Aktien und Immobilien sind der Renner

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Johannes Kube (links) und Rudi Maurer von der Commerzbank.
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Dank eines Aktien- und Immobilienbooms in der Region hat die Commerzbank in Ostwürttemberg ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 abgeschlossen.

Aalen

Trotz des durchaus umfassenden Umbaus der Commerzbank samt Filialschließungen und Stellenabbau im vergangenen Jahr bilanziert das Institut in der Region Ostwürttemberg „ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2021“, wie Johannes Kube, Niederlassungsleiter Privat- und Unternehmerkunden in Ostwürttemberg und Heilbronn, bei der Vorlage der Jahreszahlen erklärt. Die Commerzbank profitiert hier von zwei Entwicklungen: Die Nachfrage nach Baufinanzierungen boomt ebenso wie jene nach Wertpapieranlagen.

So stieg das Aktiendepotvolumen 2021 in Ostwürttemberg um 13,1 Prozent auf 353 Millionen Euro, in der gesamten Niederlassung, die bis nach Heilbronn reicht, um 11,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Besonders Wertpapiersparpläne waren beliebt: Ihre Zahl wuchs um 20 Prozent. „Unsere Kunden trauen sich zunehmend an das Thema Geldanlage heran“, sagt Kube. Diese Entwicklung sei angesichts des fortwährenden Niedrigzinsumfelds sowie der sich weiter verschärfenden Inflation auch notwendig, um Vermögen zu sichern. Kube: „Wer sein Geld unverzinst auf dem Girokonto liegen lässt, verliert noch mehr Vermögen als in den vergangenen Jahren.“ Das gelte trotz Schwankungen an den Börsen wie aktuell in Folge des Ukraine-Kriegs.

Neben Aktien waren auch Baufinanzierungen gefragt. In Ostwürttemberg haben Kunden bei der Commerzbank 2021 neue Baufinanzierungen in Höhe von 68 Millionen Euro abgeschlossen, 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Gesamtvolumen an Baufinanzierungen stieg in der Region auf insgesamt 330 Millionen Euro (Niederlassungsgebiet: 958 Mio. Euro). „Bei Bau oder Renovierung achten immer mehr Kunden auf Nachhaltigkeit“, führt Kube aus. Inzwischen sei bereits mehr als jeder vierte Neuabschluss eine „grüne Baufinanzierung“ – die sich auch für die Kunden rechne, denn für besonders energieeffiziente Vorhaben gewährt die Commerzbank einen Zinsrabatt.

Rudi Maurer, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft in der Niederlassung Ostwürttemberg und Heilbronn, berichtet von einer im Jahr 2021 gestiegenen Investitionstätigkeit der Firmen, was sich im Kreditgeschäft widerspiegelt. Trotz Lieferproblemen und steigender Rohstoffpreise seien die meisten Firmen „gut durch die Krise gekommen“, so Maurer, „und sie  investieren auch wieder, insbesondere in Betriebsmittel wie Maschinen oder Lagerhallen.“ Allerdings seien 80 Prozent der Firmen direkt oder indirekt von Lieferkettenproblemen betroffen gewesen. Während besonders der Einzelhandel und die Gastronomie unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten hätten, sei die Industrie fast unbeschadet durch diese Zeit gekommen.

Bei Unternehmerkunden bis 15 Millionen Euro Jahresumsatz lag das Kreditvolumen in Ostwürttemberg bei 106 Millionen Euro (+14,7 Prozent). Im Geschäft mit Firmenkunden in der Region, also den größeren mittelständischen Unternehmen, betrug das Kreditvolumen 518 Millionen Euro (+3,6 Prozent). Der Ukraine-Krieg wirkt sich dabei zwar bislang nur auf wenige Kunden aus – ein Unternehmen in der Region habe zuletzt etwa die Investitionen in einen neuen Standort in Russland zurückgestellt – doch die Ökonomen der Commerzbank rechnen als Folge mit einem langsameren Wachstum der deutschen Wirtschaft. Auch die Inflationsprognosen für 2022 von zuletzt knapp unter 5 Prozent ist nicht mehr realistisch. Wegen der Preissteigerungen bei Rohstoffen wie Gas, Rohöl und Weizen rechnet die Bank mit einer Inflationsrate von durchschnittlich 6,5 Prozent.

Die Corona-Pandemie führte auch bei der Commerzbank zu einer deutlichen Dynamisierung der Digitalisierung, was sich in der gestiegenen Nutzung der Online-Angebote der Bank niederschlägt. Deutschlandweit nutzen mehr als 1,8 Millionen Kunden der Commerzbank deren  Banking-App, so viele wie noch nie. In Ostwürttemberg stieg die Zahl der Banking-App-Nutzer 2021 um 11,2 Prozent. „Das Smartphone ist längst zur Bank in der Hosentasche geworden“, sagt Kube.

An der Filiale als „Fels in der Brandung“ will die Commerzbank laut Kube dennoch festhalten. Es sei „unwahrscheinlich bis undenkbar“, komplett auf physische Niederlassungen zu verzichten. Gerade wenn es „um große Lebensfragen wie die Finanzierung der Immobilie“ gehe, sei der persönliche Kontakt den Kunden sehr wichtig.

Im vergangenen Jahr straffte die Commerzbank ihr Filialnetz dennoch deutlich, in ganz Deutschland ist die Zielmarke von noch 450 Niederlassungen definiert. In der Region fiel dem Sparplan die Filiale in Heidenheim zum Opfer. Die Commerzbank ist in der Region nun noch in Schwäbisch Gmünd und Aalen (sowie Nördlingen) mit einer Filiale vertreten. Die Zahl der Mitarbeiter an den hiesigen Standorten sank im vergangenen Jahr von 50 auf 44, allerdings prozentual weniger stark als im Gesamtkonzern. In ganz Deutschland soll die Zahl der Mitarbeitenden bis zum Jahr 2024 um 10 000 sinken. 2020 beschäftigte die Bank insgesamt noch rund 48 000 Menschen.

 

Bei Bau oder Renovierung achten immer mehr Kunden auf Nachhaltigkeit."

Johannes Kube, Commerzbank

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