neubau an traditionsreicher Stelle in Künzelsau – der ursprünglich ganz anders geplant war.

Aalen. Der Jeans-Hersteller Mustang gehört zu den traditionsreichsten Firmen in Künzelsau, allerdings hat das Unternehmen vor drei Jahren seine Zelte in der Stadt abgebrochen und ist nach Schwäbisch Hall umgezogen. Bereits zuvor standen große Teile des Mustangs-Areals leer, wo noch bis in die 1990er-Jahre hinein produziert wurde. Das Gelände im Herzen der Stadt wird nun von zwei Aalener Firmen entwickelt. Die Merz Objektbau hat das Grundstück erworben und realisiert mit der I-Live-Projekt einen Neubau. Nun war Spatenstich für das Projekt.

Auf dem Areal sollen ein Vollsortimenter, ein Fachmarkt sowie Büroräume gebaut werden. Merz Objektbau meldet bereits eine „Vollvermietung“: Fußläufig von Künzelsaus Hauptstraße werden bald ein Edeka und ein Drogeriemarkt von dm eröffnen. Ergänzt wird das Konzept durch einen behördlichen Mieter: Auf 2000 Quadratmeter eröffnet nach Fertigstellung das Jobcenter. Für Bürgermeister Stefan Neumann ist das Projekt ein „Riesengewinn für die Stadt“, wie er laut SWR beim Spatenstich erklärte. Die große Fläche des ehemaligen Mustang-Areals könne ganz neu genutzt werden.

Ursprünglich sollten auf dem Areal neben dem Einzelhandel rund 140 Appartements und unter anderem ein siebenstöckiges Gebäude erstellt werden. So sahen es die Pläne der Aalener I-Live-Gruppe zunächst vor. Auch Bürgermeister Neumann hatte diese Lösung favorisiert. Der Gemeinderat sprach sich 2019 allerdings gegen das Projekt aus, laut Heilbronner Stimme vor allem wegen der Gebäude-Höhe sowie zu wenigen Parkplätzen und nicht wegen des dahinterstehenden Konzepts. Daraufhin wurde dieses geändert – auch mit Hinblick auf die Corona-Pandemie, die die Planungen für die Projektentwickler schwieriger machten. Stattdessen wird nun das Job-Center auf das Areal ziehen und knapp 2000 Quadratmeter belegen.

Wie Merz Objektbau mitteilt, werde das Gebäude im Standard eines KfW-Effizienzgebäudes 40 errichtet. Man lege besonderes Augenmerk auf die Energieeffizienz, sowohl in der Gebäudehülle als auch in der Anlagentechnik. Auf den beiden Gebäudeteilen werden so zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen mit einer maximalen Leistung von rund 188 kWp installiert. Der eigenproduzierte Strom soll zu wesentlichen Teilen direkt durch die Märkte verbraucht werden. Für die Beheizung und Kühlung des Neubaus werde auf eine effiziente Wärmepumpentechnik gesetzt: Wärmerückgewinnung aus der Gewerbekälte zur Heizungsunterstützung der Räume. Geplant ist die Fertigstellung für Anfang des dritten Quartals 2023.

Europas erste Jeans

Ohne diesen Deal hätte es nie eine Mustang-Jeans in Deutschland gegeben: 1948 beschließt Albert Sefranek, dessen Schwiegervater die L. Hermann Kleiderfabrik in Künzelsau gegründet hatte, einen Handel mit einem amerikanischen GI: Er tauscht sechs Flaschen Hohenloher Schnaps gegen sechs, damals „Amihosen“ genannte Jeans und entwickelt anhand dieser Vorlagen für die ersten europäischen Jeans überhaupt. Sefraneks Schwiegermutter ist ob des engen Schnitts entsetzt und weigert sich zunächst, diese zu produzieren. Doch die Jeans ist nicht mehr aufzuhalten.

Bereits fünf Jahre später bringt Sefranek eine Damenjeans auf den Markt, 1958 wird der Markenname Mustang eingetragen. Eine Jeans kostet damals um die 20 Mark. Die Erfolgsgeschichte beginnt, das Unternehmen, später geführt von Heiner Sefranek, erwirbt mehrere Lizenzen für berühmte Modemarken. In den 1980er-Jahren expandiert man mit Tochterfirmen ins europäische Ausland. Zeitweise beschäftigt die Firma in 24 Ländern 2000 Menschen in Tochtergesellschaften. Dann kommt die Jeanskrise.

Ende der 1990er-Jahre sinkt die Nachfrage nach Jeans, die Preiskämpfe der Hersteller nehmen zu, Mustang schließt als Reaktion die Produktion in Künzelsau, zudem gibt es einen Stellenabbau. In den 2000er-Jahren wird auch die Fertigung im Ausland eingestellt und an Fremdfirmen vergeben. 2012 wird das Unternehmen dann an eine Investorengruppe um Dietmar Axt verkauft. Unter dessen Nachfolger Andreas Baur verlegt Mustang schließlich auch seinen Stammsitz von Künzelsau nach Schwäbisch Hall.

Spatenstich für das Projekt in Künzelsau

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