WAC: Der Verantwortung bewusst

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Herbert Fischer

Rückblick und Ausblick mit Aktienexperte Herbert Fischer, der sein Amt als WAC-Vorstand zum Ende des Jahres abgibt. Von Matthias und Wilfried Kapfer

AalenHerbert Fischer, langjähriger Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs (WAC), gibt sein Amt zum 31. Dezember dieses Jahres auf. Im Interview blickt er auf das Börsenjahr 2022, aber auch seine langjährige Tätigkeit zurück.

Herr Fischer, mehr als 30 Jahre haben Sie den WasseralfingerAktienclub begleitet und maßgeblich zu seiner positiven Entwicklung beigetragen. Nach all diesen Jahren mit vielen Hochs aber auch einigen Tiefs - würden Sie es wieder tun?

Herbert Fischer: Wenn ich die Lebensuhr 20 bis 30 Jahre zurückdrehen könnte, dann gerne.

Noch heute denken viele Deutsche beim Wort „Aktie“ an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende sowie die Lehman-Pleite im Jahr 2008 und deren negative Auswirkungen für die Anleger. Wie haben sie diese beiden großen Krisen erlebt?

In den Jahren 1997 und 1998 hatten wir pro Jahr einen Kursgewinn von 26,5 Prozent, im Jahr 1999 lag der Kursgewinn bei 49,98 Prozent, das war die Spitze der Übertreibung im Neuen Markt. Bitter war es für Anleger, die noch im 1. Quartal 2000 eingestiegen sind. Dann ging es drei Jahre mit den Kursen abwärts. 2003 verzeichneten wir wieder einen Kursgewinn von 26,6 Prozent. Die Finanzkrise 2008 verursachte erneut einen deutlichen Kursverlust. Dieser konnte durch den Kursanstieg der beiden Folgejahre überproportional ausgeglichen werden.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich viel auf dem Finanzmarkt getan – dass der größte Teil des Börsengeschehens gar nicht mehr dort stattfindet, wissen die Wenigsten. Tatsächlich hat das vollelektronische Handelssystem Xetra den maklergestützten Aktienhandel auf dem Parkett in einigen Bereichen immer weiter ersetzt. Heimische Aktien und börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, werden vorwiegend auf Xetra gehandelt. Trotz aller Veränderungen, auf welche Konstante ist auf dem Finanzmarkt Verlass?

Das Börsengeschehen per Zuruf gehört der Vergangenheit an. Die Digitalisierung des Börsenhandels hat auch dem Kapitalanleger viele Vorteile gebracht. Schnelle Informationen über die Kursentwicklung in Zahlenform, aber auch grafische Darstellungen („Charts“), erleichtern die Orientierung. Die Kursentwicklung einzelner Aktien kann jederzeit am PC, Laptop, IPad und Smartphone in Echtzeit verfolgt werden. Der Anleger muss nicht zwingend zur Bank gehen, kann über einen Online-Broker Käufe und Verkäufe ordern. In Deutschland ist Xetra die Leitbörse. Im Online-Handel kann auch der Direkthandel ohne Gebühren genutzt werden. Die aktuellen Aktienkurse variieren etwas an den Börsenplätzen, ebenso die Gebühren.

Newcomer auf dem Finanzmarkt waren auch die Persönlichkeiten rund um die Kryptobörse FTX, welche mit einem lauten Knall durch angebliche Löcher in der Bilanz in die Insolvenz gerutscht ist. Einige Finanzexperten sehen dies als weitere Bestätigung an, dass die Kryptowährungs-Blase demnächst ganz platzen wird. Wie sehen Sie die Ereignisse rund um FTX, Bitcoin & Co.?

Wir beim WAC haben ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein für die uns anvertrauten Gelder. Wir meiden in der Anlagepolitik Risikopapiere wie Optionsscheine und Optionen. Dazu gehören auch Kryptowährungen. Deshalb beeinflusst und berührt uns diese Problematik nicht. 

Zuletzt haben vor allem die Energiepreisexplosion, Inflationssorgen und vor allem Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine die Kurse gedrückt. Müssen sich die Anleger auf einen harten Winter an den Börsen einstellen?

Der Kursrückgang durch den Krieg in Europa ist etwas moderater, im Vergleich zum Kursrückgang 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie. Die damalige Hoffnung auf eine schnelle Lösung führte zu einer deutlichen Kurserholung in 2021. Diesmal fehlt allerdings die Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende. Wir meinen aber, dass die Wirtschaftsstörungen durch den Krieg in den Kursen weitgehend eingepreist sind. Für mutige Anleger bereits ein Anlass mit gebührender Vorsicht einzusteigen oder nachzukaufen 

Wie immer zum Jahresende an Sie die Frage: Wo sehen Sie den DAX zum 31. Dezember?

An eine deutliche Jahresendrallye glaube ich nicht. Ich sehe den DAX zum Jahresende im Bereich zwischen 14.600 und 14.800 Punkten.

Herbert Fischer

Herbert Fischer, langjähriger Vorstand des WasseralfingerAktienclubs (WAC), gibt sein Amt zum 31. Dezember dieses Jahres auf. Im Rahmen der diesjährigen Hauptversammlung wurde der renommierte Aktienexperte, der den Verein vor 30 Jahren mit aus der Taufe gehoben hat, in den Ruhestand verabschiedet. Fischer, der am 15. Oktober 1936 in Bad Wurzelsdorf nahe Gablonz im Sudetenland/heutiges Tschechien geboren wurde, war von 1967 bis 2000 als Konstrukteur, Vertriebsleiter und später als Prokurist bei der Alfing Kessler Sondermaschinen GmbH (AKS) in Wasseralfingen tätig. Seit der Gründung 1992 war Fischer an der Spitze des WAC tätig, wo er die Mitgliedsnummer 2 trägt. 

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