Amazon: Von Giengen auf die letzte Meile

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Amazon-Verteilzentrum in Giengen: Standortleiter Marcel Peschke.
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Onlinehandel: Das Verteilzentrum der Amazon-Logistiktochter im Industriepark an der A7 ist in Betrieb gegangen. 120 Beschäftigte sortieren die Päckchen, regionale Dienstleister liefern sie in die Haushalte.

Giengen

Von Giengen aus auf die letzte Meile: Seit Ende Juni ist das neue Amazon-Verteilzentrum im Industriepark an der A7-Ausfahrt in Betrieb. Die Fahrerinnen und Fahrer von acht regionalen Dienstleistern holen hier die Päckchen des Online-Versandhändlers ab und stellen sie in einem Gebiet zu, das von Kirchberg/Jagst im Norden bis kurz vor Ulm im Süden und Backnang im Westen bis Dillingen im Osten reicht.

Bis zu 200 Fahrzeuge laden hier täglich auf, was die Beschäftigten von Amazon Logistics in den Hallen vorher in Taschen gepackt und auf Rollwagen zusammengestellt haben. Dabei folgen sie einem ausgeklügelten, computergesteuerten System, wie Standortleiter Marcel Peschke Pressevertretern erklärt hat: Sie befüllen die 2498 verschiedenfarbigen Taschen, die auf 104 Regalen in der riesigen Logistikhalle lagern, genau in der richtigen Reihenfolge für die Zusteller. Diese wiederum erhalten genauso viele Taschen, wie sie in einer 8-Stunden-Schicht ausliefern können. „Über 90 Prozent beenden die Tour vorzeitig“, betont Amazon-Sprecher Steffen Adler. Sollte es doch einmal klemmen – etwa, weil ein Stau dazwischenkommt – können „Springer“ unterstützend eingreifen, um Bücher, Spielzeug, Haushaltsgeräte und Co. rechtzeitig zu den Kunden zu bringen.

Die Päckchen, die Lkw frühmorgens in Giengen anliefern, haben bereits einiges an Weg hinter sich. In Logistikzentren wie in Pforzheim kommissionieren und verpacken die Amazon-Beschäftigten die Ware zunächst. Manchmal machen die Päckchen Station in einem Sortierzentrum, dann geht es in das 5400 Quadratmeter große Zentrum im Industriepark Giengen. Betreiber des Verteilzentrums für die sogenannte letzte Meile ist Amazon Logistics, der hauseigene Lieferdienst des Onlinekonzerns. Nur die Päckchen, die Amazon Logistics selbst zustellen lässt, landen hier. Was Amazon über andere Logistikkonzerne wie etwa DHL versendet, läuft dagegen über deren eigene Verteilerzentren. Die Arbeitswoche beginnt hier montags um 2 Uhr früh und endet samstags um 22.30 Uhr.

Einige der acht externen Logistik-Dienstleister, die mit Amazon zusammenarbeiten, haben ihre Sprinter mit dem Amazon-Schriftzug versehen lassen. Zig Fahrerinnen und Fahrer warten mit ihren Lieferwagen geduldig in zwei Autoschlangen, bis sie an der Reihe sind. Dann geht es schnell: Den zugewiesenen Stellplatz ansteuern, die fertig bepackten Wagen aus der Halle rollen, die Taschen einladen – und in der Kolonne vom Werksgelände fahren. Dieses Prozedere wiederholt sich jeden Vormittag sechsmal im 20-Minuten-Rhythmus. Für viele Fahrerinnen und Fahrer geht es direkt auf die Autobahn.

Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle ist zufrieden. Die Zusammenarbeit mit Amazon sei „angenehm“, die Ansiedlung des Onlinekonzerns sei wichtig für das „konsequent zukunftsorientierte Gewerbegebiet“ an der A 7. Seit März 2018 hat die Stadt das 40 Hektar große Gebiet entwickelt. Nun ist es laut Henle zu 99,2 Prozent verkauft. Um die ehemals landwirtschaftliche Fläche in einen Logistik- und Gewerbepark umzuwandeln, sei ein Abwägungsprozess mit vielen Beteiligungsrunden nötig gewesen. Für den Industriepark habe die Lage direkt an der Autobahnausfahrt gesprochen: „Es gab keine Zerschneidungseffekte in der Innenstadt“, so der OB. Zudem seien optimierte Straßenanbindungen und zwei ÖPNV-Haltestellen geschaffen werden. Im Industriepark selbst entstehen drei Parkhäuser – und, wie Henle betont: rund 1000 Arbeitsplätze.

Davon sorgt Amazon für 120 Voll- und Teilzeitstellen. Zähle man die Auslieferer dazu, so Henle, seien es nochmals 100 Arbeitsplätze. Weitere Ansiedlungen sind bereits fix, wie Henle stolz verkündet. Ein „renommierter Automobilhersteller“ werde sein Distributionszentrum hier anesiedeln, Unternehmen wie die Würth-Gruppe, der Baustoffspezialist Wölpert, Liepert Blitzschutz, ein „produzierendes Unternehmen für nachhaltiges Bauen“ sowie „ein Unternehmen im Bereich Energieversorgung“ kündigt Henle ebenfalls an.

Amazon betreibt neun Logistikstandorte in Baden-Württemberg, davon zwei Logistikzentren in Pforzheim und  an der A7-Ausfahrt Heidenheim. Letzteres, im Industriegebiet Rinderberg gelegen, ist auf Großgeräte wie etwa Kühlschränke oder Möbel ausgelegt. Verteilzentren wie in Giengen gibt es auch in Mannheim, Freiburg, Meßkirch, Korntal-Münchingen, Sindelfingen und Neuenburg am Rhein. Amazon wirbt in Giengen mit einem Einstiegslohn von 14,03 brutto pro Stunde und zahlreichen Programmen für die Beschäftigten. Auch bei den Lieferunternehmen werde auf faire Bedingungen geachtet.

Wartende Lieferwagen vor dem Amazon-Verteilzentrum in Giengen.
Amazon-Verteilzentrum in Giengen.
Amazon-Verteilzentrum in Giengen: Standortleiter Marcel Peschke mit Giengens OB Dieter Henle (rechts).
Amazon-Verteilzentrum in Giengen.
Mitarbeiterin im Amazon-Verteilzentrum in Giengen.
Das Amazon-Verteilzentrum in Giengen.
Amazon-Verteilzentrum in Giengen: Standortleiter Marcel Peschke.
Amazon-Verteilzentrum in Giengen.

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