Arbeitsmarkt im Ostalbkreis: Flaute fällt aus

+
Es gibt noch immer über 3000 freie Stellen in der Region, die meisten davon kommen aus dem Bereich der Metallverarbeitung.
  • schließen

Trotz Sommer und Ferienzeit steigt die Zahl der Arbeitslosen nur leicht an. Weniger Betriebe sind in Kurzarbeit – dafür gibt es fast 1000 noch offene Ausbildungsstellen.

Aalen. Der Sommer und die Ferienzeit haben zwar in Baden-Württemberg und auch in der Region Ostwürttemberg zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen geführt. Allerdings fällt das Wachstum geringer aus als sonst üblich – ein Hinweis auf den robusten Zustand des Arbeitsmarkts. Während im Südwesten die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent steigt, liegt Ostwürttemberg mit 3,7 Prozent darunter. Auch hier konstatiert die Arbeitsagentur ein Plus von 0,1 Prozentpunkte.

Im August ist die Zahl der Arbeitslosen in der Region um 322 Menschen angestiegen. Damit waren insgesamt 9387 Personen in Ostwürttemberg ohne Beschäftigung. „Für einen August ist das keine ungewöhnliche Entwicklung. Bedingt durch die Urlaubszeit werden in den Sommermonaten weniger neue Arbeitsverhältnisse begründet und auch die endenden Ausbildungsverhältnisse münden leider nicht immer nahtlos in eine Beschäftigung“, erklärt Claudia Prusik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur in Aalen. Ein gutes Zeichen wiederum: Der Anstieg von Juli auf August war so niedrig wie zuletzt vor zehn Jahren. „Es freut mich, dass wir weiterhin so stabil durch die stürmischen Zeiten dieser Pandemie fahren“, sagt Prusik. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit noch deutlich höher, nämlich bei 4,6 Prozent.

Große Unterschiede. In der Region gibt es weiter große Unterschiede. Während im Landkreis Heidenheim die Quote im August mit 4,3 Prozent über dem Landesschnitt liegt, notiert sie im Ostalbkreis mit 3,4 Prozent deutlich darunter. Die Zahl der Arbeitslosen ist jedoch kein fester Block, sondern ist von Monat zu Monat kräftig in Bewegung. In der Region meldeten sich im August 2291 Menschen arbeitslos, 1969 beendeten die Arbeitslosigkeit.

Mehr als 3000 offene Stellen. Viele Unternehmen in der Region sind weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Die Zahl der offenen Stellen steigt im August auf 3225. Allein im vergangenen Monat meldeten die Firmen der Arbeitsagentur 835 neue offene Stellen, das sind 41 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die meisten Stellen kommen laut Agentur aus dem Bereich der Metallverarbeitung, dem Lagerbereich und dem Verkauf. Mehr als 70 Prozent der gemeldeten Stellen sind für Fachkräfte und Akademiker.

Kurzarbeit geht weiter zurück. Sie war das Instrument, mit dem viele Unternehmen einen größeren Stellenabbau im vergangenen Jahr vermieden hatten: die Kurzarbeit. Die Zahl der Unternehmen, die auf die Maßnahme setzen, ist seit Jahresbeginn gesunken. Im August haben in Ostwürttemberg 17 Betriebe für 148 Beschäftigte Kurzarbeit geplant. Das ist deutlich weniger als zu Jahresbeginn.

Wie viele Betriebe tatsächlich auf Kurzarbeit setzen, lässt sich aufgrund der vielen Fristen und Abrechnungen erst Monate später konkret sagen. Die Arbeitsagentur veröffentlicht nun die Zahlen für den Februar 2021: In diesem Monat befanden sich rund 2000 Betriebe und rund 15 000 Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf das verarbeitende Gewerbe, vor allem der Metall- und Elektroindustrie, den Einzelhandel und das Gastgewerbe.

Fast 1000 freie Ausbildungsstellen. Viele Unternehmen und Betriebe in der Region sind weiterhin auf der Suche nach Nachwuchs: Im August waren noch 982 Ausbildungsstellen verteilt auf alle Wirtschaftszweige unbesetzt - und das, obwohl das Ausbildungsjahr am 1. September beginnt. „Für all‘ diejenigen, die noch auf der Suche sind - eine Bewerbung lohnt sich definitiv auch jetzt noch!“, appelliert Prusik..

Keine Zeit für Euphorie. Prusik warnt trotz der erfreulichen Zahlen im August vor zu viel Optimismus: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir mitten in einem enormen Veränderungsprozess der Arbeitswelt stecken. Wir müssen weiterhin fokussiert die Herausforderungen des Strukturwandels in unserer Region gemeinsam angehen“, so die Chefin der Aalener Arbeitsagentur, die zum 1. August auf Elmar Zillert folgte, der in den Ruhestand gegangen ist. Dazu brauche es die Bereitschaft der Beschäftigten und Arbeitslosen zum lebenslangen Lernen.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare