AOK befürchtet finanzielle Belastung

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Auch die Kosten für Covid-Impfungen werden wohl bald auf die AOK zukommen.
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Die größte gesetzliche Kasse der Ostalb kann ihre Versichertenzahl weiter steigern. Der geplante Regionalausgleich verursacht Sorgenfalten bei den Verantwortlichen.

Schwäbisch Gmünd

Insgesamt 173 337 Personen in Ostwürttemberg waren zu Jahresbeginn bei der AOK versichert: Das sind 2959 beziehungsweise 1,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das teilte der Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg, Hans-Joachim Seuferlein, bei der Vorstellung des aktuellen Unternehmensberichts mit. Für das kommende Jahr rechnet die größte gesetzliche Kasse in der Region aufgrund neuer politischer Vorgaben mit starken finanziellen Belastungen. Auf die Versicherten könnte ein höherer Zusatzbeitrag zukommen.

Das Jahr 2019 konnte die AOK Baden-Württemberg mit einer schwarzen Null abschließen. Sorgenfalten treibt den AOK-Verantwortlichen die anvisierte Reform der Krankenkassen-Finanzierung ins Gesicht. Um 16,6 Milliarden Euro sollen die Gesundheitskosten in Deutschland im kommenden Jahr voraussichtlich steigen. Davon entfalle ein Drittel auf Mehraufwendungen durch die Corona-Pandemie. "Wir gehen davon aus, dass ein Impfstoff teuer wird", so Seuferlein. Hauptsächlich seien es aber Zusatzkosten durch neue gesetzliche Vorgaben, etwa im Klink- und Pflegebereich.

Zuweisungen an die Kassen aus dem Gesundheitsfonds sollen künftig nach einer Regionalkomponente geregelt werden: Wo die Gesundheitskosten höher liegen, fließen künftig mehr Mittel hin. Für die AOK Baden-Württemberg bedeute das 272 Millionen weniger an Zuweisungen. "Alleine im Bereich der Sterbekosten erhält die AOK Baden-Württemberg jährlich 123 Millionen Euro weniger Zuweisungen", kritisiert Seuferlein. Er sieht hier ein Ungleichgewicht: Die gute ambulante palliative Versorgung auf dem Land in Baden-Württemberg werde nicht gewürdigt, während Ballungsräume wie in Nordrhein-Westfalen, wo überdurchschnittlich viele Menschen in Kliniken sterben, profitierten.

Weiterer Kritikpunkt ist die angedachte Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge bei 40 Prozent und ihre Gegenfinanzierung: Dafür sollen finanzstärkere Kassen einen Teil ihrer Reserven abgeben. Die AOK Baden-Württemberg müsse daher weitere 600 Millionen Euro an den Gesundheitsfonds zurücküberweisen. Seuferlein fordert stattdessen einen höheren Bundeszuschuss aus Steuermitteln für gesamtgesellschaftliche Aufgaben der Krankenkassen. Zusätzlich zum einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 14,6 Prozent erhebt die AOK Baden-Württemberg derzeit 0,9 Prozent Zusatzbeitrag. Über eine mögliche Erhöhung entscheidet der Verwaltungsrat im Dezember. Das Bundesgesundheitsministerium hat für 2021 als unverbindliche Empfehlung bereits einen um 0,2 Prozent gestiegenen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz herausgegeben.

Haus- und Facharztprogramm wird angenommen

Wir gehen davon aus, dass ein Impfstoff teuer wird.

Hans-Joachim Seuferlein AOK Ostwürttemberg

Die hohe Attraktivität für die Versicherten führt der AOK-Chef auf Versorgungsqualität, Kundennähe und Vorsorge zurück. Die Krankenkasse betreibt Service-Center in Schwäbisch Gmünd, Aalen, Heubach, Ellwangen, Bopfingen und Neresheim. Das Haus- und Facharztprogramm der AOK mit dem Hausarzt als zentralem Ansprechpartner und der Einbeziehung von Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis sowie Entlastungsassistentinnen in der Facharztpraxis sieht er als Erfolg: Unter anderem könnten damit die Krankenhausaufenthalte und die unkoordinierten Facharztkontakte reduziert werden.

In Ostwürttemberg nehmen 161 von 245 Haus- und Kinderärzten an dem Programm teil, davon 71 im Raum Aalen und 45 im Raum Schwäbisch Gmünd. Fachärzte sind aus den Bereichen Kardiologie (12), Orthopädie (20), Gastroenterologie (8), Psychiatrie/Neurologie/Psychotherapie (39), Urologie (5), Diabetologie (4) sowie Nephrologie (1) beteiligt. 64 530 Versicherte haben sich für das Programm angemeldet.

Großen Wert legt die AOK auf Präventionsprogramme: 2019 wurden zahlreiche Projekte von Kindergärten, Schulen, Vereinen und Hilfseinrichtungen unterstützt. Zusätzlich wird Betriebliches Gesundheitsmanagement angeboten.

Die Wirtschaftsbetriebe in der Region unterstützte die AOK auch in der Coronakrise: 607 Firmen in Ostwürttemberg erhielten die Möglichkeit, ihre Kassenbeiträge in Höhe von insgesamt 14,2 Millionen Euro zu stunden.

An die Kliniken Ostalb überwies die AOK 2019 rund 66,7 Millionen Euro, an das SRH-Fachkrankenhaus Neresheim 3,9 Millionen Euro. Die geplante Schwerpunktsetzung innerhalb der drei Ostalb-Kliniken sieht Seuferlein als "den richtigen Weg". Gleichzeitig gelte es, dem Ärztemangel im ländlichen Raum, beispielsweise mit lokalen Gesundheitszentren, entgegenzuwirken.

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