Banken steuern durch die Krise

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Das Vorstandsgremium der Bezirksvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken (von links): Kurt Abele, Jürgen Hornung und Matthias Hillenbrand.
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Die sieben Volks- und Raiffeisenbanken der Ostalb sind bislang ordentlich durch die Coronakrise gekommen. Drohen nun Inflation oder Kreditausfälle?

Ellwangen

Die Corona-Pandemie stellt auch das Bankengeschäft auf den Kopf. Die sieben Volks- und Raiffeisenbanken der Ostalb bleiben da nicht außen vor. Bei der Bilanz der Bezirksvereinigung der Genossenschaftsbanken wurde deutlich: Die Kunden sparen ordentlich Geld, investieren in Betongold, nehmen aber auch Hilfen für Liquidität in Anspruch. Am Geschäft mit den Krediten verdienen die Banken unterdessen immer weniger. In Anbetracht der gewaltigen Umwälzungen sehen die Bankverantwortlichen in 2020 ein gutes Jahr und blicken verhalten optimistisch in die Zukunft.

Genossenschaftsbanken

Abtsgmünder Bank, Bopfinger Bank Sechta-Ries, VR-Bank Ellwangen, Raiffeisenbank Mutlangen, VR-Bank Ostalb, Raiffeisenbank Rosenstein und Raiffeisenbank Westhausen zählen zusammen fast 200 000 Kunden und mehr als 113 000 Genossenschaftsmitglieder. 723 Menschen waren Ende 2020 dort beschäftigt. Das waren 13 mehr als im Jahr zuvor. Allerdings stieg der Anteil der Teilzeitbeschäftigten, sodass die Gesamtzahl der Stellen etwa gleich blieb: Großen Personalzuwachs gibt es im Bankensektor nicht.

Pandemie

"Es war wichtig für uns, dass wir als systemrelevante Branche vom Lockdown nicht in voller Härte betroffen waren und durcharbeiten konnten", sagt Jürgen Hornung, Vorstandschef der VR-Bank Ellwangen und Vorstandsvorsitzender der Bezirksvereinigung. Die große Herausforderung bestand unter anderem darin, die Kunden mit Liquidität zu versorgen, wie sein Stellvertreter Matthias Hillenbrand, Vorstand der Raiffeisenbank Rosenstein, betont: Insgesamt wurden bei den sieben Banken mehr als 4500 Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro in Anspruch genommen. Davon flossen 123 Millionen Euro als öffentliche Fördermittel – mehr als doppelt soviel wie im Jahr zuvor. Tilgungen wurden ausgesetzt und Coronahilfe-Darlehen der KfW vermittelt. Die Gefahr, dass in der Corona-Krise in großem Ausmaß Kredite ausfallen werden, sehen die Banker eher nicht. "Die Bankbranche wird besser durch die Coronakrise kommen als durch die Finanzmarktkrise 2009", glaubt Hornung. Die Wirtschaft auf der Ostalb behaupte sich, einige Branchen würden stark gebeutelt, andere dagegen machten gute Geschäfte. Nun vertrauen die Banker auf ein Abklingen des Infektionsgeschehens im Frühling und vor allem den positiven Effekt der Impfung.

Digitalisierung

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung einen Schub gegeben. Sowohl in der internen Kommunikation als auch in der Kundenberatung haben Videokonferenzen und Online-Schalten noch stärker Einzug gehalten. Serviceleistungen werden ohnehin immer häufiger online oder per Telefon abgewickelt: "Auch ältere Menschen nutzen mehr und mehr Onlinebanking", so Hornung. Die Genossenschaftsbanken setzen mit 75 Filialen dennoch weiterhin auf Präsenz vor Ort – nicht zuletzt, um sich von reinen Online- und Direktbanken abzuheben. "Das Menschliche, Persönliche ist wichtig", sagt Hillenbrand und Kurt Abele, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb und stellvertretender Bezirksvereinigungs-Vorsitzender, ergänzt: "Beratung ist unsere DNA. Damit verdienen wir Geld."

Ergebnisse

In der Tat ist der Provisionsüberschuss der sieben Banken 2020 um fünf Prozent auf 35 Millionen Euro gestiegen. Die wichtigste Einnahmequelle, der Zinsüberschuss, steht dagegen seit Jahren unter Druck – Stichwort Niedrigzins. Auch jetzt nahm er erneut um 5,4 Prozent auf 66 Millionen Euro ab. Gleichzeitig legen die Kunden immer mehr Geld auf die hohe Kante. Das betreute Kundenanlagenvolumen stieg um 8,3 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro: mithin ein Problem für die Banken, die für Geld, das sie bei der Zentralbank zwischenparken, Strafzinsen zahlen müssen.

Preise

"Beim Wohnungsbau läuft der Motor nach wie vor auf Hochtouren", sagt Hornung. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach entsprechenden Krediten. Der Wunsch nach dem eigenen Heim, aber auch die Suche nach einem sicheren Investment spielen hier eine Rolle. Übertriebene Angst vor einer Inflation treibt die Banker nicht um. Zwar werde es bei weiteren Lockerungen Nachholeffekte und Preiserhöhungen in einigen Branchen geben, andere – wie der Textileinzelhandel – dürften dagegen auf Rabatte setzen.

Unterstützung

Die Genossenschaftsbanken, einst als lokal-regionale Selbsthilfeorganisationen gegründet, sehen sich in besonderer Verantwortung gegenüber heimischen Wirtschaftszweigen wie dem stationären Einzelhandel: Höhere Abgaben oder Steuern für den Onlinehandel befürworten sie. Wichtig sind die Banken regional als Arbeitgeber und Steuerzahler, aber auch als Unterstützer von Vereinen und Institutionen: 832 000 Euro an Spenden und Sponsoring flossen 2020, großteils aus dem Gewinnsparen. Das waren 50 000 Euro weniger als 2019 – unter anderem, weil viele gesponserte Veranstaltungen ausgefallen sind.

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