Automotive Forum: Chefs lassen sich in Karten blicken

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Beim Automotive Forum von TA, WiRO und Wirtschaft Regional bieten Unternehmenslenker offene Einblicke und pfiffige Ideen zur Elektromobilität.

Schwäbisch Gmünd

Das Auto der Zukunft entsteht maßgeblich in Ostwürttemberg. Das wurde beim Automotive Forum von Technischer Akademie (TA), WiRO und Wirtschaft Regional am Montag deutlich. In der Gmünder Wissenswerkstatt Eule nahmen hochkarätige Referenten aus heimischer Wirtschaft und Forschung die Angst vor dem großen Strukturwandel in der Autoindustrie. Unter dem Motto „Transformation jetzt“ forderten sie auf: Nicht zögern, anpacken.

WiRO-Geschäftsführerin Nadine Kaiser und der Geschäftsführer der TA Schwäbisch Gmünd, Michael Nanz, begrüßten die rund 80 Gäste. Als Moderator führte Lars Reckermann, Chefredakteur der Wirtschaft Regional, durch das Programm. In Grußworten verwiesen Gmünds OB Richard Arnold und Landrat Dr. Joachim Bläse auf die starke Rolle der regionalen Unternehmen beim Wandel, den die Schlagworte Digitalisierung, demografischer Wandel und Nachhaltigkeit charakterisieren. Zur Automobilität der Zukunft sagte Bläse: „Die kommunale Hand kann viel begleiten, aber die Begeisterung muss aus den Unternehmen kommen.“

Als hätte sie diese Rede vorher gekannt, nannte Dr. Gerta Marliani mit ihren Impulsvortrag „Innovation aus Leidenschaft“. Die Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch Automotive Steering lieferte einen bemerkenswert offenen Einblick in den Lenkungshersteller mit Hauptsitz und derzeit noch 3800 Beschäftigten in Gmünd – 3000 sollen es bis zum Jahr 2026 sein. Nach der vollständigen Übernahme des früheren Joint Ventures mit ZF 2015 durch Bosch habe der Konzern mit Rückschlägen, Kundenverlust, Qualitäts- und Kostenproblemen gekämpft. „Wir haben Vertrauen und Know-how verloren“, so Marliani, die anfügte: „Wir haben uns der Aufgabe gestellt, sind Weltmarktführer im Bereich der Lenkung, müssen uns nach vorne orientieren und unsere Kunden begeistern.“ Genauso gelte es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen einer „Family Culture“ zu begeistern. Umstieg auf Elektromobilität und autonomes Fahren seien Chancen für das Unternehmen. Großes Potenzial für Bosch AS sieht sie bei der Elektrifizierung der Nutzfahrzeuglenkung und in der sogenannten Steer-by-Wire-Technologie, bei der das Lenkrad nicht mehr mechanisch, sondern nur noch elektrisch mit dem Lenkgetriebe verbunden ist. Autonomes Fahren, so ihre Einschätzung, wird bei Nutzfahrzeugen, die oft in eingegrenzten Bereichen wie Häfen oder Logistikflächen unterwegs sind, eher ein Thema werden als bei den Pkw.

Hermann Stark ist seit 1995 alleiniger geschäftsführender Gesellschafter bei VAF in Bopfingen. Und er hat den Anlagenbauer für zu einem Global Player und Partner praktisch aller namhaften Autohersteller gemacht. Elf Mitarbeiter waren es 1995, heute sind es 470, in den kommenden zwei bis drei Jahren sollen laut Stark „circa 200“ dazu kommen. Der Unternehmer bemerkt eine „extreme Beschleunigung“ seines Geschäfts. Habe der Kunde früher eine Anlage zur Fertigung eines bestehenden Produktes verlangt, so sei der Anlagenbauer heute selbst an der Entwicklung des Produktes beteiligt. Schnelligkeit und Flexibilität könne VAF mit seinem Team aus Hunderten Konstrukteuren garantieren. Aber die Anforderungen werden immer umfangreicher: „Da sind wir als kleiner Betrieb an allen Ecken und Enden gefordert“, so Stark: etwa bei Prozessentwicklung, Kompetenzaufbau und Produktionsstätten. „Wir haben aktuell vier große Hallen in Planung, wenn wir einen bestimmten Auftrag bekommen, müssen die Hallen im September fertig sein.“

Mit zwei vermeintlichen Selbstverständlichkeiten räumte Dr. Alexander von Niessen, geschäftsführender Gesellschafter des Gmünder Entwicklungs- und Fertigungsspezialisten Hörnlein-Gruppe mit 500 Beschäftigten, auf: Dass in der Autoindustrie immer neue Rohstoffe gebraucht werden, die schließlich auf dem Müll landen. Und, dass die Fertigung von Komponenten immer beim Zulieferer stattfinden muss. Er stellte das Prinzip der Kreislaufwirtschaft vor sowie ein Projekt der Fertigung von Komponenten durch KI-gesteuerte und -überwachte Roboterzellen, die direkt beim Kunden stehen.

Prof. Dr. Harald Riegel, Rektor der Hochschule Aalen, präsentierte die vielfältigen Aktivitäten der drittmittelstarken Forschungs- und Lehreinrichtung mit 6000 Studierenden auf dem Gebiet der Elektromobilität vor. Der Begründer des hochschuleigenen LaserApplikationsZentrums stellte ganz praktisch auch eine Methode vor, die Ladekapazität von Lithium-Ionen-Batterien – dem Treibstoff für die Elektromobilität – per Laser um satte 20 Prozent zu erhöhen.

Mehr zum Automotive Forum in der April-Ausgabe der Wirtschaft Regional und unter www.wirtschaft-regional.de

„Es geht Schlag auf Schlag.“

Hermann Stark, VAF

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