Ausbildung: „Die Betriebe suchen händeringend“

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Immer wenige junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung. Das ist ein Problem für viele Betriebe, die auf Fachkräfte angewiesen sind.
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Die Zahl der Lehrstellen sinkt, die der Bewerbenden aber auch. Die Folge: Zahlreiche Ausbildungsstellen sind unbesetzt.  Zeit für einen Appell von Claudia Prusik.

Aalen

Claudia Prusik richtet einen Appell an Jugendliche und ihre Eltern: „Es ist nicht zu spät, auch jetzt noch eine Ausbildung zu beginnen“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Aalen. „Wer jetzt noch eine Ausbildungsstelle sucht, hat gute Chancen.“ Viele Betriebe würden noch nach Auszubildenden suchen. Im Ostalbkreis sind laut Zahlen der Agentur derzeit 294 Stellen unbesetzt, in Heidenheim sind es 121, erklärt Prusik, die die Pressekonferenz zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt dazu nutzt, eine Lanze für die klassische duale Berufsausbildung zu brechen – auch wenn immer weniger Jugendliche diesen Weg gehen.

Die Statistik. Die Zahlen sind eindeutig. Zwar ist die Zahl der insgesamt bei der Agentur gemeldeten Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent gesunken, gleichzeitig ging auch die Zahl der Bewerbenden um 2,1 Prozent zurück. Heißt: 3407 Ausbildungsstellen stehen 2395 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. Am Stichtag 30. September blieben regionsweit 415 Stellen unbesetzt. Gerade mal 21 Bewerbende haben trotz Suche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Im Raum Aalen kommen auf einen Bewerbenden 2,2 offene Stellen, in Ellwangen 1,6, in Bopfingen 1,3, in Heidenheim 1,2 und in Schwäbisch Gmünd 1,0. „Das ist eigentlich eine super Situation für die Bewerber, aber ein Problem für die Betriebe“, sagt Prusik. Denn: „In der Region wollen viele Unternehmen mit der Ausbildung die Fachkräfte von morgen rekrutieren“, wie Sascha Kurz von der IHK Ostwürttemberg erklärt.

Der Mangel. Vor allem im Einzelhandel, der Hotellerie und Gastronomie sowie in den Handwerksberufen der Metzger, Bäcker und Friseure ist der Bedarf an Auszubildenden groß. Auch im Bereich Tiefbau kommen auf 1 Bewerbenden 6 freie Stellen. Das Handwerk leidet ebenfalls an einem Mangel an jungen Menschen, zumal die Zahl der freien Ausbildungsstellen in der Region Ostwürttemberg in diesem Bereich (im Gegensatz zum übrigen Kammergebiet zwischen Alb und Bodensee) im Vorjahresvergleich gestiegen ist, wie Bastian Störk von der Handwerkskammer Ulm berichtet. Im Ostalbkreis seien aktuell 94 Ausbildungsstellen im Handwerk frei, im Landkreis Heidenheim 22. „Ein umgekehrter Markt“, sagt Störk.

Die Gründe. „Viele Jugendliche schieben die Entscheidung über eine Ausbildung hinaus und gehen den Weg lieber über eine weitere Schule. Das ist schade“, sagt Prusik, die die Unsicherheit auch auf die angespannte (welt-)politische Lage mit all ihren Krisen zurückführt. Höhere Abschlüsse ließen sich aber auch an den Berufsschulen machen. „Ausbildung ergibt Sinn. Die Betriebe suchen händeringend nach Bewerbenden“, betont sie.

Nicht nur an die weiterführenden Schulen verlieren die Betriebe potenzielle Fachkräfte, sondern auch an die ungelernte Erwerbstätigkeit: Von den 2395 Bewerbenden in diesem Jahr entschieden sich 218 für den Berufsstart ohne Ausbildung. Für Prusik keine gute Entwicklung und keine gute Entscheidung. „Eine Ausbildung sollte immer vor der Erwerbstätigkeit stehen“, erklärt sie. Ansonsten drohten die Ungelernten auf einem immer dynamischeren und anspruchsvollen Arbeitsmarkt den Anschluss zu verlieren.

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